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Titel: Meyers Fach-Lexika
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aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 808
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[808] Meyer’s Fach-Lexika. Mit jedem Jahre gewinnt im deutschen Publicum das Conversationslexikon an Terrain. Aus den Lesezimmern der Bibliotheken bahnte es sich den Weg in die nunmehr zahlreich vorhandenen Lesehallen verschiedenartigster Vereine, ja sogar in viele Restaurants der Großstädte ist es heute gedrungen, und es bildet hier neben guter Zeitungslectüre ein nicht zu unterschätzendes Zugmittel. Es wäre grundfalsch, zu behaupten, daß diese große Verbreitung der encyklopädischen Literatur in der Verfluchung der modernen Bildung ihre Stütze habe. Gerade die Tiefe des heutigen Wissens und die Vielseitigkeit des menschlichen Könnens zwingen selbst den Gelehrtesten, in vielem Fällen zu dem Conversationslexikon seine Zuflucht zu nehmen; denn ein Mann, der, wie einst Aristoteles, das gesammte Wissen seiner Zeit in sich vereinigte, wäre heutzutage eine unmögliche Erscheinung. Die bis jetzt erschienenen Conversationslexika sind aber sämmtlich viel zu theuer, um Volksbücher im weitesten Sinne des Wortes zu werden und somit die denkbar größte Verbreitung zu erlangen.

Diesem Uebelstande wußte nunmehr das bewährte „Bibliographische Institut in Leipzig wenigstens theilweise abzuhelfen, indem es die Herausgabe von „Meyer’s Fach-Lexika“ veranstaltete. Die Verlagshandlung dieser encyklopädischen Novität ging von der zutreffenden Annahme aus, daß der Berufsmensch außer seinem Fache noch Eins, meist seiner Pflichtthätigkeit Entgegengesetztes treibt, daß, um Beispiele anzuführen, der Jurist sich vielleicht mit der schönen Kunst beschäftigt, der Philolog dem Gartenbau als einer Liebhaberei obliegt und der Mechaniker philosophischen Studien nachgeht. Für diese, gewiß sehr zahlreiche Classe von Menschen werden Fach-Lexika des Gartenbaues und der Blumenzucht, der Philosophie oder der bildenden Künste willkommene Nachschlagebücher sein und thatsächlich den Mangel eines allgemeinen Conversationslerikons ersetzen. Außerdem aber giebt es Wissenschaften und Künste, welche in unseren Schulen nicht gelehrt werden und welche dennoch ein Gebildeter wenigstens in allgemeinen Umrissen kennen muß und mit denen er, sozusagen, tagtäglich in Berührung kommt, wie z. B.: die Volkswirthschaft, die moderne Zeitgeschichte, die öffentliche Gesundheitspflege, das Theaterwesen etc. Ueber alle diese Gebiete des Handels und Wandels, des privaten und staatlichen Lebens, der reinen und angewandten Wissenschaft sollen nun die obenerwähnten Fach-Lexika Belehrung und Auskunft ertheilen.

Es liegen uns bereits neun derartige Bände der Meyer’schen „Fach-Lexika“ vor, welche sämmtlich einzeln zu beziehen sind: das Staatslexikon von Dr. jur. Karl Baumbach, das Lexikon der Physik und Meteorologie von Dr. E. Lommel, das Militär-Lexikon von J. Castner, das Lexikon der deutschen Geschichte von Dr. H. Brosien, biographisches Künstler-Lexikon von Dr. H. A. Müller, Lexikon der angewandten Chemie von Dr. O. Dammer, Lexikon der Handelsgeographie von Dr. K. E. Jung, Lexikon der Geschichte des Alterthums von Dr. Z. Peter und das Lexikon der Allgemeinen Weltgeschichte von Dr. R. Hermann.

Hoffentlich werden sie sich alle einer günstigen Aufnahme von Seiten des Publikums zu erfreuen haben; wir wünschen dies der Verlagshandlung von Herzen; denn ihr redliches Bestreben hat eine derartige Aufnahme sicherlich verdient.