Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Laboratorĭum“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 10 (1888), Seite 376377
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Laboratorĭum. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 10, Seite 376–377. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Laborator%C4%ADum (Version vom 03.12.2021)

[376] Laboratorĭum (lat.), das zur Ausführung chemischer

Chemisches Laboratorium (Arbeitstisch).

Arbeiten bestimmte und mit den nötigen Vorrichtungen versehene Lokal. In der alchimistischen Zeit, in welcher der Adept seine Arbeiten mit tiefstem Geheimnis zu umhüllen suchte, war das L. ein abgeschlossener Raum mit kolossaler Feuerstätte, vollgepfropft mit wunderlich gestalteten Gläsern und Apparaten, von denen man sich besondere Leistungen versprach. Mit der Begründung der wissenschaftlichen Chemie wurde das L. nüchterner und geeigneter zur Aufnahme physikalischer Instrumente, wie Wagen, Barometer, Thermometer, Luftpumpen etc., zur Ausführung exakterer Arbeiten, die zu ihrem Gelingen größte Akkuratesse und Sauberkeit voraussetzten. Durch Einführung des Leuchtgases an Stelle der Holzkohlen und des Spiritus, durch die Vorrichtungen zur leichten Ableitung von Gasen und Dämpfen und durch vielseitige Benutzung einer Wasserleitung gewann das L. den Charakter, welchen es gegenwärtig besitzt (s. Abbildung). Neben den Privatlaboratorien, in welchen die Chemiker ihre wissenschaftlichen [377] Arbeiten ausführen, benutzt man gegenwärtig Unterrichtslaboratorien, gewöhnlich verbunden mit Hörsälen für Experimentalchemie, welche hinreichende Gelegenheit zur bequemen und sichern Anstellung von Experimenten ohne Belästigung der Zuhörer durch Gase und Dämpfe bieten müssen. In den Unterrichtslaboratorien hat man Säle für qualitative und quantitative Analyse sowie für synthetische Arbeiten, besondere Räume für Arbeiten mit Schwefelwasserstoff, Glühoperationen, Destillationen, Elementaranalysen, spektroskopische und photometrische Untersuchungen, nach Norden gelegene Zimmer für Gasanalysen, Zimmer für die Wage, für Aufbewahrung physikalischer Instrumente, Bibliothek- und Lesezimmer etc. Jeder Praktikant besitzt einen eignen Tisch, ausgestattet mit Gas- und Wasserleitung, Wasserluftpumpe und Reagenzien. Arbeiten, bei denen sich übelriechende oder schädliche Gase entwickeln, werden in gut ventilierten, durch Glasscheiben abgeschlossenen Wandschränken vorgenommen. Die Räume zur Ausführung wissenschaftlicher Untersuchungen sind mit allen denkbaren Hilfsmitteln versehen, um die Arbeit zu erleichtern und alle mechanischen zeitraubenden Operationen auf ein Minimum zu reduzieren. Besondere Einrichtungen fordern die agrikulturchemischen, pharmazeutischen, chemisch-technischen und die Laboratorien, welche der Kontrolle des Handels mit Lebensmitteln gewidmet sind, ferner die Laboratorien der Gerichtschemiker, die Handelslaboratorien, in welchen Untersuchungen für Handel und Gewerbe ausgeführt werden, die Laboratorien der landwirtschaftlichen Versuchsstationen, der physiologischen Chemiker, der Fabriken und Hüttenwerke. Der Raum, welcher in den Apotheken L. genannt wird, ist weniger der chemischen Untersuchung als der praktischen Arbeit, der Darstellung pharmazeutischer Präparate, gewidmet und enthält gewöhnlich einen Dampfkessel zum Erhitzen von Abdampfgefäßen mit Dampf, zum Betrieb eines Destillationsapparats, zum Heizen eines Trockenschrankes etc., ferner Windöfen, Wagen etc. Beschreibungen moderner Laboratorien s. Lang, Das chemische L. der Universität Heidelberg (Karlsr. 1858); Müller, Das chemische L. der Universität Greifswald (Berl. 1864); Cremer, Das neue chemische L. in Berlin (das. 1868); Kolbe, Das chemische L. in Leipzig (Leipz. 1872); Ferstel, Der Bau des chemischen Instituts in Wien (Wien 1874); Baeyer und Geul, Das neue chemische L. in München (Münch. 1880). – Beim Militär versteht man unter L. die Anstalten, in welchen für alle Waffen die Munition und Munitionsgegenstände aller Art, wie Zündungen etc., angefertigt werden. Außer den kleinern Laboratorien zum Fertigmachen der Munition bestehen in manchen Staaten Zentrallaboratorien mit ausgedehntem Maschinenbetrieb zur Anfertigung von Patronen (Deutschland) oder für die Herstellung der schwierigern Gegenstände. Kriegslaboratorien sind in Kasematten der Festungswerke zur Benutzung bei Verteidigung der belagerten Festung, Speziallaboratorien werden in detachierten Forts oder selbständigen Außenwerken angelegt. Die Laboratorien gehören zu den Artilleriedepots und stehen unter Verwaltung von Feuerwerksoffizieren.