Karoline Christiane Louise Rudolphi (Schindel)

Textdaten
Autor: August von Schindel
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Titel: Karoline Christiane Louise Rudolphi
Untertitel:
aus: Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil, M-Z,
Nachträge aus dem Dritten Theil
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1825
Verlag: F. A. Brockhaus
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Digitalisat auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[228] † Rudolphi (Karoline Christiane Louise), geb. 1754. Sie verlebte ihre frühern Jahre in Berlin, trat dann bei der Familie von Röpert auf Trellenhagen im Mecklenburgischen in die Verhältnisse einer Gouvernante, und stiftete dann eine Erziehungsanstalt in Hamm bei Hamburg, der sie lange Zeit, allgemein geachtet, vorstand. Ein reiner Gewinn war ihr hier die Freundschaft und innige Achtung des großen deutschen Sängers Klopstock, der sie, als er noch ein rüstiger Ritter war, gewöhnlich einen Morgen um den andern auf seinem Spazierritt zu besuchen und sich da ungemein wohl zu fühlen pflegte, wenn die lebendigen Blumen [229] des Instituts ihm frische Blumenkränze brachten. Im Jahr 1803 verlegte sie diese Erziehungsanstalt nach Heidelberg, wo sie durch ihre rühmliche Leitung und das achtungsvolle Vertrauen, das man der Vorsteherin schenkte, immer mehr an Umfang gewann. Sie starb am 15. April 1811 und liegt auf dem Friedhofe der lutherischen Kirche bei Heidelberg begraben, unfern ihrer würdigen Geistesschwester Sophie Brentano. – Karoline Rudolphi verlebte ihre Kindheit etwas unter dem Drucke, worauf sie auch in ihren Briefen über die weibliche Erziehung anspielt, und ihre ganze Jugend hindurch war sie fast auf sich und auf Gott hingeworfen. So bildete sie sich selbst, festhaltend an der ewigen Güte, und ihr Glaube an die Vorsehung, deren Wohlthaten sie täglich mehr empfand, wurde unerschütterlich. Die Bibel war das Buch, das sie vorzüglich in ihrem Mädchenalter las, und ihr Religionsunterricht führte sie in das Christenthum so ein, daß es die Religion ihres Herzens wurde; auch als sie ihr heller Verstand in die unmittelbarste Verbindung mit einer Literatur setzte, die oft den Angriff gegen das Positive der Religion begann, war sie unerschütterlich in ihrer Überzeugung, und mit Recht wurden Klopstock und Claudius ihre Freunde. Ihr Glaube an menschliche Güte war, wie der verehrte Kirchenrath D. Schwarz in der Vorrede zu ihrem Werke über weibliche Erziehung sagt, nichts anders, als ihre unüberwindliche Menschenliebe, die weder durch ihren krankhaften Körper, noch durch die oft von Kindheit auf erfahrnen Übel, noch selbst durch die mancherlei unangenehmen Erfahrungen ihres Berufs gestört wurde. Sie war eine musterhafte [230] Erzieherin, und ihre Anstalt genoß einer allgemeinen Achtung; sie bildete ihre weiblichen Zöglinge nicht blos und lediglich für den Hausdienst, oder für die Gesellschaft oder den sogenannten feinen Lebenston, nein, sie erzog sie für das ganze Leben und eröffnete den Quell in Geist und Gemüth zu einer liebevollen und verständigen Erfüllung alles dessen, was die weibliche Bestimmung, in religiöser und weltbürgerlicher Hinsicht, von dem Weibe fordert. Hauswirthschaft und mütterliche Pflege, Treue im Großen wie im Kleinsten, Zartgefühl und Kraft, Sinn und Verstand den Kreis der Gesellschaft zu erfreuen, die Gabe das Rechte zu treffen, die Geschicklichkeit es gut und geräuschlos auszuführen, stille Wohlthätigkeit, bescheidene Wirksamkeit mit allen Kenntnissen und Kunstfertigkeiten der weiblichen Bildung, und in allem ein edler Sinn, der in dem irdischen Thun nicht das himmlische Seyn untergehen läßt, und wobei sich das Gemüth frei und fest über dem bunten Wesen alles weltlichen Treibens erhält: – das zeichnete diejenigen aus, welche aus ihrer Hand kamen und ihrer Führung bis zum bestimmten Ziele überlassen blieben; dafür danken ihr noch manche Ältern, Jungfrauen, Gatten und Mütter. So bleibt ihre Erziehungsthätigkeit auf Geschlechter hinaus gesegnet. – Ganz besonders blüht ihr ein unverwelklicher Kranz in einer ihrer frühern Pflegetöchter, welche als ihre treue Gehülfin durch ihre Geschicklichkeit und Milde wohlthätig mitwirkte, und nach ihrem Tode das von ihr begründete Institut in Heidelberg mit eben so viel mütterlichem als kindlichem Geist schön und glücklich fortführte. In ihrem mehr erwähnten [231] Werke erscheint der Geist der Erziehung, wie er in ihr lebte, die Bildung von innen heraus zur Entfaltung der Seelenschönheit und Lebensweisheit; und es ist daher ein herrliches Geschenk für die mütterliche Erziehung. Dabei war sie eine innige Freundin der Schönheiten der Natur. In ihrem eigenen Garten wandelte sie unter ihren Blumen, wie unter ihren Mädchen, und unter diessen befand sie sich in ihrem Zimmer, wie unter ihren Blumen. Geschmackvoll war ihre Wohnung verziert, auch im Winter blühete und duftete ein Frühling. Ringsumher sah man in den Bildern und in den einfachen Geräthschaften die reinsten Formen: da saßen die Jungfrauen in ihrer stillen Beschäftigung; zuweilen flochten sie Kränze zu einem häuslichen Feste, schöner aber konnte keins gefeiert werden, als der Weihnachtsabend, wenn sich alle mit ihren niedlichen Gaben, meist Arbeiten ihrer Hände, überraschten.

Wer Zutritt in dieses Haus hatte, fand sich geehrt, und gebildete Männer und Frauen genossen dort angenehme Stunden in froher Unterhaltung und Gespräch, während doch die Pflegetöchter der in allem leicht waltenden Hausmutter nicht aus ihrem kindlichen Kreise herausgezogen wurden. Oft las auch die edle Freundin etwas diesem Kreise aus alten und neuen Schriften vor, nie aber etwas anders, als was dem jungfräulichen Alter durch Reinheit und Vollendung entsprach. Bei den kleinen Wanderungen wurde im Freien der schöne Morgen oder Abend auf solche Art, z. B. auch durch eine Klopstocksche Frühlingsode geheiligt. In ihren freien Stunden, wo sie sich auf ihr liebliches Zimmer zurückzog, [232] das mitten in den Garten Gottes hinausschaute, dichtete sie selbst, schrieb gemüthliche Briefe, und da arbeitete sie auch ihr Gemälde der Erziehung aus; und so floß die Poesie ihres Lebens in diese schönen Bilder ein. Denn auch ihre Gedichte zeichnen sich durch Richtigkeit nicht nur im Denken und Sprechen, sondern auch durch Schönheit und Reichthum in Gedanken, Worten und Bildern, hin und wieder durch einen kühnen glücklichen Schwung, leichte Wendungen, eine blühende Phantasie und eine überall hervorleuchtende Gemüthlichkeit aus. – Herr Kirchenrath Schwarz hat der Verewigten in der Einleitung zu ihrem Gemälde der Erziehung ein sehr schönes Denkmal gestiftet, und der Verf. hat aus derselben in diesem Artikel das Hauptsächlichste wörtlich entlehnt, und hofft deshalb Entschuldigung, je mehr er es bedauert, daß seine Wünsche und auf gewisse Zusicherungen gegründeten Hoffnungen, über die frühere Lebensgeschichte dieser als Erzieherin und Dichterin gleich Liebenswürdigen ihres Geschlechts etwas mitgetheilt zu erhalten, unerfüllt blieben; gewiß sind zwei Stellen in ihrem Erziehungswerke ganz Schilderung ihres hohen Sinnes, Bd. 2. S. 131: „Entschiedener kann wohl niemand in seinem gewählten Lebensberufe den Ruf des Himmels empfinden, als deine Freundin.“ – und der Schlußgedanke ihres Werks: „Wer auch nur in Einer Seele das Göttliche hervorgerufen und zu Leben und That entzündet hat, dessen Verschwinden aus den blühenden Auen des Lebens ist kein wirkliches Sterben, und was er der Erde läßt, ist mehr als sie ihm geben oder vergelten konnten.“ [233] Ein ahnendes Vorgefühl von ihrem Verschwinden und Fortwirken auf Erden.

§. §. Gedichte, mit einigen Melodien von Reichard. Berlin. 1781. 8. (1 Thlr. 4 G.) – 2te Aufl. Wolfenbüttel. 1787. 8. – 2te Sammlung nebst einigen Melodien, herausg. von F. G. Campe. Braunschweig. 1788. 8.

Neue Sammlung von Gedichten. Leipz. 1796. 8. (1 Thlr. 4. Gr. Velinp. 1 Thlr. 16 Gr.)

Gedichte. Berlin 1798. 8. (16 Gr.)

Sämmtliche Gedichte m. 1 Kpfr. u. Vign. Wien u. Prag. 1805. 8. Nachdruck.

Gemälde weiblicher Erziehung. 2 Thle. m. Kpfrn. Heidelb. 1807. 8. (Druckp. 3 Thlr. Schreibp. 3. Thlr. 20 Gr. Velinp. 4 Thlr. 12 Gr.) – 2te Aufl. mit einer Vorrede des Kirchenraths Schwarz. Ebend. 1815. 8. (3 Thlr. Velinp. 6 Thlr.) Auch in Holländische übersetzt. – Desgleichen ins Schwedische. 1813. 8.

Beiträge in periodischen Schriften.

Gedichte: In Voß u. Göckingk’s Musen-Alman. a. Jahr 1782. S. 145. Brautlied der Emma gesungen. S. 179. An Minna. – 1783. S. 146. Die Geduld. – 1787. S. 202. Abschied von der Hütte. S. 218. Lied am Morgen.
In d. Kleinen Kinder-Bibliothek von Campe (Hamb. u. Braunschw. 1784. 2 Bde.) und der Neuen Kinder-Bibliothek Gedichte, die auch in das Oldenburger Gesangbuch aufgenommen sind, Nr. 227. 262. 312 u. 430; ingleichen in dem Stollberger von Reisig und vom Alpen das Morgenlied: Vater, also leb’ ich wieder.
In A. Schreiber’s Heidelberger Taschenb. a. J. 1811. (Mannheim.)
In Wieland’s neuem deutschen Merkur a. J. 1795. St. 11. S. 273–281. Proben aus einer noch nicht gedruckten Sammlung von Gedichten. Feier meiner Erholungsstunden.

[234] Im Taschenb. d. Liebe u. Freundschaft a. J. 1806. S. 216. Ruhe, ein Ged.

In H. Ziegenbein’s Religion den besten Liedern deutscher Dichter. Götting. 1810. 8. Ged.

Vergl. Deutsche Schriftst. S. 77. – Meusel VI. 469. X. 521. XI. 653. XV. 229. XVI. 373. – Raßmann’s deutsch. Dichternekrolog. S. 160 – Schwarz Vorrede zu ihrem Gem. d. weibl. Erziehung. – G. L. Richter Lexik. geistl. Liederdichter S. 315.


Nachträge:

[233] † Rudolphi (S. 228.) (Char. Chr. Louise).

§. §. In Schreiber's Taschenbuch. (Heidelberg.) 1812. Die Rosen im October, an Klopstock. Gedicht.

Vergl. auch (A. F. Geisler's) Schattenrisse edler deutscher Frauenzimmer. (5tes Heft. Halle. 1784) S. 193-210.