Textdaten
<<< >>>
Autor: Dr. –dt.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Kohlenvorrat der Erde
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 13, S. 420
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[420] Kohlenvorrat der Erde. Die Kohlenvorräte der einzelnen, Kohlen produzierenden Länder hat man schon mehrfach zu schätzen versucht; unter anderem sind in neuester Zeit namentlich die auf ganz eingehenden Berechnungen fußenden Schätzungen der Kohlen Deutschlands und Englands durch den Geheimen Oberbergrat Nasse hervorzuheben. Auf originelle Art hat aber im vergangenen Jahre Lord Kelvin den Kohlenvorrat, den die gesamte Erde birgt, berechnet.

Er geht davon aus, daß sämtliche Kohle, was man ja als ganz sicher annehmen darf, pflanzlichen Ursprungs ist. Als die Erde sich nun noch in einer der frühesten Stufen ihrer Entwicklung befand, bestand die dieselbe umhüllende Atmosphäre fast ganz aus Kohlensäure, und erst infolge des Auftretens der Vegetation bildete sich Sauerstoff, der durch die Zersetzung der Kohlensäure und des Wassers durch die Pflanzen mit Hilfe des Sonnenlichtes entstand. Es kann daher nicht mehr Kohle in der Erde vorhanden sein, als dem in der Atmosphäre enthaltenen Sauerstoff und der Verbindung der Kohle mit diesem zu Kohlensäure entspricht. Nun kommen auf 1 qm Erdoberfläche, da der Luftdruck 1 kg für den Quadratcentimeter beträgt, 10 000 kg (1 qm hat 100x100 = 10 000 qcm), das sind 10 Tonnen Luft, die also zufolge dem Verhältnis ihrer Zusammensetzung 2 t Sauerstoff enthalten. Wollte man nun diese 2 t zur Herstellung von Kohlensäure verwenden, so würden dazu ⅔ t Kohlenstoff erforderlich sein, folglich sind auf jedem Quadratmeter Erdoberfläche etwa ⅔ t Kohlen vorhanden.

Die ganze Erdoberfläche ist nun 510 Billionen = 510 Millionen mal Millionen Quadratmeter groß, folglich befinden sich in der Erde 2/3 X 510 = 340 Billionen Tonnen Kohle. Davon würden auf England und Schottland, ohne Irland, mit zusammen 229 661 Millionen Quadratmeter Oberfläche etwa 153 108 Millionen Tonnen kommen, auf Deutschland mit 540 596 Millionen Quadratmeter Oberfläche etwa 420 398 Millionen Tonnen. Nach dem jetzigen Stand der Kohlenförderung in beiden Staaten (England etwa 200 Millionen, Deutschland 150 Millionen Tonnen im Jahr) berechnet, würden also die Kohlenvorräte reichen für England etwa 700 Jahre, für Deutschland etwa 2800 Jahre, und da der Kohlenverbrauch der ganzen Welt zur Zeit, ganz hoch berechnet, gegen 800 Millionen Tonnen beträgt, so würde, selbst einen Verbrauch von 1000 Millionen Tonnen fürs Jahr angenommen, der gesamte Kohlenvorrat der Erde etwa 340 000 Jahre vorhalten. Zur Beunruhigung darüber, daß die Kohlenlager in absehbarer Zeit erschöpft werden könnten, liegt hiernach keine Veranlassung vor, selbst wenn man zugiebt, daß nicht alle in der Erde aufgespeicherte Kohle für Industriezwecke verwendbar ist. Dr. –dt.