Kurze Anleitung zu einer richtigen Kenntniß und Behandlung der Forte-Pianos/5

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V. Kapitel
Behandlung des Forte-Piano in Beziehung auf Wärme, Kälte etc., Material des Instruments etc.
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V.
Behandlung des Forte-Piano in Beziehung auf Wärme, Kälte etc., Material des Instruments etc.

Ueber diese Materie herrschen gewöhnlich sehr irrige Ansichten. Es wird darauf ankommen, die Natur des [44] Materials, aus dem ein Forte-Piano besteht, kennen zu lernen, dann werden sich die Regeln für die Behandlung sowohl, als das, was in dieser Hinsicht, und namentlich der Stimmung wegen erwartet werden darf, von selbst ergeben.

Ein Hauptbestandteil des Materials ist das Holz. Aus demselben ist der Kasten, der Resonanzboden, die Claviatur etc. gemacht. Im besten Falle ist dieses Holz nun gehörig ausgetrocknet. Aber auch selbst diesen Fall angenommen, ist das Holz eine Materie, die nicht nur den Wirkungen der Wärme und Kälte, sondern besonders auch der Trockenheit und Feuchtigkeit nicht zu widerstehen vermag. Es ist bekannt, daß die Wärme alle Körper, sie seyen von was sie wollen, – nur mehr oder weniger – ausdehnt, und daß die Kälte die entgegengesetzte Wirkung macht. Es ist ferner bekannt, daß die Trockenheit der Luft alle Körper, die aus Fasern bestehen (und das Holz besteht aus nichts anderm) ausmägert und dörrt, weil alle Wassertheilchen, die sich in solchen faserigten Körpern befinden, in der trockenen Luft nach und nach aufdunsten, wodurch sich die Fasern näher zusammen legen, der faserigte Körper also dünner oder schmäler wird (denn auf die Länge wirkt dies nicht). Bei zunehmender Feuchtigkeit der Luft, die auch das Holz durchdringt, weil es unendlich viele Poren hat, nehmen nun auch die Fasern die sich anhäufenden Wassertheile der Luft immer mehr in sich auf, wodurch sie dann anschwellen und der faserigte Körper an Dicke und Breite [45] zunehmen muß. In diesem Fall ist nun das Holz, wie gesagt, als ein solcher faserigter Körper, ganz besonders, und um so mehr, je weicher, je faserigter es ist; z. B. Tannenholz ändert sich mehr als Eichenholz. Nun ist aber diesen Veränderungen auch das allertrockenste Holz unterworfen, ja dieses bei feuchter Luft mehr als solches, das noch nicht ganz ausgetrocknet ist; nur mit dem Unterschiede, daß das ganz trockene Holz immer wieder, je nach Verschiedenheit der Luft, in seine vorige Lage und sein voriges Volumen zurückgeht, wo hingegen das noch nicht ganz trockene Holz bei Wärme und Trockenheit der Luft so lange schwindet, bis die Feuchtigkeit, die es noch von seinem lebendigen Zustande her in sich trägt, verdunstet, und keine andere mehr in ihm ist, als diejenige, die es in seinem todten, abgestorbenen Zustande von der in dasselbe eindringenden Luft in grösserer oder geringerer Quantität aufgenommen hat.

Was die Saiten betrifft, so sind solche entweder von Messing oder feinem Eisen (denn es giebt keine Stahlsaiten). Diese leiden zwar nicht viel von Feuchtigkeit oder Trockenheit, desto mehr aber von Wärme und Kälte. Eine Saite dehnt sich, wie alle Körper, in der Wärme aus, wird länger und somit schlaffer und tiefer im Tone. Die Kälte zieht sie zusammen, sie wird kürzer, daher straffer und stimmt höher. Daß der Baß eines Claviers hierunter besonders leidet, ist natürlich, weil der Einfluß der Temperatur auf die lange Saite weit mehr ausmacht, als auf [46] die kurze. Besonders aber die Messingsaiten, deren Material weicher ist, verändern sich, auch nur bei einem Temperatur-Unterschiede von 6–8 Graden, auffallend. Wenn das Clavier in einem Zimmer von 16 Grad Wärme gestimmt worden, es sinkt aber die Temperatur nur über Nacht auf 10 Grade herunter, so wird der Baß schon zu hoch stimmen, und so umgekehrt.

Aus diesen, in der Empfänglichkeit des Materials für die Einwirkungen der Luft liegenden Ursachen würden sich die Wirkungen leicht ableiten lassen, wenn die durch die Beschaffenheit der Luft bewirkten Ausdehnungen und Zusammenziehungen sich bei allen Theilen eines Claviers zu gleicher Zeit und in gleichem Grade äussern würden. Da dies nun aber nicht der Fall ist, da im Gegentheil dieselben oft einander entgegengesetzt sind, so läßt sich etwas Bestimmtes, eine gewisse Folge, hier nicht annehmen. Nur soviel ist in der Erfahrung gegründet, daß die Wärme die Stimmung sinken macht, wohingegen diese in der Kälte steigt; und daß besonders bei anhaltender Ofenwärme und Trockenheit des Zimmers dieses Sinken ganz auffallend wird, während bei der Sommerwärme doch meistens der Discant noch seine Höhe behält, ja manchmal sogar steigt. Ferner zeigt die Erfahrung, daß bei feuchter Wärme der Discant gerne fällt, und daß bei nasser, kalter Witterung gewöhnlich der Baß in die Höhe geht, sowie derselbe beim anbrechenden Frühjahr und eintretender gelinderer [47] Luft zu tief wird, ohne daß dies zugleich im Discante der Fall wäre, der im Gegentheile dann steigt.

Da eine Hauptbedingung eines guten Tones darin besteht, daß das Holz des Instruments die gehörige Trockenheit hat, indem es dann dem Schall günstiger ist, so möchte darinn die Ursache liegen, warum ein Forte-Piano bei trockener Luft besser klingt als bei feuchter, obschon die Fortpflanzung des Schalles bei leichterer (also mehr zum Regen geneigter) Luft leichter geschieht, als bei schwererer (wobei der Barometer sehr hoch steht).

Aus dem Gesagten ist nun leicht zu ermessen, wie weit man mit seinen Ansprüchen an ein Clavier in Hinsicht der Haltung der Stimmung gehen darf, und wie sehr diejenigen irren, die glauben, ein Clavier solle ganze Vierteljahre lang gut gestimmt bleiben. Dies hängt einzig von sehr beständiger, gleicher Witterung ab (von der Behandlung beim Spielen ist hier nicht die Rede, die kam oben vor). Es kann ein sehr gutes, dauerhaftes Clavier heute gestimmt werden, und in wenigen Tagen, ja vielleicht morgen, ist die reine Stimmung schon wieder verloren, weil sich inzwischen die Beschaffenheit der Luft gänzlich geändert hat. Man gebe hier ja dem Instrumente nicht Schuld, sondern suche diese in Natur-Ereignissen, welche niemand zu hindern vermag. Von schlechten, schwach gebauten und schwach bezogenen Clavieren, die überhaupt keine Stimmung halten, ist hier ohnedies nicht die Rede, sondern wie gesagt nur von solchen, bei denen jede Bedingung der Dauerhaftigkeit [48] erfüllt ist. Ein solches Clavier kann aber auch bei sehr beständiger, guter Luft, und sonst regelmässiger, schonender Behandlung, besonders wenn man es mit der Stimmung nicht so genau nimmt, des Stimmens ein ganzes Vierteljahr und noch länger entbehren.

Diesen störenden Einflüssen der Luft läßt sich mehr oder weniger, aber nie ganz, vorbeugen. In Hinsicht auf die Wärme und Kälte kann man annehmen, daß die dem Menschen zuträglichste Temperatur von 15–18 Graden Wärme auch für das Clavier am passendsten ist. Je gleicher diese Temperatur gehalten wird, je besser wird dies auch für das Instrument seyn; eine grössere Wärme, besonders fortdauernde, muß das Clavier zu sehr austrocknen und – man möchte sich wohl des Ausdruckes bedienen – zusammendörren. Daher gehen Claviere, auch wenn sie sonst sehr dauerhaft sind, in Zimmern, wo übermäßig geheitzt wird, bald zu Grunde, oder verlieren wenigstens ihren guten Ton; die Mechanik verliert ihre Präcision und klappert, und es ist von Glück zu sagen, wenn ein solches, zum Scherben gewordenes Instrument nicht an seinen Hauptfugen reißt. Man vermeide daher namentlich auch, das Clavier nahe an den Ofen zu stellen. – Die Kälte schadet weniger; sie verstimmt bloß, oder hat höchstens einige Stockungen zur Folge, denen bald abgeholfen ist.

Die Feuchtigkeit der Luft läßt sich schwer abhalten. Die Luft dringt fast überall durch und bringt ihre Bestandtheile mit. Durch Verschlossenhalten des Zimmers, [49] in welchem das Forte-Piano steht, ist zwar immer einiger Andrang der Feuchtigkeit, aber nicht aller, abgewehrt. Es ist daher auch die Zugluft, von der Manche für ihre Claviere fast mehr befürchten, als für ihre eigene Haut, nur in so ferne schädlich, als sie überhaupt schnell Kälte oder Feuchtigkeit in ein Zimmer bringt.

Anders ist es mit der Feuchtigkeit, die nicht in der äussern Luft, wohl aber in der Lage oder der Bauart eines Zimmers liegt. Diese kann grundverderblich für ein Clavier werden; sie kann so weit gehen, daß sie, wie sie andere Möbeln und sonstige, z. B. an nassen Wänden stehende Gegenstände ruinirt, faulen macht u. dgl., auch hier solche zerstörende Wirkungen hervorbringt, daß der Leim in den Fugen sich auflöst und diese dann weichen müssen. Man sehe daher ja darauf, daß der Stand des Claviers trocken und gesund sey, und wird man erst nachher Spuren von Feuchtigkeit an der Rückwand des Instruments gewahr, so ist es höchste Zeit, dasselbe anders zu stellen und weiterem Uebel vorzubeugen.

Daß ein Clavier Kindern nicht als Spielzeug preisgegeben werden soll, möchte denjenigen, die von dem Werth und der Würde der Tonkunst durchdrungen sind, und Interesse für ein gutes musikalisches Instrument haben, kaum gesagt werden dürfen. Was oben von Clavierschlägern gesagt worden, unter deren Händen das arme Instrument halb zu Grund gehen möchte, gilt fast noch in höherem Grade von Kindern. Diese schlagen mit dem [50] ganzen Arm – ja, sie fallen oft mit der Bewegung des ganzen Leibes auf die Tasten hinein, und wenn nicht Hammer und andere Theile der Mechanik zerschlagen werden, so sind es doch meistens Saiten in Anzahl, die entweder gesprungen oder so schlaff geschlagen sind, daß man sie durch neue ersetzen muß, – was man nach einer solchen Expedition von Kindern am Claviere findet. – Wie sehr schätzt nicht der Künstler auf der Violine, auf der Flöte oder irgend einem andern Tonwerkzeuge sein Instrument, wie sorgfältig wird es behandelt und gepflegt, damit doch ja demselben kein Schaden zugefügt werde! Warum sollte das Clavier, das zudem noch in der Regel eine zimliche Summe kostet, weniger Aufmerksamkeit verdienen! Warum sollte nicht jeder Besitzer es unrecht finden, dasselbe mit Büchern, Noten und andern Dingen zu beladen, ja wohl gar flüssige Sachen darauf zu stellen, die nicht selten umgestoßen werden, und in die Tastatur oder auf den Resonanzboden fliessen, und so zum Verderben des Instruments gereichen, im glücklichsten Fall aber wenigstens das Aeussere desselben verunehren?

Man lasse auch nichts auf den Resonanzboden fallen, keine Stecknadeln oder andere ähnliche Dinge. Sie verursachen ein Geräusch, auf dem vibrirenden Boden ein Schnarren, dessen Ursache man oft lange vergeblich nach spürt. Ebensosehr nehme man sich in Acht, solche Sachen oder Tropfen von Wachslichtern u. dgl. zwischen die Tasten [51] oder zwischen die Hämmer fallen zu lassen; sie führen in jedem Falle eine Stockung herbei.

Will man das Instrument ausstäuben, so suche man mit einem Plumeau oder einem weichen Pinsel den Staub auf Saiten und Resonanzboden, Dämpfung etc. zu lösen, und blase hernach mit einem reinlichen Blasebalg das Clavier sauber aus. Ein Abreiben der innern Theile mit einem Tuche ist nicht anzurathen, weil dadurch leicht Beschädigung angerichtet wird. Bei der äusserlichen Reinigung kann das Clavier wie jedes schöne Möbel behandelt werden.

Zur Erhaltung der Stimmung ist es nothwendig, daß das Clavier auch auf allen seinen Füßen satt aufstehe. Auch der festeste Körper biegt sich da, wo ein Fuß nicht aufsteht, etwas herab, wodurch die Saiten an jener Stelle stärker angespannt und diese alsdann zu hoch werden. Wenn auch gleich nachher die richtige feste Stellung des Claviers wieder hergestellt wird, so stellt sich deswegen doch nicht immer die richtige Stimmung wieder her. Ein öfteres Hin- und Herstellen des Claviers vermeide man daher so viel als möglich, wenn die Stimmung erhalten werden soll, außer man lasse auch nachher der Stimmung wieder nachhelfen, wenn sie dadurch etwas gelitten haben sollte.