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Textdaten
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Autor: Karl Ruß
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Titel: Keine verfälschte Chocolade mehr!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 672
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[672] Keine verfälschte Chocolade mehr! In wahrhaft beunruhigender Weise nimmt die Verfälschung der Lebensmittel immer mehr überhand. So sehr diese Erscheinung unserer Zeit zur Beschämung gereichen muß, so sehr sie unsere Gesundheit, unser Leben gefährdet, so erfreuend und beglückend erscheint aber auch das Gefühl, welches die Einsicht in uns erregt, daß die prüfende Chemie diesen Schwindel Schritt für Schritt verfolgt und ihn nicht allein aufzudecken sucht, sondern auch der Allgemeinheit die Mittel zu verschaffen strebt, daß sie selbst zu prüfen und selbst sich zu wahren vermöge.

Ein jeder von diesen, wo möglich ebenso leicht ausführbaren, als zuverlässigen Prüfungswegen verdient aber zweifellos die allgemeinste Beachtung, zumal wenn er uns dazu verhilft, einen der wichtigsten, unentbehrlichen Nahrungsstoffe in seinen Verfälschungen zu erkennen. Zu den längst in fast allen Bevölkerungschichten unentbehrlich gewordenen Nahrungsmitteln gehört die Chocolade, und es war daher um so mehr zu bedauern, in welcher erschreckend mannigfaltigen und großartigen Weise gerade ihre Verfälschung in letzterer Zeit betrieben wird. Es gab oder giebt vielmehr gar nicht selten im Verkauf Chocoladesorten, welche von wirklicher Cacaomasse gar keine Spur enthalten.

Um so erfreulicher ist es daher, daß der Chemiker Reinsch ein Verfahren mitgetheilt hat, mit Hülfe dessen man jede Verfälschung der Chocolade leicht und sicher erkennen kann, und das zugleich so einfach ist, daß jede Hausfrau es selbst anzustellen vermag. In einem sauberen Töpfchen wird ein Theil der fraglichen Chocolade mit zehn Theilen Wassers zum Kochen erhitzt; die Brühe läßt man erkalten und seiht sie durch reines, über einem Trichter aufgespanntes Löschpapier. Hier bleibt die Masse der Chocolade zurück und es zeigen sich folgende Merkmale: Von reiner, unverfälschter Chocolade läuft das Wasser ziemlich schnell ab, erscheint klar, hellroth und schmeckt angenehm süß nach Cacao; die aus dem Löschpapier zurückgebliebene Masse muß nach dem Trocknen als ein leichtes, röthlich-braunes, nicht zusammenbackendes Pulver zurückbleiben. Von verfälschter Chocolade tropft die Flüssigkeit nur langsam ab, ist trübe, schmutzig-gelb, von widerlich süßem Geschmack; die auf dem Löschpapier zurückgebliebene Masse bildet einen zähen Kleister, der desto zäher, je schlechter die Chocolade ist, der nur sehr langsam austrocknet und der als zusammenklebende Masse erscheint.

Ueber die fast zahllosen Verfälschungen der Chocolade wolle man in meiner „Waarenkunde für die Frauenwelt I.“ nachlesen, um auch für etwaige noch andere Erscheinungen bei dieser Probe ein Verständniß zu finden.

Karl Ruß.