Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Aspirātor“ in Meyers Konversations-Lexikon
Seite mit dem Stichwort „Aspirātor“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 1 (1885), Seite 949950
Mehr zum Thema bei
Wikisource-Logo
Wikisource: [[{{{Wikisource}}}]]
Wikipedia-Logo
Wikipedia: Aspirator
Wiktionary-Logo
Wiktionary:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Aspirātor. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 1, Seite 949–950. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Aspir%C4%81tor (Version vom 27.12.2022)

[949] Aspirātor, Apparat zur Erzeugung eines Luftstroms durch Saugen. Der einfachste A. besteht nach Brunner aus einer großen, am Boden mit einer seitlichen Öffnung versehenen Flasche, die mit Wasser gefüllt und oben mit einem Kork verschlossen wird, in welchem ein knieförmig gebogenes Glasrohr steckt. Fließt das Wasser unten ab, so tritt an dessen Stelle durch das knieförmige Rohr Luft in die Flasche;

Fig. 1.
Einfacher Aspirator.

wenn man aber mit dem Rohr Trocken- oder Abdampfapparate verbindet, so muß die Luft zunächst durch diese Apparate strömen. Die Füllung der entleerten Flasche umgeht man durch Anwendung von zwei Flaschen (Fig. 1), von denen jede mit einem dicht unter dem Kork endenden und einem bis auf den Boden der Flasche reichenden Knierohr versehen ist. Man stellt die eine Flasche höher als die andre, verbindet die beiden langen Röhren durch einen Kautschukschlauch und läßt die obere Flasche sich durch Heberwirkung in die untere entleeren. Vertauscht man rechtzeitig die Plätze der beiden Flaschen, so wirkt der A. ununterbrochen. Bequemer sind die Dreh- [950] oder Reversionsaspiratoren mit zwei in einem Gestell übereinander befindlichen und durch Röhren miteinander verbundenen Gefäßen, welche derartig um eine Achse drehbar sind, daß das untere Gefäß leicht zum obern und das obere zum untern gemacht werden kann. Nach Mohr bedient man sich einer in Wasser getauchten Glocke, welche durch Gewichte in die Höhe gezogen wird. Ein unter der Glocke mündendes Rohr führt die Luft zu, welche vorher durch beliebige Apparate geleitet werden kann. Der Tropfaspirator (Fig. 2) besteht aus

Fig. 3. Fig. 2.
Bunsens Wasserluftpumpe. Tropfaspirator.

einem ca. 2 cm weiten, in eine Spitze ausgezogenen Rohr a, welches unten in eine 3–4 mm weite Röhre f ausläuft. An diese wird das gleichweite Fallrohr angesetzt. In das obere Ende von a ist das mit f etwa gleichweite Zuflußrohr b eingeschmolzen oder mittels eines durchbohrten Korks luftdicht und derartig eingesetzt, daß seine Achse mit der von f möglichst zusammenfällt. Das Seitenrohr d dient zum Anfügen eines Apparats, aus welchem der Luftstrom in der Richtung von e in den A. tritt. Man läßt durch b Wasser einfließen und zwar so langsam, daß es in gesonderten Tropfen c in den engen Teil des äußern Rohrs tritt. Jeder Tropfen befördert nun eine Quantität Luft aus dem Apparat, und durch d wird um so kräftiger ein Luftstrom angesogen, je tiefer sich das am A. befestigte Fallrohr fortsetzt. Der Apparat verbraucht sehr wenig Wasser, zuletzt aber wirkt er sehr langsam, und wenn man in einem nicht absolut dicht schließenden Gefäß eine einigermaßen erhebliche Luftverdünnung herstellen will, so ist der Bunsensche A. (Wasserluftpumpe, Fig. 3) vorzuziehen. Dieser besteht aus zwei ineinander steckenden Glasröhren, von denen die innere e unten in eine feine Öffnung ausläuft, während die äußere c dieser Öffnung gegenüber einen kurzen, ca. 8 mm weiten Ansatz d und außerdem oben ein kurzes Zweigrohr w besitzt. An erstern wird das als Fallrohr dienende, 8 mm weite Bleirohr angefügt, welches, wenn eine möglichst schnelle und weitgehende Luftverdünnung erzielt werden soll, eine Höhe haben muß, welche die des Wasserbarometers erheblich übertrifft. Das seitliche Zweigrohr wird mit einem Wasserleitungshahn verbunden. Das innere Rohr e steht mit dem Manometer f und dem Gefäß h in Verbindung, an welch letzteres mittels des Gummischlauches gk der Apparat i angeschlossen wird, dessen Luft verdünnt werden soll.

Fig. 4.
Hagenbachs Wasserluft­pumpe.

Die Quetschhähne a und b dienen zur Regulierung des Wasserzuflusses. Besitzt das in den Apparat einströmende Wasser den richtigen Grad von Geschwindigkeit, so saugt es durch das von ihm umspülte Saugrohr Massen von Luft ein, so daß selbst große Gefäße schnell bis zum erreichbaren Maximum evakuiert werden. Bei zu schnellem Einfließen des Wassers kann leicht ein Teil desselben durch das Saugrohr zurücksteigen, zu dessen Aufnahme das Gefäß h bestimmt ist. Durch schnelles Abdrehen des Wasserhahns läßt sich das regelmäßige Spiel des Apparats sofort wiederherstellen. Hagenbachs Wasserluftpumpe (Fig. 4) besteht aus einem Rohr A, welches an die Wasserleitung angeschraubt wird. B ist das Abflußrohr, c das mit dem luftleer zu machenden Gefäß in Verbindung stehende Rohr. Die Ausflußöffnung bei n ist am besten kreuzförmig, wie die Figur zeigt. Ein derartiger Apparat mit 13 m langem Abflußrohr und unter 3 Atmosphären Druck einströmendem Wasser saugt bei freiem Zutritt der Luft 34 Lit. Wasser in der Minute, während ein Bunsenscher A. nur 2–3 L. saugt. Man benutzt die Aspiratoren nur bei Arbeiten im kleinern Maßstab. Im großen wendet man dagegen Exhaustoren oder Ventilatoren oder Strahlapparate an.