Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Brausepulver“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 3 (1886), Seite 368369
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Brausepulver. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 3, Seite 368–369. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Brausepulver (Version vom 02.04.2023)

[368] Brausepulver (Pulvis aërophŏrus), Gemisch aus 10 Teilen doppeltkohlensaurem Natron, 9 Teilen Weinsäure und 19 Teilen Zucker, welches zur Bereitung eines erfrischenden und niederschlagend wirkenden Getränks benutzt wird. Die Wirksamkeit und Haltbarkeit des Brausepulvers ist davon abhängig, daß es aus scharf getrockneten Substanzen gemischt und in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahrt wird. Zur Benutzung schüttet man einen gehäuften Theelöffel voll [369] B. in ein reichlich zur Hälfte mit Wasser gefülltes Glas, rührt einmal um und trinkt möglichst schnell während des Brausens. Sobald das Pulver mit Wasser in Berührung kommt, wird das doppeltkohlensaure Natron durch die Weinsäure zersetzt, die letztere verbindet sich mit dem Natron, und die Kohlensäure entweicht gasförmig unter lebhaftem Schäumen und Brausen. Da hierbei stets sehr viel Kohlensäure verloren geht und man das B. hauptsächlich der Wirkung der Kohlensäure halber genießt, so ist es bei weitem zweckmäßiger, das Pulver trocken in den Mund zu nehmen und mit Wasser hinunterzuspülen. B. zersetzt sich beim Aufbewahren sehr schnell, weil es begierig Feuchtigkeit aus der Luft anzieht. Beim englischen B. (Soda-powder, Pulvis aërophorus anglicus) werden 2 g doppeltkohlensaures Natron und 1,5 g Weinsäure voneinander getrennt in verschiedenfarbigen Papierkapseln aufbewahrt. Man löst das Salz in Wasser, schüttet dann die Säure hinzu und trinkt schnell aus. Das abführende B. (Seidlitzpulver, Pulvis aërophorus laxans) besteht aus 7,5 g weinsaurem Kalinatron, mit 2,5 g doppeltkohlensaurem Natron gemischt, einerseits und 2 g Weinsäurepulver anderseits; man benutzt es wie das englische B. Hierher gehört auch die brausende zitronensaure Magnesia (Magnesia citrica effervescens); 14 Teile zitronensaure Magnesia (aus 25 kohlensaurer Magnesia und 75 Zitronensäure), 13 Teile doppeltkohlensaures Natron, 6 Teile Zitronensäure, 3 Teile Zucker werden gemischt, mit Spiritus befeuchtet und durch ein Sieb geschlagen, so daß ein grobes Pulver entsteht, welches schnell getrocknet und in gut verschlossenen Flaschen aufbewahrt werden muß. Bisweilen wird die Wirkung des Brausepulvers durch aromatische Zusätze etwas modifiziert, wie in dem aus gleichen Teilen doppeltkohlensaurem Natron, Weinsäure und Zitronenölzucker bestehenden sogen. Erfrischungsbrausepulver, dem Ingwer- und Pfefferminzbrausepulver. Auch wird das B. als Vehikel für andre Medikamente benutzt, indem es deren unangenehmen Geschmack verdeckt (Rhabarber- und Schwefelbrausepulver).