Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Kilian“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 9 (1887), Seite 727
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Kilian. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 9, Seite 727. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Kilian (Version vom 25.02.2022)

[727] Kilian, Heiliger, der Apostel der Franken, ein Schotte, verließ mit zwölf Gefährten sein Vaterland, ließ sich vom Papst zum Bischof der zu bekehrenden Heiden ernennen und begab sich nach Ostfranken, wo er um 690 zu Würzburg predigte, nach der Legende aber, da er die Ehe des von ihm getauften Herzogs Gozbert mit seines Bruders Witwe für blutschänderisch erklärte, samt seinen Gefährten ermordet wurde. Würzburg verehrt ihn als seinen ersten Bischof; sein Tag ist der 8. Juli.

Kilian, 1) Kupferstecherfamilie zu Augsburg, welche zahlreiche Arbeiten meist handwerksmäßiger Art lieferte. Lukas, geb. 1579 zu Augsburg, gest. 1637 daselbst, war Schüler von D. Custos, bildete sich in Venedig weiter aus und stach meist nach italienischen Malern. Sein Bruder Wolfgang, geb. 1581 zu Augsburg, gest. 1662 daselbst, bildete sich ebenfalls in Italien und stach nach venezianischen Meistern, malte daneben aber auch zahlreiche Porträte. Der bedeutendste der Familie ist Wolfgangs Sohn Bartholomäus, geb. 1630 zu Augsburg, gest. 1696 daselbst, der bei dem Vater, dann bei Merian und Poilly lernte. Er war einer der besten Stecher seiner Zeit, namentlich in Porträten, in welchen er Kraft, malerische Weichheit und sorgfältige Behandlung vereinigte. Auch sein Bruder Philipp, geb. 1628 zu Augsburg, gest. 1693 daselbst, war ein guter Stecher. Der späteste der Familie ist Philipp Andreas, geb. 1714 zu Augsburg. Er arbeitete namentlich für das Dresdener Galeriewerk und unternahm den Stich einer Bilderbibel, die 130 biblische Darstellungen großer Meister im kleinen enthält. Er starb 1759.

2) Hermann Friedrich, Mediziner, geb. 5. Febr. 1800 zu Leipzig, studierte in Wilna, Leipzig, Würzburg, Göttingen und Edinburg, ward dann in Petersburg Professoradjunkt der Chemie, später der Physiologie und Pathologie an der medizinischen Akademie und Arzt am Artilleriehospital. 1828 folgte er einem Ruf als Professor der Geburtshilfe nach Bonn. Er starb 7. Aug. 1863 im Bad Liebenstein. K. lieferte sehr sorgfältige Untersuchungen über das Wesen der Knochenerweichung (Osteomalacie, von K. Halisteresis genannt) und die dadurch entstandenen Deformitäten des weiblichen Beckens; auch ist das durch sogen. Wirbelschiebung (Dislokation des letzten Lendenwirbels nach vorn) verunstaltete und verengerte Becken durch ihn zuerst bekannt geworden. Er schrieb: „Beiträge zu einer genauern Kenntnis der allgemeinen Knochenerweichung der Frauen“ (Bonn 1829); „Die Operationslehre für Geburtshelfer“ (das. 1834 bis 1835, 2 Tle.; 2. Aufl. 1842–56); „Die Geburtslehre“ (Frankf. 1839–42; 2. Aufl. 1847–52, 3 Bde.); „Schilderung neuer Beckenformen“ (Mannh. 1854); „Das halisteretische Becken in seiner Weichheit und Dehnbarkeit während der Geburt“ (Bonn 1857).