Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Loris-Melikow“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Loris-Melikow“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 10 (1888), Seite 915
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wiktionary-Logo
Wiktionary:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Loris-Melikow. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 10, Seite 915. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Loris-Melikow (Version vom 10.08.2021)

[915] Loris-Melikow, Michael Tarielowitsch Tainow, Graf, russ. General, geb. 1. Jan. 1826 zu Tiflis, Sohn eines armenischen Kaufmanns adliger Geburt, ward in der Gardejunkerschule zu Petersburg erzogen, trat 1843 als Kornett in das Gardehusarenregiment von Grodno, ward 1847 Adjutant des Generals Woronzow im Kaukasus und nahm an den dortigen Kämpfen ruhmvollen Anteil. Er wurde 1851 Major, befehligte 1854 als Oberst bei der Belagerung von Kars eine aus verschiedenen Stämmen gebildete Legion, ward nach Eroberung dieser Festung Gouverneur derselben und Generalmajor, 1863 Generalleutnant, 1865 Generaladjutant, 1875 General der Kavallerie und dem Großfürsten Michael attachiert. 1876 zum Kommandeur des in Armenien aufgestellten Korps ernannt, überschritt er 24. April 1877 bei Alexandropol mit demselben die türkische Grenze, schloß Kars ein und drang in raschem Siegeslauf bis in die Nähe von Erzerum vor, erlitt aber bei seinem Sturm auf die Stellung Mukhtar Paschas bei Sewin 25. Juni eine empfindliche Niederlage und mußte die Belagerung von Kars aufheben. Ein Angriff auf die weit vorgedrungenen Türken 18. Aug. mißlang ebenfalls, und 25. Aug. entriß Mukhtar Pascha L. auch die Position von Baschkadiklar; am 15. Okt. errang aber L. den Sieg am Aladjaberg, eroberte 18. Nov. Kars und siegte 4. Dez. bei Deweboyun. Er wurde 29. April 1878 in den Grafenstand erhoben und Anfang 1879 zum Gouverneur des Pestdistrikts an der untern Wolga ernannt. Nach der energischen Unterdrückung der Pest erhielt er 20. April den Posten eines Generalgouverneurs von Charkow, wo er ebensoviel Umsicht wie Festigkeit in der Unterdrückung der nihilistischen Umtriebe zeigte. Die Unthaten der Nihilisten und die sich steigernde Gefahr veranlaßten die Ernennung Loris-Melikows zum Chef einer obersten Exekutivkommission (24. Febr. 1880). Ein gegen L. gerichtetes Attentat eines Nihilisten, bei welchem L. unverletzt blieb (3. März), steigerte seine Popularität. Im August 1880 wurde er zum Minister des Innern ernannt; er übte als solcher eine sehr energische, weitgreifende und vielverheißende Wirksamkeit aus und bewog Alexander II. zu dem Plan, eine Art Volksvertretung zu berufen. Die Ermordung des Zaren im März 1881 vereitelte die Verwirklichung. Unter Alexander III. erwies sich Loris-Melikows Stellung infolge des Einflusses der Moskauer Partei unhaltbar, und er wurde 16. Mai 1881 entlassen.