Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Hundsseuche“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 8 (1887), Seite 805
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Hundsseuche. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 8, Seite 805. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Hundsseuche (Version vom 20.08.2021)

[805] Hundsseuche (Staupe, Laune), eine häufige, bald aus Selbstentwickelung, bald aus Ansteckung entstehende Krankheit der Hunde, welcher ein Katarrh der Luftwege, der gewöhnlich mit einem Magendarmkatarrh und mit nervösen Erscheinungen verbunden ist, zu Grunde liegt. Die H. befällt vorzugsweise junge Hunde, namentlich solche, die verzärtelt sind und wenig kräftige Fleischnahrung erhalten. Wenn abgehärtete, kräftig genährte Hunde an der Staupe erkranken, so verläuft diese meist gutartig, indem zu dem Katarrh keine Krämpfe und Lähmungen hinzutreten. Erreicht die Krankheit keinen hohen Grad, so stellt sich, nachdem einige Tage hindurch Verminderung der Munterkeit und des Appetits, Rötung der Augen, trockne und warme Nase, öfteres Niesen und Husten bestanden haben, Ausfluß von Schleim aus der Nase und aus den Augen ein und erfolgt nach 8–14 Tagen Genesung. Bei heftigerer Erkrankung zeigen sich anfangs deutliches Fieber, schmerzhafter Husten, Verstopfung, nach einigen Tagen reichlicher Ausfluß von Schleim aus der Nase und aus den Augen und oft Trübung der durchsichtigen Hornhaut. Setzt sich der Kartarrh auf die feinsten Luftröhrenzweige fort, oder entsteht eine Lungenentzündung, so wird das Atmen stark beschleunigt, der Husten häufig, quälend. Das Fieber ist dann anhaltend, steigert sich wohl gar noch mehr, nachdem schon Schleimausfluß sich eingestellt hat. Oft tritt dann auch Erbrechen und Durchfall, der zuweilen blutig wird, hinzu. Mit diesen Erscheinungen verbinden sich in manchen Fällen von vornherein, gewöhnlich aber erst im weitern Verlauf Zuckungen an einzelnen Körperteilen oder epileptische Krämpfe, denen häufig Lähmungen, namentlich Kreuzlähmung, folgen. Bei recht zarten, schwachen Hunden gesellen sich diese nervösen Erscheinungen oft auch zu einem anscheinend ganz unbedeutenden Katarrh hinzu. In solchen Fällen, überhaupt in den höhern Graden, wird die Krankheit oft tödlich, oder die Heilung ist eine unvollständige, indem Zuckungen oder Lähmungen, namentlich Lähmung des Hinterteils, zurückbleiben. Die Behandlung besteht vorzugsweise in einer zweckmäßigen diätetischen Pflege: Warmhalten und Verabreichung stärkender und leicht verdaulicher Kost. Augen und Nase müssen von anhängendem Schleim recht oft gereinigt werden; zur Beförderung des Ausflusses und des Auswurfs, wenn der Schleim zäh und der Husten quälend ist, läßt man täglich einigemal, jedesmal ungefähr 10 Minuten lang, Wasserdämpfe einatmen. Im Beginn der Krankheit ist ein Brechmittel angezeigt; gegen Verstopfung sind Klystiere von schwachem Seifenwasser und kleine Dosen Rizinusöl anzuwenden. Bei heftigem Durchfall sowie bei Krämpfen ist Opium das beste Mittel. Das beliebte Eingeben von sogen. Hundepillen oder von Schwefel oder Schießpulver ist verwerflich. Behufs der Vorbeugung sind die jungen Hunde vorsichtig abzuhärten und durch gute Kost, namentlich durch Fleischkost, zu kräftigen, auch vor der Berührung mit den an der H. leidenden Hunden thunlichst zu schützen. Vgl. Friedberger, Die Staupe der Hunde (Jena 1881).