Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Jungfer Eli
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 1, S. 184-187
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1816
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
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Bearbeitungsstand
fertig
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[184]
121.
Jungfer Eli.
Mündlich, aus dem Münsterland.

Vor hundert und mehr Jahren lebte in dem münsterischen Stift Frekenhorst eine Abtissin, eine sehr fromme [185] Frau, bei dieser diente eine Haushälterin, Jungfer Eli genannt, die war bös und geitzig und wenn arme Leute kamen, ein Allmosen zu bitten, trieb sie sie mit einer Peitsche fort und band die kleine Glocke vor der Thüre fest, daß die Armen nicht läuten konnten. Endlich ward Jungfer Eli todtkrank, man rief den Pfarrer, sie zum Tode vorzubereiten und als der durch der Abtissin Baumgarten ging, sah er Jungfer Eli in ihrem grünen Hütchen mit weißen Federn auf dem Apfelbaum sitzen, wie er aber ins Haus kam, lag sie auch wieder in ihrem Bette und war böse und gottlos, wie immer, wollte nichts von Besserung hören, sondern drehte sich um nach der Wand, wenn ihr der Pfarrer zureden wollte und so verschied sie. Sobald sie die Augen schloß, zersprang die Glocke und bald darauf fing sie an, in der Abtei zu spuken. Als eines Tags die Mägde in der Küche saßen und Vizebohnen schnitten, fuhr sie mit Gebraus zwischen ihnen her, gerade wie sie sonst leibte und lebte und rief: „schniet ju nich in de Finger, schniet ju nich in de Finger!“ und gingen die Mägde zur Milch, so saß Jungfer Eli auf dem Stege und wollte sie nicht vorbeilassen, wenn sie aber riefen: „in Gottes Namen gah wi derher“ mußte sie weichen und dann lief sie hinterher, zeigte ihnen eine schöne Torte und sprach: „Tart! Tart!“ wollten sie die nun nicht nehmen, so warf sie die Torte mit höllischem Gelächter auf die Erde und da wars ein Kuhfladen. Auch die Knechte sahen sie, wenn sie Holz haueten, da flog sie immer [186] von einem Baumzweig im Wald zum andern. Nachts polterte sie im Hause herum, warf Töpfe und Schüsseln durcheinander und störte die Leute aus dem Schlaf. Endlich erschien sie auch der Abtissin selbst auf dem Wege nach Warendorf, hielt die Pferde an und wollte in den Wagen hinein, die Abtissin aber sprach: „ich hab nichts zu schaffen mit dir, hast du Uebel gethan, so ists nicht mein Wille gewesen,“ Jungfer Eli wollte sich aber nicht abweisen lassen. Da warf die Abtissin einen Handschuh aus dem Wagen und befahl ihr, den wieder aufzuheben und während sie sich bückte, trieb die Abtissin den Fuhrmann an und sprach: „fahr zu, so schnell du kannst und wenn auch die Pferde drüber zu Grunde gehen.“ So jagte der Fuhrmann und sie kamen glücklich nach Warendorf. Die Abtissin endlich, des vielen Lärmens überdrüssig, berief alle Geistliche der ganzen Gegend, die sollten Jungfer Eli verbannen. Die Geistlichen versammelten sich auf dem Herren-Chor und fingen an, das Gespenst zu citiren, allein sie wollte nicht erscheinen und eine Stimme rief: „he kickt, he kickt!“ Da sprach die Geistlichkeit: „hier muß jemand in der Kirche verborgen seyn, der zulauscht;“ suchten und fanden einen kleinen Knaben, der sich aus Neugierde drin versteckt hatte. Sobald der Knabe hinausgejagt war, erschien Jungfer Eli und ward in die Davert verbannt. Die Davert ist aber ein Wald im Münsterschen, wo Geister umgehen und wohin alle Gespenster verwiesen werden. Alle Jahr einmal fahrt nun noch, wie die Sage geht, Jungfer [187] Eli über die Abtei zu Fleckenhorst mit schrecklichem Gebraus und schlägt einige Fensterscheiben ein oder dergleichen und alle vier Hochzeiten kommt sie wieder einen Hahnenschritt näher.