Im Grünen zu singen (I–III)

(Weitergeleitet von Im Grünen zu singen (I-III))
Textdaten
<<< >>>
Autor: Hugo von Hofmannsthal
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Im Grünen zu singen
Untertitel:
aus: Gedichte, S. 32-33
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1899–1900
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Insel Verlag
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld und Commons
Kurzbeschreibung:
Erstveröffentlichung als Drei kleine Lieder in „Jugend“, 1900 (als Nr. II noch Das Wort, 1907 ersetzt durch die jetzige Nr. II, erstveröffentlicht als Im Grünen zu singen in „Die Insel“, Oktober 1899). Seit 1911 wird die ganze Gruppe als Im Grünen zu singen veröffentlicht, teilweise aber auch weiterhin mit Drei kleine Lieder betitelt.
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[32]
IM GRÜNEN ZU SINGEN


 I
Hörtest du denn nicht hinein,
Daß Musik das Haus umschlich?
Nacht war schwer und ohne Schein,
Doch der sanft auf hartem Stein

5
Lag und spielte, das war ich.


Was ich konnte, sprach ich aus:
»Liebste du, mein Alles du!«
Östlich brach ein Licht heraus,
Schwerer Tag trieb mich nach Haus,

10
Und mein Mund ist wieder zu.


 II
War der Himmel trüb und schwer,
Waren einsam wir so sehr,
Voneinander abgeschnitten!
Aber das ist nun nicht mehr:

15
Lüfte fließen hin und her;

Und die ganze Welt inmitten
Glänzt, als ob sie gläsern wär.

Sterne kamen aufgegangen,
Flimmern mein- und deinen Wangen,

20
Und sie wissens auch:

Stark und stärker wird ihr Prangen;
Und wir atmen mit Verlangen,
Liegen selig wie gefangen,
Spüren eins des andern Hauch.

[33]
 III
25
Die Liebste sprach: »Ich halt dich nicht,

Du hast mir nichts geschworn.
Die Menschen soll man halten nicht,
Sind nicht zur Treu geborn.

Zieh deine Straßen hin, mein Freund,

30
Beschau dir Land um Land,

In vielen Betten ruh dich aus,
Viel Frauen nimm bei der Hand.

Wo dir der Wein zu sauer ist,
Da trink du Malvasier,

35
Und wenn mein Mund dir süßer ist,

So komm nur wieder zu mir!«