Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Bohnstedt“ in Meyers Konversations-Lexikon
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Band 3 (1886), Seite 149
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Bohnstedt. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 3, Seite 149. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Bohnstedt (Version vom 20.01.2024)

[149] Bohnstedt, Ludwig, Architekt, geb. 27. Okt. 1822 zu St. Petersburg von deutschen Eltern, bezog im Herbst 1839 die Universität Berlin und besuchte gleichzeitig die damalige Bauschule. 1841 machte er eine Studienreise nach Italien. In die Heimat zurückgekehrt, entfaltete B. eine reiche Thätigkeit. 1851 berief ihn die russische Großfürstin Helene Paulowna zum Oberarchitekten für ihre Palais; 1858 wurde er Professor an der Akademie. Unter seinen zahlreichen Bauten in Rußland sind zu nennen: die Restaurations- und Neubauten am chinesischen Palais in Oranienbaum, das Nonnenkloster der Auferstehung, das Stadthaus, das Palais des Ministers der Reichsdomänen und das der Fürstin Jussupow, alle vier in Petersburg, das 1882 abgebrannte Stadttheater in Riga etc. 1854 trat B. aus dem russischen Staatsdienst aus, und im Herbst 1863 siedelte er nach Gotha über. Seitdem beteiligte er sich an vielen öffentlichen Konkurrenzen in Deutschland, so daß er auf der internationalen Kunstausstellung 1869 in München 12 Foliobände seiner Entwürfe ausstellen konnte. Dieselben zeugten von einer großen Leichtigkeit der architektonischen Erfindung wie von einer starken künstlerischen Kraft, die stets nach monumentalem Charakter strebt. Die Höhe seines Könnens trat bei der Konkurrenz für das Reichstagsgebäude in Berlin im Frühjahr 1872 zu Tage, wo B. für seinen Entwurf den ersten Preis erhielt. In der zweiten Konkurrenz (1882) vermochte er dagegen keinen Erfolg zu erzielen. Er erbaute ferner die Villa Borchard in Baden-Baden, die drei Verwaltungsgebäude der Feuerversicherungsbank, der Grundkreditbank und der Privatbank in Gotha. In Portugal wurde nach seinen Plänen die Kathedrale von Guimarães ausgeführt. Er starb 4. Jan. 1885 in Gotha. Eine Publikation seiner Entwürfe erschien Halle und Leipzig 1874–77. Auch war er Mitarbeiter an Durms „Handbuch der Architektur“.