Textdaten
<<<
Autor: Theodor Lachmann
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Hildegard von Hohenfels
Untertitel:
aus: Ueberlinger Sagen, in: Alemannia, Band XVI, S. 251
Herausgeber: Anton Birlinger
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Peter Hanstein
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Bonn
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA*, Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[251] 6 HILDEGARD VON HOHENFELS

Hinter dem am See gelegenen Dorfe Sipplingen erhebt sich ein hoher Berg, dessen Gipfel in der Vorzeit eine stolze Burg gekrönt. Hier war der Siz des berümten Rittergeschlechts von Hohenfels. Längst ist die Burg zerstört, ire Trümmer blicken traurig von der Höhe herab; das einst weithin herrschende Rittergeschlecht ist seit Jarhunderten ausgestorben. Der lezte Sprößling desselben war Fräule Hildegard, welche einen misgestalteten Kopf mit einem Schweinsrüssel hatte und deshalb aus einem goldenen Tröglein aß. Was aber die Natur ir an körperlichen Vorzügen versagte, gab sie ir um so reichlicher an Edelsinn und Tugend. Das Burgfräule Hildegard war die Woltäterin der ganzen Gegend und unterstüzte namentlich die unten am See wonenden Ansidler auf jede Weise, gab inen täglich ire Suppe oder ir „Süpple,“ woher auch der Name Sipplingen stammt; denn es hieß ursprünglich „Süpplingen,“ wie es noch in Stumpfs Kronik von 1586 geschriben ist. So tat Hildegard den Sipplingern nicht bloß wärend ires ganzen Lebens alles Gute, sondern vermachte inen auch noch durch lezte Verfügung den größten Teil irer Besizungen als Gemeindeeigentum; ja es erhielten sogar die benachbarten Überlinger von irem Reichtum ein schönes Stück. Das gieng folgendermaßen zu. Noch zu Lebzeiten Hildegards hatten die Überlinger mit den Sipplingern verabredet, daß sie gemeinsam nach Hohenfels gen und das Fräule Hildegard bitten wollten, beiden Orten Etwas zu verschreiben. Als nun die Stunde gekommen, warteten die Sipplinger vergebens auf die Überlinger; denn dise waren bereits auf der obern Straße, über Nesselwangen und Bondorf, nach Hohenfels gegangen und so den Sipplingern zuvorgekommen; sie hatten deshalb auch bereits die 2 herlichsten Wälder von Hildegard erhalten, nemlich die Gewanne Eisenholz und Schnorrenberg. Als die Sipplinger nun eingetroffen, schenkte inen das Burgfräulein sämmtliche Hohenfels’sche Güter um Sipplingen und Hohenfels. Dise Verschreibung erfolgte im Jare 1450. Noch jezt halten die Sipplinger das Andenken Hildegards in hohen Eren: alljärlich wird in der Kirche am 14. August ir Gedächtnis durch eine hl. Messe gefeiert. Bei der Austeilung des Gabholzes Ende Dezember oder Anfangs Januar wird derselben ebenfalls öffentlich gedacht, indem der Bürgermeister von Sipplingen im Rathaussal die versammelten Bürger jeweils auffordert: „Laßet uns noch unsrer Woltäterin, der Gräfin Hildegard von Hohenfels im Gebet gedenken!“ worauf fünf Vaterunser von allen Anwesenden laut gebetet werden.

Größtentheils mündlich; Einiges nach Steiger: Die Stadt Überlingen, und Dr. Magg: Grundrisse zu Holzschnitten.