Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Manutĭus“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 11 (1888), Seite 211
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Manutĭus. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 11, Seite 211. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Manut%C4%ADus (Version vom 05.12.2023)

[211] Manutĭus (ital. Manuzio, Manuzzi und Manucci), Aldus, der ältere, geb. 1450 zu Bassano, studierte in Ferrara und in Rom (daher sein Beiname Romanus), wirkte dann als Erzieher in fürstlichen Häusern, erlernte in Verona unter Guarinis Leitung noch das Griechische und legte 1488 zur Hebung der humanistischen Studien in Venedig eine Druckerei an. Er selbst machte sich durch mehrere gelehrte Schriften über Gegenstände der hebräischen, griechischen und lateinischen Linguistik und Grammatik, die er in Latein verfaßte, einen Namen und unterhielt in seinem Haus eine gelehrte Gesellschaft, welche die Textrevision der alten Autoren besorgte, die bei ihm zum Drucke gelangten. In 28 sogen. Editiones principes erschienen bei ihm die ersten Drucke in griechischen Lettern (die ersten 1494). Die in den damaligen Offizinen noch gebräuchliche, aus den mittelalterlichen Handschriften stammende sogen. gotische oder Mönchsschrift ersetzte er durch die Antiqua- und die von ihm erfundene und auf seine Veranlassung geschnittene Kursivschrift. Seine unter dem Namen Aldinen geschätzten Ausgaben zählen zu den schönsten Produkten der Buchdruckerkunst. M. starb 6. Febr. 1515 an den Folgen eines auf ihn gemachten Attentats. Vgl. Schück, Aldus M. und seine Zeitgenossen (Berl. 1862); Didot, Alde Manuce et l’Hellénisme à Venise (Par. 1875).

2) Paulus, Sohn des vorigen, geb. 12. Juni 1512, leitete den Druck der Kirchenväter in Rom, übernahm 1533 in Venedig die inzwischen von Andrea d’Asola geleitete Druckerei seines Vaters, zeichnete sich als Gelehrter aus und starb 6. April 1574. Besonders geschätzt ist seine Ausgabe des Cicero.

3) Aldus, der jüngere, Sohn des vorigen, geb. 13. Febr. 1547, war im Lehrfach der alten Sprachen an mehreren Orten Italiens und als Schriftsteller schon in frühster Jugend thätig, übernahm dann die väterliche Offizin in Venedig, die aber unter ihm, der mehr Gelehrter als Buchdrucker war, in Verfall geriet und bald einging, nachdem während eines Zeitraums von 100 Jahren über 900 meist vorzügliche Ausgaben griechischer, römischer und italienischer Klassiker aus ihren Pressen hervorgegangen waren. Er starb 28. Okt. 1597 in Rom als Leiter der Typographia Vaticana. Vgl. Renouard, Annales de l’imprimerie des Aldes (3. Aufl., Par. 1834).