Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Bucēr“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 3 (1886), Seite 540
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Bucēr. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 3, Seite 540. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Buc%C4%93r (Version vom 08.01.2023)

[540] Bucēr (Butzer), Martin, einer der oberdeutschen Kirchenreformatoren, geb. 1491 zu Schlettstadt im Elsaß, trat schon in seinem 15. Jahr in den Dominikanerorden, studierte auf der Universität Heidelberg Griechisch und Hebräisch, Theologie, Philosophie und Rhetorik und wurde durch Luthers persönliche Bekanntschaft 1518 und Erasmus’ Schriften der Reformation gewonnen. Er verließ den Orden 1521 und wurde Hofprediger des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz, 1522 Pfarrer bei Sickingen in Landstuhl, dann in Weißenburg, von dort durch den Bischof von Speier vertrieben, 1523 in Straßburg. Neben der Einführung der Reformation widmete er den Versuchen zur Herstellung einer Union zwischen Lutheranern und Reformierten eine unermüdliche Thätigkeit. Anfangs bei den Disputationen zu Bern 1528 und Marburg 1529 mehr Zwingli zugewandt, so daß er 1530 die Confessio tetrapolitana im Gegensatz zu der Augustana verfaßte, zeigte er sich in den folgenden Verhandlungen zu Schweinfurt 1532, Kassel 1535 und in der Wittenberger Concordia 1536 der lutherischen Ansicht günstiger. Zwar wiesen die Schweizer die Vereinigung zurück, indes brach sich Bucers Gedanke, daß der Streit der Konfessionen keinen fundamentalen Lehrunterschied betreffe, mehr und mehr Bahn. Auch eine Einigung mit den Katholiken erstrebte er in Gemeinschaft mit dem Landgrafen Philipp von Hessen, mit dem er die intimsten Beziehungen und einen eifrigen Briefwechsel unterhielt, bei dem Religionsgespräch zu Hagenau 1540, auf dem Reichstag in Regensburg 1541 und bei dem dortigen Religionsgespräch 1546 sowie in vielen pseudonymen Schriften. Leider ließ sich B. auch herbei, die Doppelehe des Landgrafen zuerst zu entschuldigen, dann in einer Schrift zu rechtfertigen. Als er 1542 im Erzstift Köln gemeinsam mit Melanchthon der Reformation Bahn zu brechen suchte, leistete ihm der dortige Klerus erfolgreichen Widerstand. Da er sich beharrlich weigerte, das Interim zu unterzeichnen, mußte er Straßburg verlassen und ging im April 1549, vom Erzbischof Cranmer berufen, nach England. Seine umfassende, aber mit großer Bescheidenheit verbundene Gelehrsamkeit fand hier allgemeine Anerkennung; doch starb er schon 27. Febr. 1551 in Cambridge. Seine Gebeine, in der Hauptkirche zu Cambridge beigesetzt, wurden unter der Königin Maria, als die eines Hauptketzers, aus dem Sarge gerissen und verbrannt; Elisabeth ließ das Grabmal wiederherstellen. An einer Gesamtausgabe seiner zahlreichen Schriften fehlt es noch. Vgl. Baum, Capito und B. (Elberf. 1860); Lenz, Briefwechsel Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen mit B. (Leipz. 1880, Bd. 1).