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Textdaten
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Autor: Wilhelm Henzen
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Titel: König Roger
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aus: Die Gartenlaube, Heft 34, S. 563
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[563]
König Roger.

Als König Roger, der Normann, noch jüngst vertrieben von Lothar,
Sein altes Reich zurückgewann, gestützt auf eine tapfre Schaar,
Da zog er stolz mit seinem Heer und triumphirend über’s Land,
Bis er zuletzt in voller Wehr dem Städtchen Troja nahe stand.
Es ward von eis’gem Schreck gerührt die schuldbewußte Bürgerschaft,
Weil gegen ihn in’s Feld geführt die Stadt gehässig Muth und Kraft,
Und weil sie einst mit Rainulf sich, mit Roger’s Feind, verbündete,
Dem hier, wo jählings er verblich, ein Grabgewölb sich ründete.
Deßwegen wider Roger’s Zorn ward eine Schaar hinausgesandt,
Zu flehen um der Gnade Born und abzuwehren Mord und Brand.

Der König ließ die Botschaft vor; da fluchte sie dem alten Bund
Und zeigt’ ihm das bekränzte Thor, verzagt und winselnd wie ein Hund.
Doch Roger sprach hinweggekehrt: „Nicht lieben kann ich diese Stadt,
Die meinen ärgsten Feind geehrt und Lorbeern ihm gewunden hat.“
Und würdevoll entlassen, schleicht die Schaar zurück in Scham und Schmerz
Und kündet laut, daß unerweicht geblieben König Roger’s Herz.

Kaum hat das Volk sein Loos gehört, so tobt es wild Straß’ auf, Straß’ ab,
Das Schlimmste fürchtend, sinnverstört und wälzt sich hin vor Rainulf’s Grab.

Die Gruft, die kaum die Leiche barg, wird aufgestoßen mit Gewalt
Und fluchend zerrt man aus dem Sarg des Helden friedliche Gestalt.
„Es gilt des neuen Königs Huld, die unsre Stadt im Krieg verlor;
Dem danken wir’s; der trägt die Schuld. Auf, stürzt den Schurken über’s Thor!“
Die blinde Wuth vollführt den Plan, und eine zweite Botschaft eilt
Zu König Roger’s Heer, im Wahn, jetzt sei der böse Riß geheilt.
Man fragt ihn keck und hoffnungsvoll, ob er die That der Treue sah
Und einziehn werde sonder Groll – da nickt der Fürst ein schweigend: „Ja!“

Dies Wort erfährt die Stadt im Flug; bald herrscht Frohlocken überall;
In Prachtgewanden strömt ein Zug zur Mauer mit Drommetenschall –
Da spaltet sich das Eisenthor, und langsam, langsam zieht herein
Ein schwermuthvoller Priesterchor mit Kerzenglanz und Litanein.
Zu beiden Seiten staunend schaart verstummend sich das Volksgewühl:
Denn heldenmäßig aufgebahrt, auf schwarzem Tuch und sammtnem Pfühl,
In seidnem Fürstenpomp erscheint der ausgegrab’ne Rainulf jetzt
Und wird von seinem ärgsten Feind, von König Roger, beigesetzt.
Zur Kirche geht der fromme Held; die Menge folgt mit stumpfem Sinn;
Die Bahre wird in’s Grab gestellt, und betend kniet der König hin.
Er denkt des menschlichen Geschicks und lauscht der Priester ernstem Chor
Und würdigt jene keines Blicks und zieht hinaus zum andern Thor.

Wilhelm Henzen.