Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Gärtner“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 6 (1887), Seite 924926
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Wiktionary: Gärtner
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Gärtner. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 6, Seite 924–926. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:G%C3%A4rtner (Version vom 22.10.2023)

[924] Gärtner, im weitern Sinn jeder, welcher das Anlegen und Erhalten von Gärten sich zum Beruf gemacht hat. Kunstgärtner ziehen Blumen u. Schmuckpflanzen, zum Unterschied von Gemüse- und Obstgärtnern etc. Die G., welche die bildende Gartenkunst ausüben, nennen sich zuweilen Landschaftsgärtner, Gartenarchitekten, Garteningenieure etc. Diejenigen G., welche für eigne Rechnung zum Verkauf produzieren, heißen Handelsgärtner, auch Kunst- und Handelsgärtner. Die wirklichen G. bilden sich in der sogen. Lehre praktisch aus und besuchen zuweilen noch eine Gärtnerlehranstalt (s. Gartenbauschulen), einzelne auch wohl eine Universität oder eine polytechnische Schule. Da beim Gartenbau viele Hilfswissenschaften eingreifen, so sollten diese wenigstens notdürftig erlernt werden.

Gärtner, 1) Karl Christian, Schriftsteller, geb. 24. Nov. 1712 zu Freiberg im Erzgebirge, besuchte mit Gellert und Ramler die Fürstenschule zu Meißen und bezog dann die Universität zu Leipzig, wo er, erst ein Anhänger Gottscheds, sich später dem Dichterkreis anschloß, der die sogen. „Bremer Beiträge“ (s. d.) herausgab und gegen jenen in Opposition trat. Um 1745 ging er als Hofmeister nach Braunschweig, ward 1747 Professor der Moral und Beredsamkeit am dortigen Carolinum und 1780 Hofrat und starb 14. Febr. 1791. G. war es, der den Plan zu den erwähnten Beiträgen entwarf, nachher die Herausgabe leitete und den einigenden Mittelpunkt des Vereins bildete. Seine Schriften bestehen außer einzelnen Gedichten in „Reden“ (Braunschw. 1761), einem Schäferspiel: „Die geprüfte Treue“ (das. 1768), und dem Lustspiel „Die schöne Rosette“ (Leipz. 1782); auch übersetzte er mehrere Bände von Rollins „Geschichte des Altertums“ u. a.

2) Joseph, Botaniker, geb. 12. März 1732 zu Kalw im Württembergischen, studierte seit 1751 Medizin zu Göttingen, ward nach mehrjährigen Reisen 1761 Professor der Anatomie in Tübingen und 1768 Professor der Botanik sowie Direktor des botanischen Gartens und des naturhistorischen Kabinetts zu Petersburg. [925] Von hier aus bereiste er zu botanischen Zwecken die Ukraine, kehrte aber schon 1770 nach Kalw zurück. Er starb 14. Juli 1791 in Tübingen. Zum Teil auf Banks und Thunberg gestützt, begründete er die Morphologie der Früchte und Samen in seinem berühmten Werk („Karpologie“): „De fructibus et seminibus plantarum“ (Stuttg. u. Tübing. 1789–1791, 2 Bde. mit 180 Kupfertafeln). Er unterschied die Sporen der Kryptogamen von den Samen und gab eine Theorie des Samens, welche an Klarheit und Konsequenz alles bisher Geleistete weit überragte.

3) Karl Friedrich von, Naturforscher, Sohn des vorigen, geb. 1. Mai 1772 zu Kalw, erlernte die Pharmazie zu Stuttgart, wurde nach zwei Jahren in die Hohe Karlsschule aufgenommen und studierte dann zu Jena und Göttingen Medizin, worauf er sich 1796 als praktischer Arzt in Kalw niederließ. Nach dem Tod seines Vaters bearbeitete er den Supplementband zu dessen „Karpologie“ (Leipz. 1805–1807, mit den Kupfertafeln 181–255) und den kryptogamischen Teil von Gmelins „Flora sibirica“ nebst einem Anhang zum fünften Bande dieses Werkes. Schon seit 1826 teilte er Resultate von Bastardierungsversuchen an Pflanzen mit, und nach 25jährigen Bemühungen publizierte er: „Beiträge zur Kenntnis der Befruchtung der vollkommenen Gewächse“ (Stuttg. 1844) und „Versuche und Beobachtungen über die Bastarderzeugung im Pflanzenreich“ (2. Aufl., das. 1849). Beide Werke sind das Gründlichste und Umfassendste, was bisher über die experimentelle Untersuchung der Sexualitätsverhältnisse geschrieben worden ist. G. starb 1. Sept. 1850 in Kalw.

4) Friedrich von, Architekt, geb. 1792 zu Koblenz, bezog 1809 die Kunstakademie in München, studierte 1812–14 in Paris und verweilte sodann mehrere Jahre in Rom, Neapel und Sizilien. Als Frucht dieser Reise erschienen 1819 die „Ansichten der am meisten erhaltenen Monumente Siziliens“, Lithographien mit erläuterndem Text. Im J. 1819 folgte G. einem Ruf nach München als Professor der Baukunst an der Kunstakademie. Hier widmete er sich neben seinem Lehrfach der Verbesserung der Porzellanmanufaktur und Glasmalerei als Direktor der Anstalten für diese beiden Künste, bis er auf Empfehlung von Cornelius mit dem Bau der Ludwigskirche zu München seine schöpferische Thätigkeit 1829 begann. Zum Oberbaurat und Generalinspektor der architektonischen und plastischen Kunstdenkmäler Bayerns ernannt, übernahm er die Leitung einer Reihe öffentlicher Bauten, die Wiederherstellung des Isarthors, den Bau des Bibliothek- und Archivgebäudes (1831–42), des Blindeninstituts (1833–36), des Universitätsgebäudes u. des Georgianums (1835 bis 1840), des Damenstifts St. Anna (1836–39), des Erziehungsinstituts für adlige Fräulein (Max Joseph-Stifts), der Salinenadministration (1838–1842), der Feldherrenhalle (1840–45), des Wittelsbacher Palastes (1843), des Siegesthors und der Villa der Königin vor demselben. Im J. 1840 ging er mit einem Gefolge von Bauleuten und Malern nach Athen, um daselbst den nach seinem Entwurf erbauten königlichen Palast zu vollenden und auszuschmücken. In Brückenau erbaute er das Kurhaus, in Kissingen den Kursaal und die Brunnenbedachung (1833–38) sowie eine protestantische Kirche, in Zwickau das Rathaus; in Bamberg restaurierte er den Dom. Im J. 1842 wurden von ihm die Befreiungshalle zu Kelheim (welches Werk jedoch durch Klenze gänzlich umgestaltet worden ist) und die neue Friedhofsanlage in München, 1843 das pompejanische Haus zu Aschaffenburg begonnen. Seit 1842 Direktor der Akademie, starb G. 21. April 1847 in München. Seine Gebäude sind zumeist im modifizierten romanischen Stil gehalten. Sie haben das Gepräge des Massenhaften, Monumentalen, entbehren jedoch der feinern Charakteristik der Formen und einer energischen Profilierung. Er gab heraus: „Römische Bauverzierungen nach der Antike“ (Münch. 1824); „Auswahl von Vasen und Gefäßen, auf Stein graviert“ (das. 1825).

5) Eduard, Maler, geb. 2. Juli 1801 zu Berlin, kam im Alter von fünf Jahren nach Kassel und erhielt dort den ersten Unterricht von dem spätern Direktor der Zeichenakademie in Darmstadt, Friedrich Müller (genannt Maler Müller). 1813 kehrte er nach Berlin zurück und arbeitete sechs Jahre als Malerlehrling in einer Porzellanfabrik. Nachdem er eine Studienreise an die Nordsee und nach Westpreußen gemacht hatte, trat er 1821 mit dem Dekorationsmaler Gropius in Verbindung und malte perspektivische Darstellungen in den Gemächern der Prinzessin Luise von Preußen und 1824 in denen des Königs Friedrich Wilhelm III. Dadurch wurde er in den Stand gesetzt, nach Paris zu gehen und dort noch drei Jahre lang unter Bertin weiterzustudieren. Nach seiner Rückkehr widmete er sich mit großem Erfolg der Architekturmalerei teils in Berlin, teils für den Kaiser von Rußland in St. Petersburg und Moskau (1837–39). Die meisten seiner Bilder sind in Wasserfarben ausgeführt, nur wenige in Öl, z. B. der Marktplatz in Prag, die Probststraße in Berlin (Nationalgalerie). Er starb 22. Febr. 1877 in Berlin.

6) Friedrich, Maler, Sohn von G. 4), geb. 11. Jan. 1824 zu München, besuchte ein Gymnasium daselbst und sollte nach des Vaters Wunsch sich ebenfalls der Architektur widmen. In Athen, wohin er 1841 den Vater begleitete, fühlte er sich aber weit stärker von der Malerei angezogen und besuchte nach seiner Rückkehr die Akademie in München, während ihm Simonsen aus Kopenhagen Unterricht in der Technik des Malens gab. Im J. 1846 ging G. zu seiner weitern Ausbildung nach Paris und trat in das Atelier von Claude Jaquand ein. Von dort machte er 1848 mit dem Architekturmaler Gerhardt eine Studienreise nach Spanien und verband damit einen Ausflug nach Marokko. In jener Zeit begann G. auch selbständig zu arbeiten und zog die Aufmerksamkeit des Königs Ludwig I. auf sich, der mehrere Bilder von ihm erwarb (in der Neuen Pinakothek zu München). Im J. 1851 besuchte G. London und verweilte hierauf bis 1857 wieder in Paris. Seit seiner Rückkehr von dort lebt er in München. Den Winter von 1870 brachte er in Algier zu, welches ihm eine Anzahl dankbarer Motive (das Innere eines Hauses in Tetuan, Straße in Algier, aus der Moschee El Kebir) geboten hat. Seine Gemälde sind sorgfältig gezeichnet und angenehm koloriert.

7) Heinrich, Maler, geb. 1828 zu Neustrelitz, bildete sich im Zeichnen unter dem Kupferstecher Ruscheweyh, welcher 1832 aus Rom in die Heimat zurückgekehrt war, aus und begab sich 1845 nach Berlin, wo er seine Studien bei dem Landschaftsmaler F. W. Schirmer fortsetzte. Dann ging er nach Dresden zu Ludwig Richter und von da nach Rom, wo er durch das Studium der alten Meister und durch Cornelius gefördert wurde. Sein Streben richtete sich darauf, den Charakter der stilisierenden Landschaftsmalerei mit den Anforderungen des modernen Kolorits zu verbinden. Nachdem er zunächst in einigen Privathäusern, in den Villen des Herrn v. Lanna in Prag und Gmunden und beim Stadtrat Dürr in Konnewitz [926] bei Leipzig, mehrere landschaftliche Cyklen mit figürlicher Staffage ausgeführt, erhielt er den Auftrag, an den Wandmalereien des neuen Dresdener Hoftheaters mitzuwirken. Dann übertrug ihm Dürr die auf seine Kosten zu bewerkstelligende Ausschmückung des Skulpturensaals im Leipziger Museum, wo er die Hauptschauplätze plastischer Kunstübung im Altertum und der Neuzeit in Wachsmalereien darstellte (1879 vollendet). Aus einer Konkurrenz um die Dekoration des Treppenhauses im landwirtschaftlichen Museum zu Berlin als Sieger hervorgegangen, führte er daselbst 1883–85 drei große landschaftliche Kompositionen aus.


Jahres-Supplement 1891–1892
Band 19 (1892), Seite 350
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[350] Gärtner, August, Hygieniker, geb. 18. April 1848 zu Ochtrup in Westfalen, studierte im medizinisch-chirurgischen Friedrich Wilhelms-Institut in Berlin Medizin, wurde Assistenzarzt beim 57. Infanterieregiment in Wesel und war dann 12 Jahre Marinearzt, als welcher er viele und große Reisen machte und als Hilfsarbeiter in das kaiserliche Gesundheitsamt kommandiert wurde. Von hier ging er als außerordentlicher Professor der Hygiene nach Jena, wo er 1887 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. G. arbeitete besonders über Wasseruntersuchung, Desinfektion und Schiffshygiene. Von seinen bakteriologischen Arbeiten verdient die Untersuchung über die Fleischvergiftung in Frankenhausen und deren Erreger sowie über die Erblichkeit der Tuberkulose besondere Erwähnung. Er schrieb: „Anleitung zur Gesundheitspflege an Bord von Kauffahrteischiffen“ (hrsg. vom kaiserlichen Gesundheitsamt, Berl. 1888); „Die chemische u. mikroskopisch-bakteriologische Untersuchung des Wassers“ (mit Tiemann, Braunschw. 1889); „Leitfaden der Hygiene für Studierende und Ärzte“ (Berl. 1892). Für Neumayers „Anleitung zu wissenschaftlichen Untersuchungen auf Reisen“ (2. Aufl., Berl. 1888) bearbeitete er das Kapitel „Heilkunde“.