Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Pirna“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 13 (1889), Seite 84
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Pirna. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 13, Seite 84. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Pirna (Version vom 30.06.2023)

[84] Pirna, Amtshauptstadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, an der Mündung der Gottleuba in die Elbe, Knotenpunkt der Linien Dresden-Bodenbach, P.-Berggießhübel und P.-Arnsdorf der Sächsischen Staatsbahn, 120 m ü. M., hat an Stelle der ehemaligen Festungswerke anmutige Promenaden, 2 evang. Kirchen (darunter die stattliche gotische Hauptkirche, 1502–46 erbaut, mit alten Glasmalereien), eine neue kath. Kirche, eine alte Klosterkirche (jetzt als Warenniederlage benutzt), ein altes Rathaus und (1885) mit der Garnison (2 Abteil. Feldartillerie Nr. 28) 11,898 meist evang. Einwohner, welche Fabrikation von Zigarren, Glas, chemischen Präparaten, emailliertem Geschirr, Malz, Schamotteöfen, ferner Töpferei, Bierbrauerei, Gerberei, Schiffbau, Schiffahrt und Handel, besonders mit Getreide, Obst und weitbekanntem pirnaischen Sandstein, betreiben. Die in dem hier beginnenden Elbsandsteingebirge auf beiden durch eine schöne Brücke verbundenen Ufern der Elbe betriebene Sandsteinindustrie beschäftigt gegen 8000 Arbeiter. P. hat ein Amtsgericht, eine Realschule mit Progymnasium, ein Schullehrerseminar, eine Handelsschule, ein Waisenhaus, ein Armen- und ein Krankenhaus, eine Privatirrenanstalt, eine Arbeitsanstalt etc. Auf einer vorspringenden Ecke des Elbsandsteingebirges gründete Kurfürst August 1573 an der Stelle einer alten Burg P. das feste Schloß Sonnenstein, welches lange zum Staatsgefängnis diente, in welchem unter andern Patkul (s. d.) saß. Im Dreißigjährigen Krieg wurde es von den Schweden vergebens belagert, während P. selbst erstürmt ward. Im Siebenjährigen Krieg ward es von den Preußen 1758 erobert. 1811 ward die Irrenanstalt von Torgau hierher verlegt, 1813 aber befestigten die Franzosen das Schloß von neuem und behaupteten es bis in den November gegen die Verbündeten. Nach der Übergabe wurde es der Irrenanstalt wieder eingeräumt. Am Fuß des Schloßbergs liegt die Quelle Erlenpeter. – P. ward von König Heinrich I. 933 dem Bistum Meißen abgetreten. In der Folge kam es an Böhmen und 1249 als Heiratsgut der Prinzessin Agnes an Heinrich den Erlauchten, Markgrafen von Meißen; aber Albert der Unartige verkaufte es 1292 wieder an das Bistum Meißen, und dieses überließ es 1298 wieder Böhmen. Indes verpfändete es König Wenzel an den Markgrafen Wilhelm den Einäugigen (1404), und da es nicht wieder eingelöst wurde, verblieb es seitdem bei Kursachsen, das 1459 im Egerschen Vertrag das wirkliche Besitzrecht davon erhielt. 14. Nov. 1634 wurde hier der Vertrag zwischen Sachsen und dem Kaiser geschlossen, der den Prager Frieden einleitete. Die im Mittelalter durch Handel blühende Stadt geriet im 17. Jahrh. in Verfall, zumal während des Dreißigjährigen Kriegs, wo sie 23. April 1639 von den Schweden unter Banér eingenommen wurde. Im Siebenjährigen Krieg wurde in der Nähe 16. Okt. 1756 die sächsische Armee von den Preußen gefangen. Vgl. „Urkundenbuch der Städte Dresden und P.“ (hrsg. von v. Posern-Klett, Leipz. 1875).