Allgemeines Deutsches Kommersbuch:326

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
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     5. Kunz von Kauffungen ohne die zween Rittern saß in der Wald=
schenk und trank einen Bittern.

     6. Kunz von Kauffungen ohne die zween Rittern fiel endlich selbst
ab — die Wände zittern!

     7. Kunz von Kauffungen mit zween Rittern lag unterm Tisch,
besiegt vom Bittern.

     8. Da erhob sich einer von den Rittern, saß in der Waldschenk
und trank einen Bittern.

     9. Kunz von Kauffungen mit einem Rittern schnarcht unterm Tisch,
daß die Wände zittern.

     10. Da erhob sich der andere von den Rittern, saß in der Wald=
schenk und trank einen Bittern.

     11. Kunz von Kauffungen ohne die zween Rittern schnarcht unterm
Tisch, daß die Wände zittern.

     12. Endlich erhob sich Kunz gleich den zween Rittern, saß in der
Waldschenk und trank einen Bittern.

     13. Kunz von Kauffungen mit zween Rittern ließ nach diesem
Vorfall die Pferde füttern.

     14. Kunz von Kauffungen mit seinen Rittern ritt nach Chemnitz
und trank einen Bittern.

     15. Da besoff sich einer von den Rittern, fiel untern Tisch, daß
die Wände zittern. ec. ec. Da capo in infinitum.

Eichrodt.



          728.     Die letzte Hose.

     Letzte Rose, wie magst du ec.

     1. Letzte Hose, die mich schmückte, fahre wohl, dein Amt ist aus;
ach, auch dich, die mich entzückte, schleppt ein andrer nun nach Haus!

     2. Selten hat an solchen Paares Anblick sich ein Aug erquickt!
Feinster Winterbuckskin war es, groß karriert und nie geflickt!

     3. Mit Gesang und vollen Flaschen grüßt ich einst in dir die
Welt; zum Hausschlüssel in der Taschen klang noch froh das bare Geld!

     4. Aber längst kam das Verhängnis, die Sechsbätzner zogen fort,
und das Brückenthorgefängnis ist ein dunkler, stiller Ort.

     5. Längst entschwand, was sonst versetzlich, Frack und Rock und
Mantels Pracht. Nun auch du, es ist entsetzlich! „Letzte Hose, gute
Nacht!!“

     6. Tag der Prüfung, o wie bänglich schlägt mein Herz und fühlt es
hell: Alles Irdsche ist vergänglich, und das Pfandrecht schreitet schnell!

     7. Nirgends winkt uns ein Erlöser, letzte Hose! Es muss sein!
Elkan Levi, dunkler böser Trödler, nimm sie, sie sei dein!

     8. Doch wenn auch ein Beinkleidloser, werd ich nie zum Sanscülott.
Ha! noch schützt ein faltger grosser Schlafrock vor der schwersten Not!

     9. Er auch wäre längst entschwunden; doch, o Glück, er ist zerfetzt.
Vor des Ellenbogens Wunden hat selbst Elkan sich entsetzt!

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     10. Stiefelfuchs, du alter treuer, komm und stütz mein Dulder=
haupt! Noch ein einzger Schoppen Neuer sei dem Trauernden erlaubt!

     11. Dann will ich zu Bett mich legen und nicht aufstehn, wenn’s
auch klopft, bis ein schwerer goldner Regen unverhofft durchs Dach
mir tropft.

     12. Zeuch denn hin, die ich beweine, grüß den Rock und’s Kamisol!
Weh, schon friert’s mich an die Beine! Letzte Hose, fahre wohl!

J. V. Scheffel. Um 1845.


          729.     Das Mädchen am See.

     Munter. (Brief eines Schlossergesellen.).


     1. Mädchen, du liegst mir im Sinn, und ich ar=bei=te in
Wien, o hol=des Mächen am See, du nur bist
mein=ne Freu=de! de!

     2. Wenn ich in ruhsamer Eil an einem Schlüsselloch feil, denk
ich: O Mädchen am See, du nur bist meine Freude!

     3. Mach nach französischer Art ich an den Schlüssel den Bart,
denk ich: O Mädchen am See, du nur bist meine Freude!

     4. Wenn ich festschlafend noch wach und denk der Sache so nach,
denk ich: O Mächen am See, du nur bist meine Freude!

     5. Bist du betrübsam vergnügt, wie es so manchmal sich fügt,
o so denk, Mädchen am See, auch an mich armen Bursche!

     6. Wenn du fest zweifelnd mir traust, auf meine Redlichkeit baust,
o so glaub, Mädchen am See, dir nur schlägt stets mein Herze!

     7. Und komm ich einstens nach Haus, so wird aus uns zwei was
draus, o holdes Mädchen am See, das versteht sich am Rande.

     8. Nun noch zum Schluß viele Grüß, Wiedersehen ist ja so süß,
Mädchen, hold Mädchen am See, das ist so klar wie Wichse.

     9. So schick in ängstlicher Ruh ich dir mein Briefchen jetzt zu.
Bald komm, o Mädchen am See, ich selbst in deine Arme.