In ihrem Schooße

Textdaten
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Autor: Wilhelm Hertz
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Titel: In ihrem Schooße
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aus: Gedichte, S. 58f.
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Hoffmann und Campe
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Erscheinungsort: Hamburg
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Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[58]
In ihrem Schooße.

Dir im Schooße ruhte mein Haupt, mit schmiegenden Armen
     Decktest du Wangen und Haar schmeichlerisch kosend mir zu;
Ueber dir nickte in blauender Luft die rankende Rose,
     Drüben am Berge sank eben die Sonne hinab.

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Ihrem Strahle folgte dein Blick, zum träumenden Auge

     Schaute vom athmenden Schooß trunkenen Sinnes ich auf.
Wechselnd neigte die blendende Brust mit weicher Berührung
     Meiner brennenden Stirn leise und kühlend sich zu.
Deines Nackens schmiegsame Beugung schimmert’ im Lichte,

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     Und ob all der Pracht blühte das lächelnde Haupt.

Erd’ und Himmel spiegelte mir dein seliges Auge,
     Schwindelnd blickt’ ich hinein, schwindelnd verlor sich der Blick.

[59]

Drüben am Baum durchspielte der Wind die hangende Laute,
Meinem Herzen gieng sehnendes Träumen vorbei.

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Immer strahlender wurde dein Blick, und herrlicher hob sich

Aus dem dunkelnden Grund hell die verklärte Gestalt.
Keine Sterbliche lächelt so süß, so hielt nur auf Latmos
Cynthias keuscher Arm ihren Geliebten im Schooß.
Bang erstöhnte mein Herz, als käme der silberne Wagen,

20
Welcher den göttlichen Leib leis in die Lüfte entführt.

Süß geängstigt umschlang ich dir da die schwellenden Hüften,
Und es bog sich dein Haupt lieblich erröthend herab.
Meine Augen decktest du mir mit schelmischen Händen,
Aber es sog sich dein Mund sanft an dem meinigen fest.

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Armer Endymion! dir ward nur ein göttliches Traumbild,

Mein ist ein lebender Leid, blühend in Göttergestalt!