Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Olaf“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Olaf“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 12 (1888), Seite 359
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wiktionary-Logo
Wiktionary:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Olaf. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 12, Seite 359. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Olaf (Version vom 06.09.2021)

[359] Olaf (Oluf), Name mehrerer norweg. Könige. 1) O. Trygveson, Urenkel Harald Harfagars, Sohn Trygves, Unterkönigs in dem östlichen Teil von Wiken, wurde in Rußland erzogen, wohin seine Mutter nach Ermordung ihres Gatten geflohen war. Nachdem O. in England das Christentum angenommen hatte, ging er 995 mit wenigen Schiffen nach Norwegen hinüber, wo er nach Ermordung des Jarls Hakon als Königssohn und Beherrscher Norwegens anerkannt wurde. Während seiner kurzen Regierungszeit verwendete er seine ganze Kraft auf Ausbreitung des Christentums in Norwegen, und es gelang ihm, längs der ganzen Küste von Wiken bis Finnmarken den heidnischen Götzendienst zu beseitigen und die angesehensten Männer zur Taufe zu bewegen. Zuletzt unternahm er einen Kriegszug nach Wenden (Pommern), ward aber von den gegen ihn verbündeten Königen Sven von Dänemark und Olaf Schoßkönig von Schweden nach langem Widerstand besiegt und stürzte sich ins Meer (1000).

2) O. II., der Dicke oder Heilige, Sohn Harald Gränskes, geb. 995, unternahm verschiedene glückliche Kriegszüge nach der Normandie und Großbritannien, wurde 1017 nach Vertreibung der Söhne Hakon Jarls König von Norwegen, ließ sich taufen, betrieb mit Beharrlichkeit die Christianisierung des Volkes und regierte eine Zeitlang mit Strenge und Gerechtigkeit. Er eroberte 1025 Island, Schottland, die Orkneyinseln und die Färöer und dehnte die Grenzen Norwegens auch weit nach Schweden aus. Als aber Knut d. Gr., den er durch einen Angriff auf seine Reiche während seiner Abwesenheit in Rom gereizt hatte, 1028 in Norwegen selbst erschien, huldigte ihm das gesamte Volk, und O. mußte nach Rußland zu seinem Schwager Jaroslaw fliehen. Als er 1029 einen Versuch machte, sein Reich wiederzuerobern, ward er bei Stiklestad am Drontheimer Fjord von einem norwegischen Heer geschlagen und getötet (31. Aug. 1029). O. wurde später im Dom zu Drontheim beigesetzt, wegen seines Eifers für die Ausbreitung des Christentums, das durch ihn zuerst eigentlich den Boden in Norwegen gewann, kanonisiert und 1164 zum Schutzheiligen Norwegens erklärt. Die Skalden der spätern Zeit haben ihm einen eignen Sagen- und Liederkreis gewidmet, und die Gesänge, welche seinen Namen verherrlichen, reichen bis in die Neuzeit herab. Vgl. Maurer, Norwegens Schenkung an den heil. O. (Münch. 1877).

3) O. III. Kyrre („der Friedfertige“), Sohn Haralds III. Hardrada, kam nach dessen Tod 1066 nebst seinem Bruder Magnus II. zur Regierung und herrschte seit 1069 allein. Er war schön, mild und leutselig, liebte das Hofleben des Auslandes und begünstigte den Handel mit den Fremden, für den er Bergen anlegte. Er starb 1093.

4) O. IV. (V.), Sohn Hakons und der Margarete von Dänemark, geb. 1370, wurde 1374 von dem dänischen Reichstag zum König gewählt und gelangte 1380 auch auf den norwegischen Thron. Er stand unter Vormundschaft seiner Mutter und starb noch vor erlangter Volljährigkeit 1387.