Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Kuppelung“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 18 (Supplement, 1891), Seite 552
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Kuppelung. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 18, Seite 552. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Kuppelung (Version vom 07.12.2023)

[552] Kuppelung. Gebrüder Mannesmann in Remscheid haben eine neue Art von K. erfunden, welche sowohl eine axiale Verschiebung der zu kuppelnden Wellenstücke als auch eine Verstellung des Winkels, unter dem die Wellenstücke aneinander stoßen, gestatten. Die ursprüngliche Bestimmung dieser K. war, bei den zur Ausführung des Mannesmannschen Schrägwalzverfahrens dienenden Walzwerken (s. Bd. 17, S. 708 f.) die Walzen und ihre Zuleitungswellen in angemessener Weise mit den festgelagerten Triebwellen zu kuppeln. Es bedurfte bei dem einfachsten dieser Walzwerke vier Kuppelungen, zwei für jede Walze, welche eine weitgehende Verstellung sowohl im Winkel als auch der Länge nach gestatten mußten. Zugleich aber mußte die Übertragung ganz gleichförmig vor sich gehen, derart, daß das mittels der K. angetriebene Wellenstück ebenso gleichmäßig rotierte wie das antreibende. Eine gute K. für diese Anforderungen gab es nicht; das bekannte Universalgelenk (s. Bd. 10, S. 336) überträgt die Bewegung zu ungleichmäßig und nimmt auch zu viel Raum ein. Die von Mannesmann erfundene K. arbeitet ohne Bewegungsfehler und nimmt nicht mehr Raum ein als eine gewöhnliche Klauenkuppelung. Die Figur zeigt eine schematische Darstellung der K. nach Reuleaux. Denkt man sich die Wellen a und b von zwei Punkten aus, die gleichweit vom Achsenschnittpunkt S abliegen, mit sehr dünnen, in der Figur sich als Linien darstellenden Armen versehen, welche mit den Achsen bS und aS gleiche Winkel einschließen, so bleiben die berührenden Paare dieser Arme bei gleichförmiger Drehung beider Achsen stets in Berührung. Aus der Lage s1 gelangt z. B. der Berührungspunkt nach einer Achsendrehung von 180° in die Lage s2. Der Berührungspunkt wird dabei den Umriß eines

Kuppelung von Mannesmann.

schrägen Schnittes durch zwei gerade Kreiskegel, welche von den Armen von a und b beschrieben werden, umfahren, hier also eine Ellipse. Um die Berührung der Linien zu verwirklichen, könnte man sie als scharfe Kante von Stahl ausführen, würde indessen damit ein der Zerstörung rasch anheimfallendes Getriebe erzielen. Mannesmann wandte statt der scharfen Kanten halbe Cylinder an, welche sich mit den ebenen Halbierungsflächen berühren und zwar so, daß die Achsen der Cylinder mit den Linien s2a, s2b, s1a und s1b zusammenfallen. Mit den gekrümmten Rückenflächen sind diese Cylinder in entsprechenden Höhlungen massiver Arme, die von a und b ausgehen, gelagert. Zwei solche zusammenwirkende Cylinder bilden ein Gelenk, welches nach Reuleaux’ Vorschlag den Namen Schnittgelenk erhalten hat, so daß danach die K. als Schnittgelenkkuppelung zu bezeichnen ist. Diese K., aus Stahlguß in den Hauptkörpern, aus harter Bronze in den Schnittgelenken, die übrigens auch als Kugelstücke gebildet sein können, hat sich in jeder Beziehung vortrefflich bewährt und leistet bei den praktischen Betrieben der Mannesmann-Walzwerke die vorzüglichsten Dienste. Natürlich wird sie in der Maschinentechnik auch sonst zweckmäßig Verwendung finden, wo ähnliche Bedingungen bezüglich der Beweglichkeit der zu kuppelnden Wellenstücke gestellt sind.[WS 1]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vgl. Gustav Schwanda: Mannesmannrohre; ihre Herstellung und ihre Verwendbarkeit namentlich in der Kriegstechnik. In: Mittheilungen aus dem Gebiete des Seewesens, Bd. 21 (1893), S. 313 mit Abbildungen Google.