Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Kochowski“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 9 (1887), Seite 910
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Kochowski. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 9, Seite 910. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Kochowski (Version vom 30.10.2021)

[910] Kochowski (Nieczuja-K. von Kochow), Hieronymus Vespasian, poln. Dichter, geboren zwischen 1630 und 1633 in der Landschaft Sandomir, studierte auf der Akademie zu Krakau, vertauschte aber, ohne den Kursus vollendet zu haben, die Feder mit dem Säbel und nahm als Soldat 1651–63 an allen Kosaken- und Schwedenkriegen teil. Auch war K. in der Folge Augenzeuge der Befreiung Wiens durch Sobieski, die er in einer besondern Dichtung (Krakau 1684) besang. Er starb 1699. K. ist der allseitige und charakteristische Vertreter der polnischen Poesie des 17. Jahrh. Seine Dichtungen bestehen zunächst in kühnen und frischen, immer fröhlichen, oft auch ausgelassenen Liedern, die er zur Erheiterung des Lagerlebens dichtete, in kleinen Satiren, Oden und Epigrammen (gesammelt, Krakau 1674); später verfaßte er besonders religiöse Dichtungen, darunter ein 5000 Verse umfassendes Epos: „Der leidende Christus“ (das. 1681). Besondere Erwähnung verdient noch die aus seinen letzten Lebensjahren stammende „Polnische Psalmodie“ (Krakau 1693), worin er in biblischem Ton mystische Prophezeiungen über die Zukunft Polens aussprach und so den Grund zum polnischen Messianismus legte, der sich im 19. Jahrh. zu einer religiös-philosophischen Theorie entwickelte. Auch mehrere historische Werke, z. B. „Annalium Poloniae ab obitu Vladislai IV. climacteres tres“ (Krakau 1698), hat K. hinterlassen. Seine Biographie schrieb Rzazewski (poln., Warsch. 1871).