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Holzknechtsball der Gesellschaft der „Naßwalder“ in Wien

Textdaten
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Titel: Holzknechtsball der Gesellschaft der „Naßwalder“ in Wien
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 113, 116
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[113]
Die Gartenlaube (1887) b 113.jpg

Holzknechtsball der Gesellschaft der „Naßwalder“ in Wien.
Originalzeichnung von W. Gause.

[116] Holzknechtsball der Gesellschaft der „Naßwalder“ in Wien. (Mit Illustration Seite 113.) Die lebensvolle Illustration des trefflichen Künstlers W. Gause führt dem Leser vor Augen, welche Freude an der Geselligkeit, an bunter Pracht dem Wiener innewohnt. Das Bild, zu dem diese Zeilen gehören, stellt einen Ball dar, den die Wiener „Naßwalder“ veranstalteten. Dieser Verein widmet, wie so viele andere, das Reinerträgniß seiner Festlichkeiten humanitären Zwecken; besonders werden arme Gemeinden des Naßwalds, einer naturschönen Gegend Niederösterreichs, berücksichtigt. Die Bälle des Vereins erlangten bereits seit Jahren eine große Berühmtheit, namentlich durch die originelle und für Wien charakteristische Art und Weise der Inscenirung. Am meisten beliebt dürften seine sogenannten Holzknechtsbälle sein, wo die Gäste in passenden Kostümen erscheinen; diese Bälle gehören zur Gattung der „Bauernbälle“, welche zu den eigenthümlichsten und originellsten Wiener Kostümfesten zählen. Nicht nur die Ausschmückung und Gestaltung des Balllokals trägt dort ländlichen Charakter, sondern auch das Verhalten der Ballbesucher muß genau dem Wesen des Festes entsprechen. Das konventionelle „Sie“ ist streng verpönt, das „Du“ ist die allgemeine Anrede. Wer dagegen verstößt, muß eine kleine Geldbuße in die Wohlthätigkeitskasse einzahlen. Links im Hintergrund des Bildes ist eine kleine Hütte bemerkbar: das ist das „Burgamaster-Amt“, hier können sich Paare ungestört „trauen“ und auch ohne viel Federlesens wieder „scheiden lassen“, aber wie diese Ceremonien im Leben, so sind sie auch in der Komödie mit einigen Baarauslagen verknüpft. Im Saale streifen durch ihr Kostüm erkenntliche „Wachter“ herum, welche Sorge tragen müssen, daß den Gesetzen Folge geleistet wird.

Man darf übrigens nicht glauben, daß an solchen Vergnügungen bloß „das Volk“ Theil nimmt; der kleine Bürgerstand stellt zu diesen Amusements allerdings das größte Kontingent; doch erblickt man ab und zu auch Vertreter der Geburts-, Geld- und Geistesaristokratie, welche es nicht verschmähen, sich mit einem schmucken Wiener Kind zu duzen. Das ganze muntere, bunte Treiben versetzt in jene Stimmung, in welcher der Wiener ausruft: „’s giebt nur a Kaiserstadt, ’s giebt nur a Wien!“