Jenny Lind (Die Gartenlaube 1887/48)

Textdaten
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Titel: Jenny Lind
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aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 804
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[804] Jenny Lind, welche am 2. November in London gestorben ist, war wohl die gefeiertste Sängerin der neueren Zeit. Mit welcher Schwärmerei wurde die schwedische Nachtigall begrüßt; Jahrzehnte hindurch, nachdem schon ihre Glanzzeit längst vorüber war, brachten die Blätter noch Nachrichten über sie, Bulletins über ihr Befinden. Die letzteren lauteten zuletzt ungünstig, bis die Kunde von ihrem Tode eintraf. Jenny Lind, am 6. Oktober 1820 zu Stockholm geboren, war schon früh am dortigen Theater engagirt, studirte dann in Paris bei Garcia; ihr Ruf wurde erst seit ihrem Berliner Aufenthalt 1844 ein europäischer. Die nächsten Jahre waren ihre Glanzepoche: da sang sie bei den Festen am Rhein, vor dem König von Preußen und der Königin von England, dann in London und Wien. In der ersteren Stadt trat sie im Mai 1849 zum letzten Male auf der Bühne auf. Man mochte dies um so mehr bedauern, als ihre dramatische Darstellung einen großen Zug hatte und keineswegs hinter ihrem Gesang zurückstand. Seitdem bereiste sie als Koncertsängerin Amerika, wo sie sich mit dem Pianisten Otto Goldschmidt verheirathet hatte. Später lebte sie in Dresden, dann in London, wo sie nur selten in Koncerten auftrat.

Man kann den Triumphzug der jugendlichen Jenny Lind nur mit demjenigen des jugendlichen Franz Liszt vergleichen, was den Enthusiasmus betrifft, den er hervorrief. Keine spätere Sängerin, kein späterer Klavierspieler hatte gleiche Erfolge zu verzeichnen. Die vormärzliche Kunstbegeisterung nahm das ungetheilte Interesse des deutschen Volkes in Anspruch. Seitdem hat die „Hexe Politik“ dasselbe in erster Linie in ihre Kreise gezogen, so daß der Kunst nur eine zweite Stelle bleibt. Der Tod der Jenny Lind brachte uns dies wieder in lebhafte Erinnerung: es giebt ja auch jetzt hervorragende und berühmte Sängerinnen, aber „Phänomene“, wie in vormärzlicher Zeit, giebt es nicht mehr, trotz alles Zeitungslärms: dazu gehört eben der alleinseligmachende Glaube einer nur für die Kunst schwärmenden Zeit. Auch haben sich neuerdings zu viele Sterne als Sternschnuppen erwiesen.