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Meyers Konversations-Lexikon
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Leipzig. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 10, S. 662. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Leipzig&oldid=- (Version vom 18.07.2016)

Leipzig (hierzu der Stadtplan), die zweite Stadt des Königreichs Sachsen, Hauptstadt der gleichnamigen Kreishauptmannschaft (S. 672), liegt 114 m ü. M.,

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Wappen von Leipzig.

unter 51° 20′ nördl. Br. und 12° 23′ östl. L. v. Gr., an der Elster, Pleiße und Parthe, in der großen Ebene, die sich von der Saale bis zur Mulde und zum großen Teil bis nach der Elbe erstreckt, u. ist abwechselnd von prächtigen Waldungen, deren schönsten Schmuck zahlreiche herrliche Eichen bilden, von Wiesen, Obstpflanzungen und üppigen, sorgsam gepflegten Fruchtfeldern umgeben. Die Stadt zerfällt in die innere Stadt, die innern und äußern Vorstädte. Die Vorstädte sind mit schönen Gärten geschmückt, und ringsum liegen stattliche Dörfer, von welchen die im O. gelegenen „Grenzdörfer“ Reudnitz, Neuschönefeld u. a. für das Auge untrennbar mit der Stadt zusammengewachsen sind, während die Stadt auch nach den Vororten Konnewitz (S.), Plagwitz-Lindenau (W.), Gohlis und Eutritzsch (N.) hin ihr Weichbild fast ganz ausgefüllt hat. Die Einverleibung dieser Grenzdörfer und Vororte in die Stadtgemeinde steht nahe bevor. Die durchweg gut gebaute und seit 1770 von Promenaden (den vormaligen Festungswällen) umgebene innere Stadt wurde früher in das Peters-, Ranstädter, Grimmaische und Hallesche Viertel eingeteilt. Auch die Vorstädte nannte man mit den Namen dieser Viertel. Jetzt unterscheidet man die Vorstädte nach den Himmelsgegenden.

[Straßen, Plätze, Denkmäler.] Die Zahl der Straßen und Plätze Leipzigs beläuft sich auf etwa 250. Die Straßen der innern Stadt sind teilweise eng und krumm; doch werden von Jahr zu Jahr im Interesse des Verkehrs zeitgemäße Verbesserungen angebracht; die verkehrsreichsten Straßen sind die Grimmaische und die Petersstraße. In den innern und noch mehr in den äußern Vorstädten gibt es meist regelmäßige, breite und schöne Straßen. Unter den öffentlichen Plätzen nimmt der Markt, der vielhundertjährige Zentralpunkt des Leipziger Handels und Verkehrs, der Schauplatz vieler denkwürdiger Ereignisse, eine hervorragende Stellung ein. In der Mitte desselben befindet sich das 1845 in Pflastersteinmosaik ausgeführte Stadtwappen. Im J. 1888 soll der Markt durch Aufstellung eines großartigen, von Siemering geschaffenen Siegesdenkmals eine herrliche Zierde erhalten. Leipzigs Schmuckplatz und wohl einer der größten und schönsten Plätze Deutschlands ist der von schönen öffentlichen und Privatgebäuden eingefaßte Augustusplatz, auf dessen Südseite sich vor dem Museum seit 1886 ein von der verstorbenen Frau Mende gestifteter monumentaler Brunnen (nach einem Entwurf von Gnauth) erhebt. Von den übrigen Plätzen verdienen Erwähnung: der Roßplatz mit dem Schlachtenpanorama, der Königsplatz mit dem Denkmal des Königs Friedrich August des Gerechten (von Öser), der Fleischerplatz, der Theaterplatz mit dem Denkmal des Homöopathen Hahnemann, der Blücherplatz, der Johannisplatz mit Schillings Reformationsdenkmal (enthüllt bei der Lutherfeier 1883), der Rabensteinplatz, Marienplatz, Schletterplatz, Floßplatz, Südplatz, Körnerplatz. Von andern Denkmälern seien gleich hier erwähnt: das Leibnizdenkmal auf dem Thomaskirchhof, das Denkmal des Landwirts Albrecht Thaer an der ersten Bürgerschule, das Harkortdenkmal und der Obelisk zur Erinnerung an die Erbauung der Leipzig-Dresdener Eisenbahn in der Nähe des Dresdener Bahnhofs; seitwärts davon zu den Anlagen am Magdeburger Bahnhof das Denkmal des Bürgermeisters K. W. Müller, dem L. seine Promenaden verdankt; die Marmorstatue Gellerts von Knaur und das Denkmal des Liederkomponisten K. Zöllner im Rosenthal, einem vielbesuchten, reizenden Lustwald im NW. der Stadt. An die Tage der großen Völkerschlacht erinnern das Fricciusdenkmal, nahe der Johanniskirche, an der Stelle, wo 19. Okt. 1813 die Königsberger Landwehr unter Major Friccius in die Stadt eindrang, das am Ranstädter Steinweg 1863 zur Erinnerung an die Sprengung der Elsterbrücke errichtete Denkmal und nahe dabei vor der zweiten Bezirksschule der Denkstein für Poniatowski, der in der Elster seinen Tod fand; endlich das sogen. Kugeldenkmal [663] an der Mittelstraße. Außer den durchweg schönen, rings um die innere Stadt führenden Promenaden und dem Rosenthal, in welchem sich auch ein zoologischer Garten befindet, dienen der Bevölkerung als Erholungsplätze in der Nähe der Johannapark, eine Stiftung des Bankiers W. Seyfferth, das Scheibenholz und Nonnenholz im W. und SW. der Stadt. L. besitzt vier Friedhöfe. Der hinter der Johanniskirche gelegene alte Johannisfriedhof wird seit 1884 als solcher nicht mehr benutzt und nach und nach in einen Park verwandelt. Der neue Johannisfriedhof liegt im SO. der Stadtflur, der nördliche an der Berliner Straße. In der Nähe des Napoleonssteins auf Probstheidaer Flur ist neuerdings (seit 1886) ein großer Zentralfriedhof angelegt worden.

[Kirchen.] Die innere Stadt enthält noch viele altertümliche, mit Erkern und Ziergiebeln versehene Gebäude, während in den Vorstädten, besonders in den äußern, der moderne Baustil vorherrschend ist. Die Zahl der Kirchen ist verhältnismäßig klein, und einige Neu- und Umbauten stammen erst aus jüngster Zeit; auch zeichnet sich das Innere derselben nicht eben sehr durch hervorragende Kunstwerke aus. Die Thomaskirche, 1221 als Klosterkirche vollendet, wurde 1482 vergrößert und wird jetzt vollständig umgebaut. Das Chor, vor dessen Hauptaltar 10. Dez. 1307 Markgraf Diezmann ermordet wurde, enthält die Bildnisse sämtlicher Leipziger Superintendenten von 1573 bis 1883. Die Nikolaikirche, um 1170 erbaut und 1513 erneut, wurde zu Ende des 18. Jahrh. bei Gelegenheit einer Restauration vieler wichtiger Kunstdenkmäler, so der Bildnisse des Petrus Mosellanus und andrer berühmter Gelehrten, beraubt, und erst in neuester Zeit fand man die damals entfernten Gemälde von Dürer und Cranach auf dem Boden auf und versetzte sie in das Museum. Auf dem Neukirchhof stand eine 1217 vom Markgrafen Dietrich errichtete Zwingburg, die später den Barfüßern zur Anlegung eines Klosters eingeräumt wurde. Die Kirche wurde 1494 umgebaut und 1698 restauriert, weshalb sie Neukirche hieß, bis sie 1880 nach gründlichem, durch Mothes ausgeführtem Umbau den Namen Matthäikirche erhielt (vgl. Evers, Geschichte der Matthaikirche, 1880). Die neue Peterskirche auf dem Schletterplatz, im gotischen Stil nach Plänen von Hartel und Lipsius erbaut (die alte Peterskirche befand sich bis zum Jahr 1885 an der Ecke der Petersstraße und Schillerstraße), ist zur Zeit das schönste kirchliche Bauwerk Leipzigs; ihr schlanker Turm, der höchste in der Stadt, hat eine Höhe von 87 m. Die bisher genannten Kirchen sind Parochialkirchen. Die Pauliner- oder Universitätskirche, um 1240 erbaut, 1545 erneuert und von Luther durch eine Predigt eingeweiht, enthält den Grabstein des in der Thomaskirche ermordeten Markgrafen Diezmann und andre bemerkenswerte Epitaphien. Im Kreuzgang findet man eine Reihe von enkaustischen Wandgemälden aus dem 13. und 14. Jahrh., die, in sieben Hauptfelder eingeteilt, als die größte aller deutschen Wandgemäldeflächen (22,5 m Länge und 4,5 m Höhe) denen von Pisa, Verona und Assisi an die Seite gestellt werden. Zur Reformationszeit übertüncht, 1836 wieder entdeckt und 1869–71 mit Sorgfalt und Mühe restauriert, sind sie jetzt leider schon wieder so verblichen, daß wenig mehr davon zu sehen ist. Die Johanniskirche am Grimmaischen Steinweg, 1582 eingeweiht, enthält einige sehenswerte Gemälde; an der Ostseite befindet sich das Grabmal Gellerts. Die Kirche gehörte ursprünglich zu dem benachbarten Johannishospital, das 1278 als Hospital der Aussätzigen gegründet und zu einem Asyl für bejahrte Bürgersleute umgewandelt ward. Dieses im Lauf der Jahrhunderte zu großem Reichtum gelangte Asyl (Johannisstift) befindet sich jetzt in einem am Johannisthal gelegenen, von Lipsius entworfenen Prachtbau (1872 vollendet). In reizender Lage, am Saum des schönen Johannaparks, erhebt sich die 1883 begonnene, 1886 vollendete Lutherkirche. Die katholische Kirche, im gotischen Stil nach Heideloffs Entwürfen 1847 errichtet, steht an der Weststraße, gegenüber der Pleißenburg. Die im maurischen Stil erbaute Synagoge in der Zentralstraße ist ein Werk Simonsohns und wurde 1855 eingeweiht. Für die reformierte Gemeinde, deren Bethaus sich zur Zeit in der Klostergasse befindet, ist der Bau einer neuen Kirche auf dem Areal des Georgenhauses projektiert. Nahe der Lutherkirche, an der Sebastian Bach- und Schreberstraße, steht seit 1885 eine kleine englisch-amerikanische Kirche.

[Profanbanten.] Unter den Profanbauten verdient zuerst genannt zu werden das an der Ostseite des Marktes gelegene Rathaus, welches mit Benutzung der untern Mauern des alten, aus dem 13. Jahrh. stammenden Baues 1556 vom Bürgermeister Hieronymus Lotter erbaut wurde. In dem schönen, großen Sitzungssaal hängen die Bilder aller sächsischen Fürsten sowie ein äußerst kunstreich mit der Nadel gearbeitetes Werk, den Urteilsspruch Salomos darstellend, aus dem ersten Drittel des 16. Jahrh.; in der Ratsstube werden kostbare altertümliche Pokale verwahrt, darunter einer, der Luthers Eigentum war. Hinter dem Rathaus, am Naschmarkt, steht die 1678 erbaute Alte Börse, welche vorzeiten für ein überaus kostbares Bauwerk galt, auf der Plattform mit den Statuen des Merkur und Apollo, der Venus und Pallas (von Morelli) geschmückt. Nach Erbauung der prachtvollen Neuen Börse auf dem Plauenschen Platz wurde das Gebäude für die Sitzungen des Stadtverordnetenkollegiums hergerichtet. Am Markt steht auch das Königshaus, in welchem 1695 bis 1829 die sächsischen Herrscher bei ihrer Anwesenheit in L. wohnten. Hier feierte jahrelang König August der Starke seine berüchtigten Meßfeste, hier rastete 1698 Peter d. Gr., 1707 Karl XII. von Schweden, fand 1760 das bekannte Gespräch zwischen Friedrich d. Gr. und Gellert statt und wohnte 1809 Jérôme, König von Westfalen, sowie 1813 Napoleon. Im Erker dieses Hauses war es, wo letzterer vom König von Sachsen Abschied auf Nimmerwiedersehen nahm, und von hier aus führte man den König wenige Stunden später in die Gefangenschaft. In demselben Zimmer starb 1820 Fürst Schwarzenberg, der Sieger von L., und 1827 während der Huldigungsfeier die Königin von Sachsen. Die prächtige Fassade des ältesten Kaufmannshauses Leipzigs, Barthels Hof genannt (Ecke des Marktes und der Hainstraße), hat man nach dessen 1871 erfolgtem Abbruch, als Perle der Spätgotik, wieder auf der Hofseite des Neubaues angefügt. An der Ecke der Katharinenstraße steht die 1555 erbaute alte Ratswage. Dem Rathaus gegenüber, in der Grimmaischen Straße, befindet sich das länger als drei Jahrhunderte berühmteste Bürgerhaus der Stadt, Auerbachs Hof, welches, 1530–38 erbaut, durch die an ihm haftende Faustsage und durch Goethes Faustdichtung weltbekannt geworden ist, ehedem ein Bazar der reichsstädtischen Handelsherren und als solcher der wichtigste Meßhandelsplatz mit 100 Gewölben und vielen offenen Buden. Die in dem Weinkeller befindlichen Faustbilder stammen [664] aus dem Jahr 1525 (s. Auerbach 1). Das stattliche Fürstenhaus in derselben Straße bewohnte 1712 Peter d. Gr. auf seiner Reise nach Karlsbad; im Erdgeschoß desselben befindet sich die Niederlage der Meißener Porzellanfabrik. Das angrenzende Mauricianum erbaute die Universität 1845 auf der Stelle der Begräbnisgrüfte des eingegangenen Pauliner-Gottesackers. In der benachbarten Nikolaistraße ist das Gasthaus zum Rosenkranz, die frühere Wittenberger Herberge, in welcher Luther bei seiner Durchreise nach Worms Quartier nahm und auch später oft herbergte. Nahe dabei ist Quandts Hof, wo in einem noch vorhandenen Seitengebäude die Neuberin mit ihrer berühmten Truppe spielte. In dem altertümlichen Roten Kolleg in der Ritterstraße wurde Leibniz geboren, und daneben, im Hof der 1834 erbauten bisherigen Buchhändlerbörse, wohnte und starb der Dichter Gellert. An der Nordseite des Nikolaikirchhofs, neben der alten, schon 1512 vorhandenen Nikolaischule, erhebt sich der 1887 vollendete überaus stattliche Neubau des Predigerhauses zu St. Nikolai. Die Ecke der Grimmaischen Straße und des Augustusplatzes bildet das elegante Café français, 1834 auf dem Grund eines alten Thorturms errichtet. Auf der Stelle des daran stoßenden Paulinums stand ehedem eine Zwingburg, die 1224 zerstört und durch ein Dominikanerkloster ersetzt wurde, dessen Gebäude nach seiner 1545 erfolgten Säkularisation der Universität zufielen. Im Paulinum befinden sich die Münzsammlung und die Universitätsbibliothek (vgl. unten), für welch letztere aber im ehemaligen botanischen Garten ein Neubau nach Roßbachs preisgekröntem Entwurf errichtet wird. Der nach der Universitätsstraße gelegene Hof enthält das Konviktsgebäude und das nach dem verdienstvollen Rektor Kaspar Börner (gestorben 1547) genannte, neuerbaute Bornerianum. Von dem Mittelgebäude nur durch einen Hof getrennt ist das 1834–36 nach Schinkels Entwürfen erbaute Universitätsgebäude (Augusteum) mit den symbolisierten Fakultäten von Rietschel im Giebelfeld. Die Aula enthält Statuen sächsischer Fürsten, die Büsten Goethes und Leibniz’ von Knaur, Gottfr. Hermanns und Börners von Rietschel, von letzterm auch prächtige Basreliefs, die Entwickelung der Kultur darstellend, ferner ein Denkmal, welches die Universität den im Krieg von 1870/71 gegen Frankreich gefallenen Studenten setzen ließ. Im Augusteum befindet sich auch die archäologische Sammlung. Am benachbarten Augustusplatz erhebt sich das 1864–67 erbaute Neue Theater, zu dem Oberbaurat Langhans in Berlin die Entwürfe lieferte (Grundrisse und Durchschnitt des Gebäudes s. Tafel „Theaterbau“). Die allegorischen Gruppen in den Giebelfeldern sind von Hagen, Lürssen, Wittich und Schiele. Bemerkenswerte Gebäude in der Nähe sind das Postgebäude am Augustusplatz, das königliche Palais und die Georgenhalle, in der zur Zeit das Reichsgericht untergebracht ist, für welches jetzt ein großartiger monumentaler Bau auf dem Areal des ehemaligen botanischen Gartens, gegenüber dem Landgerichtsgebäude, errichtet wird. Dem Theater gegenüber steht das 1837 gegründete, 1858 eingeweihte und 1883–86 nach den Plänen von Licht sehr erweiterte städtische Museum, durch Schenkungen des Kunstfreundes Heinrich Schletter wesentlich gehoben, mit Skulpturen von Thorwaldsen, Schilling, Hähnel, Rietschel u. a., Gipsabgüssen, Kartons und hervorragenden modernen Gemälden, namentlich von Calame, Delaroche, A. und O. Achenbach, Bellangé, Biard, Verboeckhoven, Lessing, Defregger, Preller, Knaus, Vautier, Sohn, Lindenschmit, einigen Bildern der ältern deutschen und niederländischen Schule sowie einer großen Kupferstichsammlung. Das nahegelegene Fridericianum verwahrt das pharmakologische Museum und die akademische Lesehalle. Der Goldene Bär in der Universitätsstraße ist das Gründungshaus der berühmten, seit 160 Jahren bestehenden Buchdruckerei von B. Chr. Breitkopf, welche jetzt (Breitkopf u. Härtel) ihr Geschäftshaus in der Nürnberger Straße hat. In dem 1740 erbauten Gewandhaus befindet sich die Stadtbibliothek mit über 100,000 Bänden und einer reichhaltigen Manuskriptensammlung. In dem Saal des Gewandhauses fanden 1781–1884 die weltberühmten Gewandhauskonzerte statt, für welche in den Jahren 1882–1884 nach den Plänen von Gropius und Schmieden im ehemaligen botanischen Garten ein prachtvolles neues Konzerthaus erbaut worden ist, in dessen Nähe das 1843 von Mendelssohn-Bartholdy und kunstbegeisterten Leipziger Bürgern begründete Konservatorium für Musik ebenfalls einen Neubau erhalten hat. Im Hof der dem alten Gewandhaus nahegelegenen Großen Feuerkugel wohnte Goethe als Student und vor ihm Lessing. An der Ecke der Schillerstraße und der Petersstraße, an der Stelle, wo bis 1885 die alte Peterskirche stand, erhebt sich jetzt das prächtige Reichsbankgebäude. Gegenüber liegt die vormalige Citadelle Pleißenburg, 1213 als Zwingburg angelegt, 1547 zusammengeschossen und 1549–51 wieder aufgebaut. Hier fand 1519 die berühmte Disputation zwischen Eck und Luther statt, und 6. Nov. 1632 starb daselbst der in der Schlacht bei Lützen tödlich verwundete Pappenheim. Im Dreißigjährigen Krieg wiederholt belagert und eingenommen, wurde sie seit 1770 nicht mehr als Festung betrachtet und dient jetzt als Kaserne und zu andern militärischen Zwecken. Der Turm diente bis 1861 als Sternwarte. Am nahen Thomaskirchhof stand ein 1213 gestiftetes Augustinerkloster, mit welchem eine gelehrte Schule, die Thomasschule, verbunden war, die sich zugleich unter der Leitung ausgezeichneter Kantoren (wie Joh. Seb. Bach, Hiller, Schicht, Weinlig, Hauptmann u. a.) durch die Pflege des Kirchengesangs einen glänzenden Namen in der Geschichte der Musik erworben hat. Seit 1877 hat die Schule ein neues stattliches Gebäude in der Westvorstadt erhalten. Der alten Thomasschule schrägüber steht die Zentralhalle, 1850 als Vergnügungslokal errichtet; der große Saal ist geschmückt mit schönen Fresken (nach Preller). In dem Haus „zum Kaffeebaum“ wurde 1694 die erste Kaffeewirtschaft in L. errichtet. Das Alte Theater, unfern vom Eingang zum Rosenthal, wurde 1766 vom Kaufmann Zehmisch gegründet und 1817 vom badischen Oberbaudirektor Weinbrenner umgebaut. An der Nordseite der Promenade stehen der Thüringer, Magdeburger und Dresdener Bahnhof. Die übrigen Bahnhöfe liegen vereinzelt und zwar der Bayrische auf der Grenze zwischen der Süd- und Ostvorstadt, der Eilenburger im O. und der Berliner im äußersten Nordosten der Stadt. Letzterer ist neuerdings durch einen über die Geleise der Thüringer und Magdeburger Bahn führenden Viadukt zugänglicher gemacht worden. Der Zentralgüterbahnhof befindet sich bei Schönefeld. Nahe dem Dresdener Bahnhof steht das große Gebäude der Allgemeinen Deutschen Kreditanstalt. Am Ende der Wintergartenstraße sieht man den Kristallpalast, das frühere Alte Schützenhaus, Leipzigs umfangreichstes Vergnügungsetablissement, [665] mit schönem Garten, großen Sälen, Dioramen und prachtvollem Zirkus (Alberthalle). Auf der Querstraße befindet sich das großartige Etablissement des Buchhändlers Brockhaus. Ferner sind hervorragende Gebäude der Ostvorstadt: das Etablissement des Bibliographischen Instituts von Meyer (früher in Hildburghausen) am Gerichtsweg, das geschmackvolle Haus des Buchhändlers E. Keil, des Begründers der „Gartenlaube“, in der Thalstraße, das Paketpostamt und das neue Buchhändlerhaus in der Hospitalstraße. Im Johannisthal, einer 1832 auf dem Areal der ehemaligen Sandgrube geschaffenen großen Gartenanlage, die aber in neuester Zeit teilweise bebaut worden ist, erhebt sich seit 1861 die neue Sternwarte. Auf der Südseite des Johannisthals liegen das städtische Krankenhaus zu St. Jakob, das Taubstummeninstitut, die Augenheilanstalt und eine große Anzahl von Universitätsinstituten, wie die Anatomie, das physiologische, pathologische, pharmakologische, hygieinische, landwirtschaftliche, agrikulturchemische, physikalische, chemische, zoologische Institut, weiter hinaus nach SO. der botanische Garten, die Irrenanstalt und die Veterinärklinik.

Zur Verschönerung der Stadt, zur Verbesserung des Straßenpflasters und der Schleusen ist in jüngster Zeit viel geschehen. Von größern Arbeiten der letzten Jahre sind zu nennen: die Überbrückung des Elstermühlgrabens im Ranstädter Steinweg, die Niederlegung des Dammes zwischen der Pleißenburg und der Mühlgasse, die Anlage einer zweiten Gasanstalt und eines Schlachthofs im S. der Stadt, die Anlage einer neuen großartigen Wasserleitung aus den bei Naunhof gelegenen Wäldern. Die reichen Schenkungen, welche der Stadt in den letzten Jahren zugeflossen sind (Karl Tauchnitz, Grassi u. a.), ermöglichen der städtischen Verwaltung, für die weitere Verschönerung der Stadt zu sorgen.

[Bevölkerung.] Die Zahl der Einwohner von L. betrug 1676 gegen 20,000, 1776: 24,000, 1800: 32,146, 1864: 85,394, 1885: 170,342 Ortsanwesende, darunter 3373 aktive Militärs. Dazu kommt die Einwohnerschaft der wirtschaftlich längst zu L. gehörenden Grenzdörfer (62,446) und andrer Vorstadtdörfer (68,666) sowie der ebenfalls zur Einverleibung bestimmten Außendörfer (7827), so daß das wirtschaftliche L. schon jetzt mehr als 300,000 Einw. zählt. Dem Religionsbekenntnis nach zählte man 1885 in der eigentlichen Stadt 155,627 Lutheraner, 3844 Reformierte, 5623 Römisch-Katholische, 3631 Juden und 1617 andre.

[Handel und Industrie.] Schon gegen Ausgang des Mittelalters verdankte L. seine wachsende Bedeutung vornehmlich dem Handel. Die nach mehr als 400jährigem Bestehen im J. 1887 aufgelöste Kramerinnung und die später neben ihr begründete Vereinigung der Großhändler sowie der aus beiden Körperschaften gebildete Handelsvorstand (bis 1868) haben in ihrer Blütezeit eine hervorragende Rolle gespielt. Den Charakter als Handelsstadt hat L. zunächst durch seine drei Handelsmessen, zu Neujahr, Ostern und Michaelis, gewonnen, welche es zu einem Platz von universeller Bedeutung für die Handelswelt machen. Unter ihnen dauert die Neujahrsmesse, die unbedeutendste, zwei Wochen (1.–15. Jan.), die Oster- oder Jubilatemesse (zugleich Buchhändlermesse) und die Michaelismesse je drei Wochen, wovon die erste die „Böttcherwoche“, die zweite die „Meßwoche“, die dritte die „Zahlwoche“ genannt wird. Am Donnerstag der Zahlwoche müssen alle zur Messe eingegangenen Wechselverbindlichkeiten gelöst werden; in der Neujahrsmesse ist der 12. Jan. dieser Zahltag. Die Leipziger Messen entwickelten sich aus Jahrmärkten und erlangten erst eine größere Bedeutung, als 1507 Kaiser Maximilian I. der Stadt Stapel- und Niederlagsrecht verlieh. Infolge der günstigen Lage Leipzigs in dem gewerbfleißigen Sachsen und zwischen dem industriereichen Westen Europas und dem stark konsumierenden Osten sowie infolge des Eifers, mit dem der Leipziger Rat und die sächsischen Fürsten über den „Freiheiten“ der Leipziger Messen wachten, erhoben dieselben sich zu einer Bedeutung, welche von 1711 an diejenige der ältern Reichsmessen von Frankfurt a. M. überragte und auch nicht durch die großen Anstrengungen Frankfurts a. O. beeinträchtigt werden konnte. Die hauptsächlichsten Blüteperioden der Leipziger Messen fallen in das Ende des 17. und das Ende des 18. Jahrh. Einen letzten großen Aufschwung nahmen dieselben infolge des Eintritts des Königreichs Sachsen in den Zollverein 1834. Wenn aber der Umfang des Leipziger Meßgeschäfts noch bis in die 60er Jahre namhaft stieg, so darf dabei nicht übersehen werden, daß die rückläufige Bewegung in der relativen Bedeutung der Messen für den Welthandel auch bei den Leipziger Messen sich trotzdem gleichzeitig vollzog. Eisenbahnen, Post, Telegraph und das Institut der Geschäftsreisenden haben den Messen das Rückgrat gebrochen. Doch darf nicht verkannt werden, daß die jetzige Bedeutung des Handels- und Industrieplatzes L. nur durch die Messen ermöglicht worden ist. Vgl. E. Hasse, Geschichte der Leipziger Messen, Leipz. 1885.

Unter den Handelszweigen, für welche die Messen noch jetzt von großer Bedeutung sind, verdienen der Tuch- und der Lederhandel, besonders aber der Rauchwarenhandel hervorgehoben zu werden; dieses Geschäft gehört dem Welthandel im eigentlichen Sinn des Wortes an, denn hier findet der Austausch der amerikanischen und der russischen Rauchwaren statt, von welchen sich ungeheure Vorräte in den hiesigen Lagern zusammenfinden. Bei den Londoner Auktionen wie bei den Märkten in Nishnij Nowgorod spielt L. durch seine Vertreter eine wesentliche Rolle. In andern Zweigen, wie im Glas- und im Kurzwarengeschäft, pflegen die Verkäufer die Messen nur noch mit Musterlagern zu beziehen. Abgesehen vom Rauchwarengeschäft, welches die Käufer aus dem Orient auf längere Zeit hier festhält, spielt sich der Großhandel in der Hauptsache in wenigen Tagen ab und zwar in der sogen. Vorwoche, welche der Böttcherwoche vorangeht, also noch vor dem amtlichen Beginn der Messe. Von hervorragender Wichtigkeit war früher, besonders in den ersten Jahrzehnten nach Begründung des Zollvereins, der sogen. Zwischenhandel, worunter in erster Reihe der Vertrieb ausländischer Waren (englischer Kurz- und Manufaktur-, d. h. Webwaren, französischer und schweizerischer Seidenstoffe, Stutz- und Taschenuhren etc.) und zwar meist wieder nach dem Ausland verstanden wurde; er fand in den Messen einen Stützpunkt. Mit der Erleichterung des direkten Verkehrs, mit dem Erstarken der heimischen Industrie ist dieses Geschäft mehr und mehr zusammengeschrumpft. Auch der Handel in Webgarnen, in roher und gefärbter Seide, in Farbewaren, in Eisen und Blech, welcher, von alten, kapitalkräftigen Firmen betrieben, die Industrie in weitem Umkreis versorgt, ist schwieriger und weniger gewinnbringend geworden. Ebenso hat der Getreidehandel an Bedeutung verloren, seit der Zoll den Bezug russischen Getreides erschwert. Dagegen ist der Wollhandel mit dem steigenden Verbrauch von Kolonialwollen durch die Industrie [666] gewachsen, und als neuer Zweig hat sich ihm das Geschäft in Kammzug u. Kämmlingen angeschlossen. Eine große Entwickelung zeigt ferner der Papierhandel (neuerdings wurde eine eigne Papierprüfungsanstalt errichtet), ebenso der Handel in Rohtabak (Verzollung 1886: 15,486 Doppelztr). Für den Umfang des Kolonialwarenhandels gibt die Thatsache einen Anhalt, daß im J. 1886 in L. 64,429 Doppelztr. Kaffee, 18,946 Doppelztr. Reis u. 34,322 Doppelztr. Südfrüchte verzollt worden sind. In dem Vertrieb der Erzeugnisse der deutschen Industrie sowohl in Deutschland selbst als nach dem Ausland hat der Handel ein sich immer mehr erweiterndes Arbeitsfeld gewonnen; die erste Stelle unter den Ausfuhrgebieten nehmen aber noch immer die Vereinigten Staaten von Nordamerika ein; 1886 betrug der Wert der Ausfuhr dahin aus dem Konsulatsbezirk L. über 4 Mill. Doll.

Die Industrie, beim Anschluß Sachsens an den Zollverein noch von geringer Bedeutung, hat in L. selbst und in den Vorstadtdörfern, unter denen namentlich Plagwitz, Lindenau und Reudnitz ihr das rasche Wachstum verdanken, in den Jahren 1867–1873, dann wieder seit 1878 einen sehr ansehnlichen Aufschwung genommen. Die Zahl der Eisengießereien ist auf 21 gestiegen, der Wert der jährlich erzeugten Gußwaren beläuft sich auf 2 Mill. Mk.; die Mehrzahl ist aber mit Maschinenfabriken verbunden, welche den Guß weiter verarbeiten. Hervorragende Spezialitäten von L. sind Buchbinderei- (unter andern Drahtheft-) Maschinen, Werkzeugmaschinen, Destillationsapparate, landwirtschaftliche Geräte, Drahtseilbahnen; ferner feuerfeste Schränke. In der Pianofortefabrikation genießen einige Firmen Weltruf. Daneben ist in der Herstellung sogen. Musikwerke (Orchestrions, Aristons etc.) ein neuer Industriezweig emporgeblüht, der seinen Hauptsitz in Gohlis hat. Von großer Bedeutung ist auch die Fabrikation ätherischer Öle und Essenzen und die Spritfabrikation. Die Bierbrauereien von L. und Umgegend erzeugen jährlich etwa 570,000 hl Bier; auch die Fabrikation künstlicher Mineralwässer ist von Bedeutung. Neben einigen altberühmten Tabaksfabriken bestehen seit Jahrzehnten eine Anzahl von Zigarrenfabriken. In der Textilindustrie ist zunächst die 1836 errichtete Kammgarnspinnerei mit 52,000 Spindeln zu nennen; neben ihr besteht noch eine jüngere. Die Wollkämmerei, die Wollgarnfärberei und die noch junge Baumwollspinnerei sind Etablissements ersten Ranges. Ferner sind bemerkenswert: die zahlreichen Rüschenfabriken, 3 mechanische Spitzenfabriken (die ersten in Deutschland), Fabriken künstlicher Blumen, Gummiwaren etc. Zu hervorragender Bedeutung hat sich die Rauchwarenzurichterei und -Färberei entfaltet; ebenso die Fabrikation von Chromolithographien und Luxuspapieren. Als Spezialität ist noch die Papierwäschefabrikation zu nennen. Die Wachstuchfabrikation, seit langer Zeit in L. heimisch, leidet unter der Konkurrenz des Ledertuchs, des Linoleums etc.

Das Bankwesen zeigt eine entsprechende Entwickelung. Neben der Leipziger Bank (seit 1838) wurde 1856 die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt begründet, deren Umsatz jetzt nahe an 2,5 Milliarden heranreicht. Noch etwas größer ist der Umsatz der Reichsbankhauptstelle, vor deren Errichtung schon eine Zweigniederlassung der Preußischen Bank bestand. Außerdem sind zu nennen: der Kassenverein (1867), die Filiale der Sächsischen Bank zu Dresden, die Leipziger Kreditbank; ferner die Kommunalbank für das Königreich Sachsen, der Erbländische Ritterschaftliche Kreditverein etc.

Im Versicherungswesen hat L. sich mit zuerst hervorgethan; 1819 wurde die Feuerversicherungsanstalt, 1830 die Lebensversicherungsgesellschaft begründet; neben letzterer ist noch die Renten-, Kapital- und Lebensversicherungsbank Teutonia zu nennen. Außerdem bestehen eine Menge kleinere Anstalten und Zweigniederlassungen auswärtiger Versicherungsinstitute. An der Spitze des Handels und der Industrie steht die Handelskammer, welche in der von ihr erbauten Neuen Börse ein würdiges Heim gefunden hat; dieselbe besitzt eine bedeutende Fachbibliothek.

Die Bedeutung des Leipziger Buchhandels durch Zahl und Betrieb der Buchhandlungen und Buchdruckereien und durch die Organisation des gesamten deutschen Buchhandels, welcher seinen gemeinsamen Mittelpunkt in L. findet, ist allgemein bekannt. L. ist Sitz des Börsenvereins deutscher Buchhändler, des Deutschen Buchdruckervereins (1869) und des Zentralvereins für das gesamte Buchgewerbe (1884). Ende 1886 bestanden in L. 509 buchhändlerische Firmen (1833: 92, 1860: 184, 1866: 207), von denen 244 reine Verlagshandlungen, 39 Musikalienhandlungen u. 14 Antiquariatshandlungen waren. Dem Verein der Buchhändler zu L., gegründet 25. Febr. 1833, gehörten davon 367 Mitglieder (378 Firmen) an. Die großartige Geschäftsthätigkeit des Leipziger Buchhandels kennzeichnet auch die durch genannten Verein 2. März 1833 eröffnete Bestellanstalt für Buchhändlerpapiere, welche Geschäftspapiere aller Art, als Zettel, durch welche Bücher verlangt werden, Geschäftsanzeigen u. dgl. (1886: 24 Mill.), unter den Leipziger Buchhändlern und durch Kommissionäre unter den Buchhändlern von ganz Deutschland vermittelt. Die Kommissionäre (Ende 1886: 142) besorgten die Geschäfte von 6136 Kommittenten. Der Umsatz des Buchhandels in L. entzieht sich der neuen Verkehrserleichterungen halber (billige Zahlungsvermittelung durch die Post, Girokonten der Reichsbank etc.) jeder zuverlässigen Schätzung. Die Zahl der in L. verlegten Werke betrug 1873: 1805, 1885: 2664 und 20 Landkarten. In engem Zusammenhang mit diesem großartigen Buchhandel steht der überaus lebhafte Betrieb der Buchdruckerei, die Anfang 1887 von 89 Firmen ausgeübt ward; viele der größern Buchhandlungen haben ihre eignen Offizinen, zum Teil verbunden mit Buchbinderei, Schriftgießerei etc. Notendruckereien sind 7, Steindruckereien 65, xylographische Anstalten 91 vorhanden. 1888 wird das neue deutsche Buchhändlerhaus eröffnet werden, in welchem auch das 1885 begründete deutsche Buchgewerbemuseum Platz findet. Vgl. Lorck, Die Druckkunst und der Buchhandel in L. (Leipz. 1879); O. v. Hase, Die Entwickelung des Buchgewerbes in L. (das. 1887).

[Bildungsanstalten.] Unter den Unterrichtsanstalten Leipzigs nimmt die Universität die erste Stelle ein. Sie entstand infolge der 1409 zu Prag zwischen Deutschen und Böhmen ausgebrochenen Streitigkeiten, wodurch 2000 deutsche Studenten unter Anführung der Professoren Otto von Münsterberg und Hofmann aus Schweidnitz nach L. auswanderten. Als Stiftungstag ist der 4. Dez. 1409 angenommen. Der erste Rektor war Otto von Münsterberg (gest. 1416). Anfänglich bestanden nur zwei Fakultäten, die theologische und die philosophische, die in zwei Kollegienhäusern untergebracht waren; dann kam 1415 die medizinische und 1504 die juristische hinzu. Kurfürst Moritz überließ der Universität 1545 die Gebäude des Paulinerklosters und einen großen Wald nebst andern Besitzungen, so daß sie jetzt acht Dörfer und in der Stadt einen sehr bedeutenden Gebäudekomplex [667] besitzt. Das jährliche Einkommen beziffert sich auf mehr als 600,000 Mk., außerdem erhält sie vom Staat noch eine Subvention von 1,320,000 Mk. Anfänglich schied sie sich in die sächsische, fränkische, meißnische und polnische Nation, welche Einrichtung erst 1830 schwand. Mit der Universität stehen 48 verschiedene Seminare und wissenschaftliche Institute und Sammlungen in Verbindung. Besonders die naturwissenschaftlichen und medizinischen Institute sind reich ausgestattet. Die Universitätsbibliothek hat mehr als 300,000 Bände, 600 abendländische und 1600 orientalische Handschriften, das Münzkabinett fast 100,000 Nummern. Die Zahl der Studierenden im Wintersemester 1887/88 belief sich auf 3361 (vor 1870 durchschnittlich 1000–1200). Nächstdem sind zu nennen: 2 städtische Gymnasien (Nikolai- und Thomasschule), ein Staatsgymnasium, ein städtisches Realgymnasium, eine Realschule, eine königliche Baugewerkenschule, eine höhere Schule für Mädchen, eine Gewerbeschule, 7 Bürgerschulen, 8 Bezirksschulen, eine Freischule, 2 Fortbildungsschulen für Knaben, eine für Mädchen, eine katholische Schule und eine israelitische Religionsschule. Als Privatschulen bestehen 3 Erziehungs- und Lehrinstitute für Knaben und 7 für Töchter höherer Stände, eine Sonntagsschule der Loge Balduin zur Linde, eine Sonntags-Gewerbeschule, eine Übungsschule für angehende Lehrer, mehrere kaufmännische Fortbildungsschulen, eine Handelslehranstalt für Kommis, eine Lehranstalt für erwachsene Töchter zur Ausbildung für den kaufmännischen und gewerblichen Geschäftsbetrieb, eine höhere Fach- und weibliche Gewerbeschule, ein Seminar für Handfertigkeitsunterricht u. a. Ferner die von der Kramerinnung 1831 gegründete, auch im Ausland sehr geschätzte Öffentliche Handelslehranstalt, eine 1853 vom Verein der Buchhändler begründete Unterrichtsanstalt für Buchhandlungs-Lehrlinge. Der Förderung der Künste sind folgende Anstalten gewidmet: die Akademie der bildenden Künste und Kunstgewerbeschule, das städtische Museum, del Vecchios permanente Kunstausstellung (am Markt), das Kunstgewerbemuseum, der Verein für kirchliche Kunst, der Verein der Kunstfreunde, der Leipziger Künstlerverein, der Leipziger Kunstverein. Im Bereich der Musik stehen das Konservatorium der Musik (s. oben) und das altberühmte Institut der Gewandhauskonzerte (s. d.) in erster Linie. Andre Musikinstitute sind: die Singakademie, der Konzertverein Euterpe, der weitbekannte Riedelsche Verein für Kirchenmusik, der Bach-Verein, der Verein Ossian etc. Außer den beiden städtischen Theatern besitzt L. noch das in der Südvorstadt gelegene Carolatheater. Von den zahlreichen hierher gehörenden wissenschaftlichen und andern Vereinen erwähnen wir: die königliche Gesellschaft der Wissenschaften (gegründet 1846), die Jablonowskische Gesellschaft der Wissenschaften (seit 1768), die Deutsche Morgenländische Gesellschaft, den Verein für Erdkunde, den Verein für Handelsgeographie, die Deutsche Genossenschaft dramatischer Autoren und Komponisten, den Verein für Geschichte Leipzigs, den Landwirtschaftlichen Kreisverein, die Naturforschende Gesellschaft, das Museum für Völkerkunde, den Kaufmännischen Verein, die Gemeinnützige Gesellschaft, den Verein für Volkswohl, den Arbeiterbildungsverein, den Schiller-Verein, die Polytechnische Gesellschaft, die Gartenbaugesellschaft, den Gustav-Adolf-Verein, den Evangelischen Missionsverein, den Baugewerkenverein etc. Außer den beiden genannten großen Bibliotheken gibt es sechs Volksbibliotheken und die pädagogische Zentralbibliothek (Comenius-Stiftung).

[Wohlthätigkeitsanstalten etc.] Die wichtigsten Anstalten und Vereine zu gemeinnützigen und wohlthätigen Zwecken sind: das neue städtische Krankenhaus (früher Jakobshospital, zugleich Klinik für die Universität), das Johannishospital für alte Leute, das Armenhaus, die Versorgungsanstalt St. Georg (am Rosenthal), die Heilanstalt für Augenkranke, das Taubstummeninstitut, 3 Stiftungen für Blinde, das Waisenhaus, das Leihhaus und die Sparkasse, die seit 1881 neuorganisierte Armenanstalt, das Daheim für Arbeiterinnen, die Gesellschaft der Armenfreunde, die Pestalozzi-Stiftung, 2 städtische Speiseanstalten, die neue Speiseanstalt in der Südvorstadt, der Kredit- und Sparbankverein, der Verein für Familien- und Volkserziehung, das Asyl für Obdachlose, die Herberge zur Heimat, 6 Kleinkinderbewahranstalten, viele Kindergärten, der Krankenhilfsverein, der Sächsische Landes-Militärhilfsverein (zugleich Landesverein der Kaiser Wilhelms-Stiftung für Sachsen), die Erziehungs- und Pfleganstalt für schwach- und blödsinnige Kinder, der Verein zur Fürsorge für entlassene Sträflinge, der Volksbibliothekverein, das orthopädische Institut, der Schreber-Verein für Förderung der Erziehung und des Unterrichts mit 3 Schrebergärten u. v. a. Freimaurerlogen hat L. 3: Minerva zu den drei Palmen, Balduin zur Linde und Apollo. Apotheken sind 15 vorhanden.

[Verwaltung, Behörden.] Die städtische Verwaltung liegt in den Händen des Stadtrats, der einschließlich des Oberbürgermeisters, des Bürgermeisters und des Polizeidirektors aus 12 besoldeten und 15 unbesoldeten Mitgliedern besteht, und des Stadtverordnetenkollegiums, welches 60 Mitglieder zählt. Die finanziellen Verhältnisse der Stadt sind günstige. Im J. 1885 betrugen die Aktiven 48,914,543 Mk., die Passiven 31,232,575 Mk., so daß ein Vermögensbestand von 17,681,968 Mk. vorhanden war. Die zur Stadt gehörigen Rittergüter sowie die in ihrem Besitz befindlichen Waldungen, Wiesen und Felder haben allein einen Wert von gegen 9 Mill. Mk. Als kaiserlich deutsche Reichsbehörden hat L. das Reichsgericht, den Disziplinarhof, die Disziplinarkammer, die Oberpostdirektion, das Telegraphenamt (mit Fernsprecheinrichtung) und eine Hauptstelle der Reichsbank. Die hauptsächlichsten andern Behörden sind: die Kreishauptmannschaft, Amtshauptmannschaft, ein Landgericht und Amtsgericht, 2 sächsische Eisenbahndirektionen, 2 Ephorien, ein Polizeiamt, das Hauptzollamt, Hauptsteueramt, Landbauamt, die Landeslotteriedirektion. L. ist Garnison der drei Infanterieregimenter Nr. 106, 107 und 134 und Sitz der Kommandos der 24. Infanteriedivision, der 47. und 48. Infanterie- und 24. Kavalleriebrigade. Das Wappen der Stadt (s. Abbildung, S. 662) ist ein der Länge nach geteilter Schild; links befindet sich auf goldenem Grund ein schwarzer aufgerichteter Löwe; rechts sind vier Balken abwechselnd in Blau und Gold.

[Umgebung etc.] Die öffentlichen großen, schönen Privatgärten, die vormals eine Zierde Leipzigs und beliebte Erholungs- und Vergnügungsorte der gebildeten Einwohnerschaft waren, hat die Spekulation vernichtet und in Straßen umgewandelt. Seit 1867 werden vom Rennverein auf der südlich vom Scheibenholz gelegenen Rennbahn öffentliche Wettrennen veranstaltet. Die besuchtesten Vergnügungsorte in Leipzigs Umgebung sind, außer dem schon genannten Rosenthal, das Neue Schützenhaus, Gohlis mit dem Schillerhaus, Möckern, Eutritzsch, Konnewitz, Schleußig und Zschocher, wohin reizende Waldwege führen, ebenso Leutzsch, Böhlitz-Ehrenberg u. Lützschena [668] mit Park und einer Gemäldegalerie des Barons v. Speck-Sternburg; ferner die durch die Völkerschlacht von 1813 denkwürdigen Dörfer Probstheida, Meusdorf, Wachau (Geburtsort Rabeners), Dölitz, Lösnig und Markkleeberg, teilweise noch mit Spuren der Schlachttage; Machern, Knauthain und Eythra mit herrlichen Parkanlagen; endlich der Bienitz, ein 8 km entferntes Gehölz und Fundort botanischer Seltenheiten. In direkter Eisenbahnverbindung steht L. mit Dresden (durch zwei Linien), Magdeburg, Hof, Erfurt, Gera, Dessau, Berlin und Guben. Eine die Stadt mit den Vorstadtdörfern verbindende Pferdebahn (1887 Baulänge 29,8 km) besteht seit 1872.

Geschichte.

Die Stadt L. verdankt ihren Ursprung einem kleinen Fischerdörfchen, das die wendischen Sorben am Zusammenfluß von Pleiße und Parthe gründeten und Lipsk (von lip oder lipa, die Linde) nannten. Erst 1015 wird der Ort als Stadt erwähnt, die unter den Grafen des Gaues Chutici stand. 1017 verschenkte Kaiser Heinrich II. L. an das Stift Merseburg; 1082 wurde es von dem Böhmenherzog Wratislaw zerstört, erhob sich aber bald wieder. 1134 brachte es Konrad von Wettin durch Tausch an sein Haus. Unter Otto dem Reichen (1156–89) ward L., damals 5–6000 Einw. zählend, erweitert und befestigt und erhielt seine beiden Hauptmessen. Um die ihm besonders wegen der Gründung des Thomasklosters (nebst der Thomaskirche 1213), dem er das Patronat der Leipziger Kirche übergab, feindlich gesinnten Bürger im Zaum zu halten, ließ Markgraf Dietrich 1218 die Stadtmauer schleifen und drei feste Schlösser errichten. Während der Minderjährigkeit Heinrichs des Erlauchten (1221–63) ließ dessen Vormund, Landgraf Ludwig von Thüringen, das Schloß am Grimmaischen Thor wieder niederreißen, worauf die Dominikaner auf dieser Stelle ihr Kloster zum heil. Paulus erbauten. Heinrich vergrößerte die Stadt durch Anlegung des Brühls, der Ritterstraße, der Nikolaistraße und eines Teils der Reichsstraße (1237). Um diese Zeit bildete sich in L. auch eine Kaufmannsgilde, zu welcher sich die italienischen Kaufleute (Lombarden), die seit der Rückkehr Konrads von Wettin aus Italien sich hier niedergelassen hatten, gesellten. Bei der von Heinrich vorgenommenen Länderteilung kam L. mit dem Osterland an Dietrich den Weisen, Markgrafen von Landsberg (1263–1283), der den nach L. reisenden Kaufleuten für ihre Person und Güter einen Schutzbrief erteilte, die Bürger vom Gerichtszwang ihres Amtmanns befreite und 1273 der Stadt das Münzrecht verlieh. Bei der Länderteilung unter den Söhnen Friedrichs des Ernsthaften 1349 fiel L. mit dem Osterland Friedrich dem Strengen (1349–81) zu. Dieser und sein Bruder Wilhelm stifteten 4. Dez. 1409 auf Grund der Errichtungsbulle des Papstes Alexander V. (vom 9. Sept.) daselbst eine Universität (vgl. S. 666), welche zu Ende des 15. Jahrh. schon über 660 Studierende zählte. 1423 erlangte die Stadt, welche bisher von markgräflichen Vögten verwaltet worden war, jedoch nur auf Wiederkauf, die Ober- und Niedergerichte und bestellte einen Stadtrichter. 1454 wurde der Stadtgraben um die innere Stadt gezogen, und 1483 erfolgte die Gründung des Oberhofgerichts; 1458 kam zu den beiden schon bestehenden Messen noch die Neujahrsmesse hinzu. Bei der neuen Teilung der Wettinschen Lande 1485 fiel L. der Albertinischen Linie zu. Georg der Bärtige (1500–1539) gab der Stadt das Stempel- und Niederlagsrecht, erweiterte die Grenzen des Weichbildes und überließ ihr 1508 nunmehr erblich die Ober- und Untergerichte. Das 1519 in der alten Pleißenburg zwischen Luther, Karlstadt und Eck gehaltene sogen. Leipziger Kolloquium war für die weitere Entwickelung der Reformation von großem Einfluß. Georg unterdrückte zwar die evangelische Lehre in L. gewaltsam; indes schon sein Bruder Heinrich der Fromme (1539–41) führte die Reformation förmlich ein (der jedoch die Universität erst später sich anschloß) und erteilte dem Rate das Patronatsrecht über die Kirchen und Schulen. 1545 ließen sich die ersten Buchhändler, Steiger und Boskopf, in L. nieder. Im Schmalkaldischen Krieg erlitt L. 1547 eine Belagerung durch Johann Friedrich den Großmütigen, bei der die Vorstädte gänzlich eingeäschert wurden. Unter dem neuen Kurfürsten Moritz wurden dagegen die Festungswerke verstärkt, die Pleißenburg neu aufgebaut; die Vorstädte entstanden in ihrer jetzigen Entfernung von der innern Stadt, und 1550 wurde das Konsistorium aus Merseburg hierher verlegt. Im März 1549 ward hier von den sächsischen Landständen das sogen. Leipziger Interim beschlossen. Durch Kurfürst August veranlaßt, ließen sich viele niederländische Kaufleute in L. nieder.

Ungemein litt die Stadt in dem Dreißigjährigen Krieg. 1631 erschien Tilly vor Leipzigs Mauern und nötigte es zur Übergabe. Gustav Adolfs glänzender Sieg bei Breitenfeld 17. Sept. d. J. befreite jedoch schon 22. Sept. die Stadt vom Feind. 1632 und 1633 wurde sie vom kaiserlichen General Holk eingenommen, 1642 von den Schweden unter Torstensson, welche sie trotz des 1648 abgeschlossenen Westfälischen Friedens wegen rückständiger 267,000 Thlr. Kriegssteuer bis 1650 besetzt hielten. Der Dreißigjährige Krieg hatte der Stadt über 1,070,000 Thlr. gekostet und ihren Wohlstand gänzlich zerrüttet. Nach wiederhergestelltem Frieden wurde L. stärker befestigt; auch wurden damals die Lindenalleen auf den Wällen angepflanzt; 1677 wurde die Ratsbibliothek gegründet und 1678 die Börse errichtet. Seit 1667 zog sich der Buchhandel aus Frankfurt a. M., wo zu strenge Zensur geübt wurde, nach L., und seit Anfang des 18. Jahrh. wurde L. der Hauptstapelplatz des deutschen Buchhandels. 1682 wurde das Handelsgericht errichtet und eine Handelsgerichts- und eine Wechselordnung bekannt gemacht; 1687 trat eine Bücherkommission ins Leben, und 1690 wurde die Münzkonferenz gehalten, der 1691 die Einführung des Leipziger Münzfußes (1 Mark = 12 Thlr.) folgte. Unter August II. (1694–1733) ließ sich, nach Aufhebung des Edikts von Nantes, die sogen. französische Kolonie (meist Kaufleute) in L. nieder. L. gehörte zu den vier Legestädten des Reichs und hatte bei den sächsischen Landtagen das Direktorium unter den Städten. Von den traurigsten Folgen war der Siebenjährige Krieg für L., das von Friedrich d. Gr. mit schweren Kontributionen (über 15 Mill. Thlr.) belegt wurde. In der Zeit des nachfolgenden Friedens nahmen der Handel und die Messen einen Aufschwung wie fast niemals vorher. Die Universität wurde von Friedrich August I. sehr begünstigt, seit 1784 die Festungswerke abgetragen und der Stadtgraben in einen Park verwandelt. Eine ganz veränderte Richtung gab dem Handel der französisch-preußische Krieg von 1806. Die französische Beschlagnahme aller englischen Waren mußte durch Zahlung von 7 Mill. Frank losgekauft werden, doch hatte L. sich mitten in den folgenden Kriegsjahren starker Messen zu erfreuen. Im Krieg von 1809 wurde es 22. Juni von den Österreichern und 26. Juni von einem Korps Braunschweiger besetzt, das eine Kontribution [669] erhob. Die größten Leiden brachte der französisch-russische Krieg über L. Am 31. März 1813 wurde es zuerst von Kosaken und andern russischen Truppen besetzt, die aber, bis auf eine geringe Besatzung, 30. April wieder abzogen, worauf 2. Mai, nach der Schlacht bei Lützen, ein Korps Franzosen unter General Lauriston die Stadt besetzte. Das welthistorische Ereignis der großen Völkerschlacht (s. unten) vom 16. bis 19. Okt. 1813 brachte furchtbare Schreckenstage über L. Die Stadt wurde mit Sturm genommen und erhielt einen russischen Kommandanten; viele Tausende raffte das in den zahlreichen überfüllten Spitälern, zu denen Kirchen und andre öffentliche Gebäude eingerichtet waren, ausgebrochene Nervenfieber dahin. Von Nachteil für die Stadt wurde auch die Teilung Sachsens 1815, welche die preußischen Schlagbäume bis zwei Stunden vor die Stadt rückte. Am 5. April 1831 wurde die verhaßte alte städtische Regierung durch einen neuen, von den provisorischen Kommunerepräsentanten gewählten Magistrat ersetzt. Von großer Bedeutung für L. wurde der 1833 erfolgende Anschluß Sachsens an den Deutschen Zollverein, dem schnell die Anlegung von Eisenbahnen folgte. Das Jahr 1835 brachte die Beseitigung des Schöppenstuhls, des Oberhofgerichts und des Konsistoriums, wogegen die Stadt Sitz des Appellationsgerichts und der Kreisdirektion wurde. Hierzu kamen 1836 die Buchhändlerbörse und 1. Sept. 1838 die Leipziger Bank. Eine durch die Maßregeln gegen eine sich in L. konstituierende deutschkatholische Gemeinde sowie durch eine Bekanntmachung der Minister in Beziehung auf den Symbolzwang der protestantischen Kirche hervorgerufene Mißstimmung der Bürger ließ es 12. Aug. 1845 bei der Anwesenheit des Prinzen Johann zu einem Volksauflauf kommen, bei welchem das Einschreiten des Militärs mehreren Personen das Leben kostete. Während des Sturmjahrs 1848 wirkten hier zahlreiche politische Vereine in verschiedenen Richtungen, namentlich entwickelte Robert Blum eine große agitatorische Thätigkeit. In der Nacht zum 17. Mai 1849 kam es zwischen der Kommunalgarde und den Tumultuanten zu blutigen Zusammenstößen. 1866 war L. mehrere Monate von preußischen Truppen besetzt. 1868 wurde das Reichsoberhandelsgericht und 1879 das Reichsgericht nach L. verlegt. Vgl. außer den bereits angeführten Schriften: Hasse, Die Stadt L. und ihre Umgebung, geographisch und statistisch beschrieben (Leipz. 1878); die „Mitteilungen des Statistischen Büreaus der Stadt L.“; „Festschrift zur 28. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure in L.“ (1887, auch die Industrieverhältnisse betreffend); Hirschfeld, Leipzigs Großindustrie und Großhandel (Leipz. 1887); Lokalführer von Moser (das. 1887), Benndorf (das. 1887); Große, Geschichte der Stadt L. (das. 1837–42, 2 Bde.); Sparfeld, Chronik der Stadt L. (2. Aufl., das. 1851); Wuttke, Geschichte Leipzigs und seine Umgegend bis zum Ende des 13. Jahrhunderts (im 1. Bd. der „Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs“, 1873); Kneschke, L. seit 100 Jahren (2. Aufl., Leipz. 1870); Derselbe, Zur Geschichte des Theaters und der Musik in L. (das. 1864); Müller, Das Stadttheater zu L. 1862–87 (das. 1887); Wustmann, Aus Leipzigs Vergangenheit (das. 1885); Seifert, Die Reformation in L. (das. 1883); Moser, Leipziger Wanderungen (das. 1874); Derselbe, Geschichte des Leipziger Handels (das. 1870); Derselbe, Chronik der Stadt L. und ihrer Umgebung (das. 1877); „Urkundenbuch der Stadt L.“ (das. 1870 ff.).

Die Völkerschlacht bei Leipzig.

Die Gegend von L. ist wiederholt der Schauplatz großer Schlachten gewesen, was in der Wichtigkeit der an Hilfsquellen für den Krieg so reichen Stadt und in ihrer Lage als Knotenpunkt vieler Hauptstraßen sowohl als in der für den Kampf günstigen Beschaffenheit des Terrains seinen Grund hat. Drei Hauptschlachten sind es besonders, die hier geliefert worden sind, von denen zwei dem Dreißigjährigen Krieg angehören, nämlich die 17. Sept. 1631 und die 2. Nov. 1642 (s. Breitenfeld), die letzte aber die sogen. Völkerschlacht vom 16. bis 19. Okt. 1813 gegen Napoleon I. war, welche den Krieg in Deutschland zu gunsten der Verbündeten beendigte.

Die Niederlagen der französischen Truppen im August und September hatten Napoleon veranlaßt, von Dresden zurückzugehen und seine Armee 14. Okt. um L. zu vereinigen, gegen welches sich nun auch die Heere der Verbündeten konzentrisch in Bewegung setzten. Das Reitergefecht bei Liebertwolkwitz 14. Okt. leitete die großen Kämpfe der nächsten Tage ein, sein glücklicher Ausgang erschien den Alliierten als gute Vorbedeutung. Dennoch war Napoleons Lage durchaus keine verzweifelte; er hatte außer den Garden 8 Korps, 170,000 Mann nebst 14,000 Reitern und 700 Geschützen, zur Verfügung, und wenn auch die Truppen tief erschöpft und teilweise entmutigt waren, so befehligte sie doch ein Napoleon, der nicht bloß durch die Einheit des Oberbefehls, sondern auch durch die Raschheit und Präzision seiner Anordnungen, durch seine moralische Einwirkung der Überlegene war. Verhängnisvoll wurden aber für ihn die Illusionen, die aus seiner Unterschätzung des Gegners hervorgingen: er glaubte weder an die Anwesenheit der ganzen böhmischen und schlesischen Armee noch an den Entschluß der Verbündeten zu einer großen Entscheidungsschlacht.

Am 15. Okt. stellte Napoleon sein Heer um L. auf: den größten Teil, 100,000 Mann, auf dem sanft gehobenen Gelände südlich von L., von Konnewitz und Markkleeberg an der Pleiße über Wachau und Liebertwolkwitz bis nach Holzhausen hin; Bertrand stand bei Lindenau zur Deckung der Straße nach Westen, im Norden von L. Marmont und Ney. Die Alliierten verfügten zunächst nur über 200,000 Mann, da die Korps von Colloredo und Bennigsen erst im Anmarsch waren und der Kronprinz von Schweden die Nordarmee noch zurückhielt. Die Hauptmasse bildete die böhmische Armee unter Schwarzenberg, den Kaiser Alexander und König Friedrich Wilhelm III. begleiteten, 130,000 Mann, welche von S. heranrückten. Schwarzenbergs Plan war, während Gyulay mit 20,000 Mann gegen Lindenau und Blücher von Schkeuditz gegen L. aufbrach, mit der Hauptmacht in der sumpfigen Niederung zwischen Elster und Pleiße gegen Konnewitz vorzudringen, den rechten Flügel des Feindes zu umgehen und auf dem kürzesten Weg L. selbst zu gewinnen. Auf Einspruch Alexanders wegen der Schwierigkeit des Terrains übertrug Schwarzenberg die Ausführung seines Plans nur den 35,000 Österreichern unter Merveldt und Hessen-Homburg; die Korps von Klenau, Wittgenstein und Kleist unter Barclays Oberbefehl sollten den Feind in der Fronte angreifen und ihn gegen L. werfen. Auf diese Weise wurde die böhmische Armee auf drei durch Flüsse und Sümpfe getrennte Schlachtfelder verteilt.

Noch vor Tagesanbruch 16. Okt. setzte sich die Armee Barclays in Bewegung und eröffnete gegen 9 Uhr ein furchtbares Geschützfeuer, worauf die Sturmkolonnen gegen die französische Stellung vorgingen [670] Kleist entriß Poniatowski Markkleeberg; viermal wurde er daraus verdrängt, viermal erstürmte er es wieder und behauptete es mit Mühe. Auch Wachau, wo Napoleon selbst befehligte, wurde von Preußen und Russen unter dem Prinzen Eugen von Württemberg erobert, mußte jedoch unter den furchtbarsten Verlusten durch die überlegene französische Artillerie wieder verlassen werden. Ebensowenig gelang es Gortschakow und Klenau, Liebertwolkwitz zu nehmen; ja, sie verloren auch den Kolmberg, und die ganze Linie der Verbündeten war durch die blutigen Kämpfe so geschwächt, daß sie kaum ihre Stellungen behaupten konnte. Auch die Operationen der Österreicher auf Konnewitz hatten gar keinen Erfolg, und die Fruchtlosigkeit aller weitern Kämpfe einsehend, eilte endlich nach 12 Uhr mittags Schwarzenberg mit dem Korps Hessen-Homburg Barclay zu Hilfe. Napoleon, durch den bisherigen Gang der Schlacht ermutigt, beschloß nun selbst zum Angriff überzugehen. Um 3 Uhr versuchten 8000 französische Reiter, das Zentrum der Verbündeten bei Wachau zu durchbrechen. Sie drangen bis zu dem Hügel vor, auf dem die Monarchen und Schwarzenberg sich befanden; indes die Standhaftigkeit der russischen Infanterie und die Tapferkeit der zur Hilfe herbeieilenden verbündeten Reiterei vereitelten ihr Unternehmen. Ein zweiter Angriff der französischen Infanterie, des Korps Lauriston, auf Güldengossa mißlang ebenfalls. Auch Napoleon konnte keine frischen Truppen mehr ins Feuer führen, und die Nacht machte dem mörderischen Kampf ein Ende. Der Angriff der Alliierten auf die feindliche Stellung war mißlungen; aber eine völlige Niederlage war durch die todesmutige, wetteifernde Tapferkeit der Verbündeten, Führer wie Soldaten, mit einem Verlust von 20,000 Mann an Toten und Verwundeten abgewendet worden.

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Karte zur Schlacht bei Leipzig am 16. Oktober 1813.

[671] Gyulays Angriff auf Lindenau, zögernd unternommen, war inzwischen von Bertrand abgewiesen worden. Einen entscheidenden Erfolg jedoch hatte das Vorgehen der schlesischen Armee gehabt. Ohne die Nordarmee abzuwarten, war Blücher auf den Befehl, zum gemeinschaftlichen Angriff auf L. mitzuwirken, aufgebrochen und bei Wiederitzsch und Möckern auf ernstern Widerstand gestoßen. Beim erstern Dorf stand Dombrowski mit einer schwachen Division, die jedoch Langeron den ganzen Tag festhielt, bei letzterm Marmont mit 17,000 Mann, der eben den Befehl erhalten, nach Wachau zu Hilfe zu kommen, auf die Annäherung des Feindes aber beschloß, dessen Angriff zu erwarten, und Ney um seine Unterstützung bat. York richtete den Angriff seines Korps, das etwa 20,000 Mann stark war, gegen das durch seine Lage zu einer natürlichen Festung gemachte Dorf Möckern, das nach mehreren mißlungenen Angriffen mit einem Verlust von 7000 Mann endlich erstürmt wurde. Marmonts Korps war vernichtet, Ney war auf dem Weg, ihm zu Hilfe zu eilen, wieder umgekehrt, aber auch für Wachau zu spät gekommen. Der Sieg Yorks bei Möckern hatte nicht bloß die französische Stellung im Norden von L. durchbrochen, sondern Napoleon auch den gehofften Sieg bei Wachau dadurch entrissen, daß er zwei Korps hinderte, dort gegen die böhmische Armee mit frischen Kräften einzugreifen.

Der 17. Okt., ein Sonntag, war ein Tag dumpfer Stille. Es trat eine Pause im Kampf ein, nur im N. ruhte Blücher nicht. Er nahm Eutritzsch und Gohlis und drang bis dicht an L. vor. Die Verbündeten hielten um 2 Uhr im Dorf Sestewitz Kriegsrat; man beschloß am nächsten Morgen um 7 Uhr den Angriff zu machen. Da Napoleon keinen entscheidenden Sieg erfochten hatte und die Verbündeten nicht hindern konnte, nach Ankunft von 100,000 Mann Verstärkung den Angriff zu erneuern, während er selbst nur noch das Korps Reynier von Düben erwartete, hätte er seine Stellung bei L., die unhaltbar geworden war, räumen und anderswo die Schlacht wieder aufnehmen müssen. Aus politischen Rücksichten that er es nicht; er baute darauf, daß Kaiser Franz sein Schwiegervater war. Durch den bei Konnewitz gefangenen General Merveldt ließ er 17. Okt. den Monarchen einen Waffenstillstand unter Bedingungen anbieten, die im August ihm den Frieden verschafft hätten. Jetzt aber

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Karte zur Schlacht bei Leipzig am 18. Oktober 1813.

[672] gingen die Verbündeten auf dies Anerbieten gar nicht ein und würdigten es nicht einmal einer Antwort.

Am 18. Okt. um 2 Uhr morgens gab Napoleon die alte, in ihrer Ausdehnung nicht mehr zu behauptende Stellung auf und rückte ungefähr eine Stunde Wegs näher an L. zurück. Der rechte Flügel (Poniatowski) stand an der Pleiße von Konnewitz bis Dölitz, das Zentrum bildete bei Probstheida einen ausspringenden Winkel, der linke Flügel reichte bis zur Parthe und war bis zur Mündung derselben in die Pleiße im N. von L. zurückgebogen. Die neue Stellung war 4 Stunden lang und nur von 150,000 Mann besetzt, die dem vereinigten Angriff der Verbündeten, welche sich auf 300,000 Mann mit 1400 Geschützen verstärkt hatten, kaum gewachsen waren. Die letztern waren daher auch voll frischer Kampflust. Trotzdem war die Schlacht auch 18. Okt. heiß und blutig und nicht überall siegreich für die Verbündeten, da Napoleon von der Tabaksmühle bei Stötteritz aus seine Stellungen hartnäckiger und länger, als es für die bloße Deckung des Rückzugs notwendig gewesen wäre, verteidigte. Die Angriffskolonnen der Verbündeten setzten sich nur sehr allmählich, teilweise recht spät, in Bewegung, so daß der Stoß nicht auf einmal mit aller Macht erfolgte. Auf dem linken Flügel griffen die Österreicher unter Hessen-Homburg die Stellungen der Franzosen rechts der Pleiße in Dölitz und Lösnig an, welche aber nicht genommen werden konnten. Auch Probstheida wurde von den Franzosen unter Napoleons persönlicher Führung gegen die mit bewunderungswürdiger Tapferkeit unternommenen Sturmversuche der Kolonne Barclays behauptet. Dagegen nahm der rechte Flügel der böhmischen Armee unter Bennigsen, welcher aber erst am Nachmittag eingriff, Zuckelhausen, Holzhausen und Paunsdorf, wo die Sachsen und 500 württembergische Reiter unter General v. Normann übergingen. Bei der Erstürmung von Paunsdorf wirkten bereits Bülow und Wintzingerode von der Nordarmee mit, welche endlich trotz Bernadottes Sträuben herangekommen war. Langeron und Sacken von der schlesischen Armee eroberten Schönefeld und Gohlis, und als die Nacht hereinbrach, waren die Franzosen im O. und N. von L. bis auf eine Viertelstunde an die Stadt zurückgedrängt. Hätte Gyulay mit genügenden Streitkräften sich des Passes von Lindenau bemächtigt, so wäre der Ring um Napoleon geschlossen und ihm der Rückzug abgeschnitten gewesen. Indes Schwarzenberg trug Bedenken, den noch immer gefürchteten Gegner zu einem Verzweiflungskampf zu zwingen, und Gyulay erhielt Befehl, den Feind bloß zu beobachten und einem Angriff auf Pegau auszuweichen. Dies geschah, und so konnte Bertrand die Straße nach Weißenfels ungehindert einschlagen, wohin ihm von Mittag an der Troß, die Wagen mit Verwundeten und der Artilleriepark folgten. In der Nacht begann der Abmarsch des Heers selbst, der Garden, der Reiterei, der Korps Victor und Augereau, während Macdonald, Ney und Lauriston die Stadt verteidigen u. den Rückzug decken sollten; alle Punkte außerhalb L. wurden geräumt.

Da Napoleon, nur schwer auf einen Sieg verzichtend, für den Rückzug ungenügende Maßregeln getroffen hatte, so war derselbe äußerst schwierig und geriet bald ins Stocken, da nur die eine Straße nach Weißenfels mit mehreren Defileen zu Gebote stand. Indes der Vorschlag Kaiser Alexanders, mit einem Teil des Heers die Pleiße zu überschreiten und sich auf diese Straße zu werfen, und Blüchers Anerbieten, mit 20,000 Mann Reiterei die Verfolgung zu übernehmen, wurden abgelehnt und nur geringe Streitkräfte mit derselben beauftragt; für 19. Okt. ward die Disposition zu einer neuen Schlacht ausgegeben und, als sich beim Fallen des Morgennebels am 19. herausstellte, daß diese nicht mehr nötig war, die Erstürmung von L. befohlen. Während die französische Armee in verwirrtem Getümmel sich nach dem Ranstädter Thor drängte und Napoleon selbst nur mit Mühe den Ranstädter Steinweg erreichte, hatten die Russen unter Langeron und Sacken die Hallesche, Bülow die Grimmaische Vorstadt erobert; hier gelang es dem Königsberger Landwehrbataillon unter Major Friccius zuerst, in die Stadt einzudringen; das Petersthor im S. wurde von Bennigsen genommen. Die Verteidiger, welche anfangs mit gewohnter Tapferkeit kämpften, gerieten zuletzt in völlige Auflösung, und die Verwirrung des in der Stadt zusammengedrängten Menschenknäuels erreichte den höchsten Grad, als aus Versehen die Elsterbrücke vor dem Ranstädter Thor, über welche die Rückzugsstraße ging, zu früh in die Luft gesprengt wurde. Viele kamen auf der Flucht um, so Marschall Poniatowski; andre mußten sich kriegsgefangen ergeben. Gegen 1 Uhr hielten die Monarchen von Preußen und Rußland ihren Einzug in L. unter dem begeisterten Jubel der Bevölkerung, der eine Zeitlang das entsetzliche Elend vergessen machte, welches die ungeheure Menge von Verwundeten u. Kranken in der Stadt verursachte.

Die dreitägige Schlacht hatte auf beiden Seiten gewaltige Opfer gekostet: die Preußen zählten 16,000 Mann und 600 Offiziere an Toten und Verwundeten, die Russen 21,000 Mann und 860 Offiziere, die Österreicher 14,000 Mann und 400 Offiziere. Die Franzosen verloren 30,000 Mann an Toten und Verwundeten, 15,000 Gefangene, 300 Geschütze und ließen 23,000 Mann in den Lazaretten zurück. Indes der Preis des Kampfes war auch ein großer. Napoleons Weltmacht war vernichtet, und wenn auch die laue Verfolgung nach dem Sieg die sofortige Beendigung des Kriegs vereitelte, so war doch mit Einem Schlag Deutschland bis zum Rhein befreit, und das deutsche Volk hat mit Recht den 18. Okt. lange Zeit als den Beginn seiner Wiedergeburt gefeiert. Zahlreiche Denksteine bezeichnen die merkwürdigsten Punkte der Schlacht, so die gußeiserne Spitzsäule (seit 1847) auf dem „Monarchenhügel“, das Denkmal des Fürsten Schwarzenberg (ein Würfel aus Stein unweit Meusdorf), der Napoleonsstein unweit des Thonbergs, dazu mehrere in der Stadt selbst errichtete Denkmäler (s. oben, S. 662). Auch ward schon 1814 in L. ein Verein zur Feier des 19. Okt. gegründet, der sich die Aufgabe stellte, das Gedächtnis der Völkerschlacht in möglichst treuer Überlieferung der Nachwelt zu erhalten und alle auf dieselbe bezüglichen Schriftstücke zu sammeln. 1863 wurde die 50jährige Jubelfeier der Schlacht besonders festlich begangen, noch kurz vor den welterschütternden Ereignissen von 1866 bis 1871, welche das Andenken des Leipziger Kampfes etwas zurückdrängten. 1875 wurde eine neue Korvette der deutschen Marine der Leipziger Schlacht zu Ehren „L.“ getauft. Vgl. Aster, Die Gefechte und Schlachten bei L. im Oktober 1813 (Dresd. 1852–53, 2 Bde.); Naumann, Die Völkerschlacht bei L. (Leipz. 1863); Wuttke, Die Völkerschlacht bei L. (Berl. 1863); Apel, Führer auf die Schlachtfelder Leipzigs (Leipz. 1863).

Die Kreishauptmannschaft Leipzig umfaßt 3567 qkm (64,78 QM.) mit (1885) 774,036 Einw. (1880: 707,826 Einw.), darunter 755,233 Evangelische, 13,745 Katholiken und 3928 Juden, und besteht aus der Stadt L. und 6 Amtshauptmannschaften.

[674]

Amtshauptmannschaften QKilometer QMeilen Einwohner 1885 Einw. auf 1 QKilom.
Borna 549 9,97 72 487 132
Döbeln 584 10,60 100 203 172
Grimma 846 15,37 85 066 100
Leipzig 482 8,75 195 540 406
Leipzig (Stadt) 16 0,29 170 340
Oschatz 573 10,41 53 760 94
Rochlitz 517 9,39 96 640 187

[Plan]

LEIPZIG.

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Maßstab 1:20,000.

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Ergänzungen und Nachträge
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Leisten
Band 17, Seite 524
korrigiert

Leipzig, Stadt. Durch Einverleibung der Gemeinden Reudnitz und Anger-Krottendorf (1. Jan. 1889), der Gemeinden Volkmarsdorf, Neustadt, Neuschönefeld, Sellerhausen, Neureudnitz, Thonberg, Gohlis und Eutritzsch (1. Jan. 1890) in die Stadt L. ist die Zahl der Einwohner auf 287,000 gestiegen.

Meyers Konversations-Lexikon, 4. Aufl.
Jahres-Supplement 1890–1891
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Leitner
Band 18, Seite 562
korrigiert

Leipzig. Am 1. Jan. 1891 erfolgte die Einverleibung von weitern sechs Vororten (Lindenau, Plagwitz, Schleußig, Kleinzschocher, Konnewitz und Lößnig); die Einwohnerzahl von L. stieg damit auf (1891) 353,272 (mit Neusellerhausen: 355,485) Seelen.