Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Kompert“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 9 (1887), Seite 997
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Kompert. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 9, Seite 997. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Kompert (Version vom 30.07.2021)

[997] Kompert, Leopold, Schriftsteller, geb. 15. Mai 1822 zu Münchengrätz in Böhmen, aus jüdischer Familie stammend, besuchte die Universität Prag, ging als Erzieher der Kinder des Grafen Andrássy nach Preßburg, nahm 1847 in Wien seine Universitätsstudien wieder auf, ward aber durch die Ereignisse des Jahrs 1848 ganz in die politisch-journalistische Thätigkeit gezogen und war bis 1852 Redakteur des „Österreichischen Lloyd“. 1852 übernahm er in Pest abermals eine Stelle als Erzieher, kehrte aber 1857 nach Wien zurück, wo er sich ganz der schriftstellerischen Thätigkeit widmete und 23. Nov. 1886 starb. Komperts dichterische Produktion begann, abgesehen von mannigfachen Jugendversuchen, mit den „Geschichten aus dem Ghetto“ (Leipz. 1848, 3. Aufl. 1886). Das Stoffgebiet, welches sich K. damit erschlossen hatte, nämlich das Leben der Juden in ihrer Abgeschlossenheit, verließ er auch in seinen spätern Werken: „Böhmische Juden“ (Wien 1851), „Am Pflug“ (das. 1855), „Neue Geschichten aus dem Ghetto“ (das. 1860, 2 Bde.), „Novellen“ (das. 1860), „Geschichten einer Gasse“ (Berl. 1865, 2 Bde.), den Romanen: „Zwischen Ruinen“ (das. 1875, 3 Bde.) und „Franzi und Heini“ (das. 1880) und den „Verstreuten Geschichten“ (das. 1883), nicht wieder. Der Beschränktheit dieses Stoffes wußte er aber eine Fülle wahrhaft poetischen Lebens, origineller Charakteristik und feinster Detaillierung abzugewinnen. Einzelne seiner Erzählungen, wie „Christian und Lea“, gehören geradezu zu den tiefsten und eigentümlichsten Schöpfungen der modernen deutschen Poesie. Seine „Gesammelten Schriften“ erschienen in 8 Bänden (Berl. 1882).