Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Fournier“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Fournier“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 6 (1887), Seite 472
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wiktionary-Logo
Wiktionary:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Fournier. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 6, Seite 472. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Fournier (Version vom 11.12.2021)

[472] Fournier (spr. furnjeh), 1) Marc Jean Louis, gewöhnlich Marc-F. genannt, franz. Bühnendichter, geb. 1818 zu Genf aus einer französischen Emigrantenfamilie, studierte daselbst und begab sich 1838 nach Paris, wo er sich der Schriftstellerei zuwandte und litterarisch-kritischer Mitarbeiter an verschiedenen Zeitschriften wurde. 1847 trat er in die Redaktion der „Presse“, die er bald mit der bonapartistischen „Liberté“ vertauschte. In der Folge widmete er sich ganz dem dramatischen Fach und wurde 1851 Direktor des Theaters der Porte St.-Martin, dessen Leitung er trotz mancher Schwierigkeiten mit Glück führte, bis er 1868 letztern erlag und Bankrott machte. Ein ehedem sehr luxuriöses und verschwenderisches Leben beschloß er 5. Jan. 1879 zu Paris in tiefster Dürftigkeit. Seine vorzüglichsten Stücke sind: „Les nuits de la Seine“ (1852) und die in Gemeinschaft mit andern gearbeiteten Dramen: „Paillasse“ (1849; als „Bajazzo und seine Familie“ auch in Deutschland als effektvolles Rührstück bekannt), „Manon Lescaut“ (1852) und „La bête du bon Dieu“ (1854).

2) Edouard, franz. Schriftsteller, geb. 15. Juni 1819 zu Orléans, führte in Paris das Leben eines fleißigen, von der Öffentlichkeit zurückgezogenen Gelehrten und starb 10. Mai 1880 daselbst. F. hat sich besonders um die Erforschung der Vergangenheit der Stadt Paris verdient gemacht mit den Schriften: „Paris démoli, mosaïque de ruines“ (3. Aufl. 1883); „Les lanternes“ (1854); „Énigmes des rues de Paris“ (1859); „Histoire du Pont-Neuf“ (1861, 2 Bde.); „Chroniques et légendes des rues de Paris“ (1864) und „Paris à travers les âges“ (1876). Von seinen sonstigen ziemlich vielseitigen Werken nennen wir: „La musique chez le peuple“ (1847); „Essai sur l’art lyrique au théâtre“ (1849); „Histoire des hôtelleries et des cabarets“ (1850); „Un prétendent portugais au XIV. siècle“ (1851); „L’esprit des autres“ (1855, 6. Aufl. 1883) und „L’esprit dans l’histoire“ (1857, 4. Aufl. 1882), Untersuchungen über den Ursprung berühmter Aussprüche; „Le roman de Molière“ (1863); „La comédie de La Bruyère“ (1866, 2 Bde.) und „Le vieux neuf, histoire ancienne des inventions et découvertes modernes“ (2. Aufl. 1877). Zu seinen letzten Veröffentlichungen gehören: „Théâtre français aux XVI. et XVII. siècles“ (2. Aufl. 1874, 2 Bde.); „Théâtre français avant la Renaissance“ (1873, 2. Aufl. 1880) und „Les Prussiens chez nous“, ein Pamphlet (1871). Übrigens hat sich F. auch als dramatischer Autor mit mehreren Lustspielen und dem Drama „Gutenberg“ (1869) versucht und viele Jahre hindurch die Theaterkritik für die „Patrie“ versehen. Nach seinem Tod erschienen noch: „Paris capitale“ (1881); „Histoire des enseignes de Paris“ und „Études sur la vie de Molière“ (1884).