Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Jourdan“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 9 (1887), Seite 274
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Jourdan. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 9, Seite 274. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Jourdan (Version vom 06.04.2023)

[274] Jourdan (spr. schurdāng), 1) Matthieu Jouve, einer der berüchtigtsten Revolutionsmänner, geb. 1749 zu St.-Juste bei Puy de Velay in Languedoc, seit 1787 Weinschenker zu Paris, stellte sich beim Ausbruch der Revolution an die Spitze einiger Volkshaufen und verdiente sich bei dem Zug nach Versailles 6. Okt. 1789 dadurch, daß er zwei Gardes du Korps die Köpfe abschnitt, den Ehrentitel Coupe-tête (Kopfabschneider). Vom Konvent nach Avignon gesandt, um dies dem französischen Gebiet einzuverleiben, übte er die empörendsten Grausamkeiten gegen alle mit dieser Einverleibung Mißvergnügten, so daß ihn endlich der Wohlfahrtsausschuß verhaften und 17. Mai 1794 guillotinieren ließ.

2) Jean Baptiste, Graf, Marschall von Frankreich, geb. 29. April 1762 zu Limoges, trat in seinem 16. Jahr in die Armee und nahm an den Feldzügen in Nordamerika teil. Nach seiner Rückkehr ward er 1790 Hauptmann in der Nationalgarde von Limoges und 1791 Bataillonschef in der Nordarmee, machte unter Dumouriez 1792 und 1793 den Feldzug in den Niederlanden mit und that sich hier so hervor, daß er 30. Juli 1793 zum Divisionsgeneral befördert wurde. Nachdem er mit seiner Division bei Hondschoote 8. Sept. 1793 mitgekämpft hatte, rückte er schon zwei Tage darauf in die Stelle des abberufenen Obergenerals Houchard ein und schlug die Österreicher bei Wattignies (16. Okt.). Bald darauf jedoch wurde er wegen seiner Opposition gegen den Plan des Wohlfahrtsausschusses, einen Winterfeldzug zu unternehmen, entlassen. Schon im Frühling 1794 wieder zum Oberbefehlshaber der Moselarmee, dann der Maas- und Sambrearmee ernannt, erfocht er 26. Juni den Sieg bei Fleurus, trieb die Österreicher nach einigen glücklichen Treffen an der Roer über den Rhein zurück, nahm 7. Juni 1795 die Festung Luxemburg, überschritt 6. Sept. den Rhein und belagerte darauf Kastel und Mainz, wurde aber 11. Okt. bei Höchst von Clerfait geschlagen und genötigt, auf das linke Rheinufer zurückzugehen. 1796 überschritt er zum zweitenmal den Rhein und drang von der Lahn bis zur Oberpfalz vor, wurde aber bei Amberg 24. Aug. und bei Würzburg 3. Sept. vom Erzherzog Karl geschlagen und zog sich unter großen Verlusten nach Düsseldorf zurück. Er legte nun sein Kommando nieder. Die Vorwürfe, welche ihm dieser Rückzug zuzog, suchte er später in den „Mémoires pour servir à l’histoire de la campagne de 1796“ (Par. 1819) zu widerlegen. Im März 1797 ward er in den Rat der Fünfhundert gewählt. 1799 erhielt er den Oberbefehl über die Donauarmee und setzte 1. März 1799 bei Basel über den Rhein. Er wurde indes wiederum vom Erzherzog Karl 21. März bei Ostrach, 25. März bei Stockach geschlagen und deshalb abgesetzt. Sein Verfahren in diesem Feldzug suchte seine Schrift „Précis des opérations de l’armée du Danube sous les ordres du général J.“ (Par. 1799) zu rechtfertigen. Bei dem Staatsstreich von 18. Brumaire verhielt er sich, obwohl strenger Republikaner, neutral und wurde 1800 vom Ersten Konsul mit der Verwaltung Piemonts betraut, welche er vortrefflich leitete. 1803 trat er in den Senat. Kaiser Napoleon I. erhob ihn 1804 in den Grafenstand, ernannte ihn zum Marschall und verlieh ihm Sitz und Stimme im Staatsrat, aber nie ein selbständiges Kommando. 1806 ward J. als Gouverneur nach Neapel gesandt, und 1808 ging er als Generalstabschef des Königs Joseph nach Spanien, welche Stelle er mit einer Unterbrechung (1809–1812) bis 1814 innehatte. Nach der zweiten Restauration 1815 wurde er Vorsitzender des Kriegsgerichts, welches Ney verurteilen sollte, aber sich für inkompetent erklärte. 1816 erhielt er die 7. Militärdivision und 1819 von Ludwig XVIII. die Pairswürde. Der Julirevolution wendete er sich mit Begeisterung zu, übernahm auf einige Tage das Ministerium des Auswärtigen u. ward 11. Aug. 1830 Gouverneur der Invaliden. Er starb 13. Nov. 1833.