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Titel: Im Eggenthal bei Bozen
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aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 563
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[561]
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Die Eggenthaler Straße mit Burg Karneid.
Nach einer Originalzeichnung von M. Zeno Diemer.

[563] Im Eggenthal bei Bozen. (Zu dem Bilde S. 561.) Einer der erquicklichsten Ausflüge, die man in heißen Sommertagen von Bozen aus machen kann, ist der ins Eggenthal. Kaum eine Stunde Wegs von diesem vielgepriesenen Rast- und Erholungsort der Alpenwelt Südtirols entfernt, liegt links von Eisak und der vom Brenner herkommenden Eisenbahn das Dorf Kardaun, hochüberragt von der steilen Höhe, welche das alte, doch noch heute bewohnte Schloß Karneid trägt. Als Wahrzeichen der Gegend beherrscht das letztere mit seinen Türmen und Zinnen das gegen Bozen sich öffnende Eisakthal, zugleich aber auch den Aufstieg in die großartige Porphyrschlucht, in welcher das vom Karneidbach durchströmte Eggenthal in das des Eisak mündet. Auf schöner gutgepflegter Kunststraße gelangt man bald hinter Kardaun in eine Felswildnis von wahrhaft romantischem Zauber. Gewaltige Felsenwände türmen sich senkrecht links und rechts von der Straße empor, neben der sich der stürmische Karneid über ein Wirrsal von Felsblöcken hinweg hochaufschäumend dahinwindet. Hier herrscht immer die erfrischendste Kühle, so daß das Durchwandern der Schlucht an Tagen, wo die Sonne des Südens über den Weinbergen Bozens brütet, ein wahres Labsal ist. Nur durch bedeutende Felssprengungen war der Ausbau der Straße möglich, oft wuchten die Felswände dräuend über ihr und an zwei Stellen führen Tunnel mitten durch das Gestein. Nach zwei Stunden erreicht man in einer Weiterung des Thals das Dörfchen Birchabruck, das einen schönen Blick auf die riesigen scharfgezackten Dolomitschrofen des Latemander Rotenwand und des Rosengartens bietet. An den Gehöften von Untereggenthal vorbei gelangt man dann durch den Wald zum Karersee, in dessen Fluten sich die genannten prächtigen Dolomitwände spiegeln und an dessen Ufer neuerdings eine Touristenstation entstanden ist, die den Ausgangspunkt für herrliche Hochtouren bildet.