Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Regiomontānus“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Regiomontānus“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 13 (1889), Seite 662
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wikipedia-Logo
Wikipedia: Regiomontanus
Wiktionary-Logo
Wiktionary:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Regiomontānus. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 13, Seite 662. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Regiomont%C4%81nus (Version vom 06.12.2022)

[662] Regiomontānus, eigentlich Johannes Müller, Mathematiker und Astronom, geb. 6. Juni 1436 zu Königsberg in Franken, von welchem Ort er den Namen R. oder „Königisberger“ (Meister Johannes Künisperger) führte, bildete sich unter Georg Purbach, lehrte dann eine Zeitlang Mathematik zu Wien und ging 1461 mit dem gelehrten Kardinal Bessarion nach Italien, um die griechische Sprache zu erlernen. Nach längerm Aufenthalt in Rom, Ferrara, Padua und Venedig kam er nach Wien zurück und lebte hierauf in Ofen am Hof des ungarischen Königs Matthias Corvinus, bis er sich 1471 in Nürnberg niederließ, wo er mit Unterstützung eines reichen Bürgers, Bernhard Walther, nach eignen Angaben astronomische Instrumente anfertigen ließ und eine Druckerei errichtete, die wegen der Korrektheit der daraus hervorgegangenen Bücher berühmt ist. Papst Sixtus IV., der ihn zur Verbesserung des Kalenders 1474 nach Rom berief, ernannte ihn zum Bischof von Regensburg. R. starb 6. Juli 1476 in Rom. Er brachte zuerst in Deutschland das Studium der Algebra wieder in Aufnahme und gab der Trigonometrie, in welche er den Gebrauch der Tangenten einführte, höhere wissenschaftliche Vollkommenheit. Auch seine Schriften über Wasserleitung, Brennspiegel, Gewicht etc. zeugen von großer Gelehrsamkeit und seltenem Scharfsinn. Seine „Ephemerides ab anno 1475–1506“ (Nürnb. 1474; fortgesetzt von Walther und hrsg. von Schoner, das. 1544) fanden allgemeine Anerkennung. Außerdem schrieb er: „Calendarium“ (deutsch und lat., Nürnb. um 1473); „De doctrina triangulorum“ (Vened. 1463); „De quadratura circuli“ (1463); „Dialogus contra Gerhardi Cremonensis in planetarum theorias deliramenta“ (Nürnb. 1475); „De reformatione calendarii“ (Vened. 1484); „De cometae magnitudine longitudineque“ (Nürnb. 1531); „De triangulis omnimodis“ (das. 1533); „Tabulae directionum profectionumque in nativitatibus multum utiles“ (Vened. 1585). Vgl. Ziegler, R., ein geistiger Vorläufer des Kolumbus (Dresd. 1874).