Handwerker aus Instinkt

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Titel: Handwerker aus Instinkt
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aus: Die Gartenlaube, Heft 16, S. 175-176
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Merkwürdige Nester der Webervögel und des Hammerkopfes in Südafrika
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[175] Handwerker aus Instinkt. Am Kap der guten Hoffnung giebt es einen Vogel, der unter dem Namen „Republikanischer Sperling“ bekannt ist, nach der wissenschaftlichen Benennung aber Philaeterus Socius heißt. Dies Vögelchen baut ein regelmäßiges Viereck. Mit einer Anzahl seines Geschlechts nimmt er einen Baum in Besitz und baut um den Wipfel desselben ein großes Nest, das gegen zweihundert Abtheilungen enthält. Jeder Vogel hat seine bequeme kleine Wohnung, in welcher er mit seinem Weibchen lebt, seine Jungen aufzieht und der unbedingtesten Freiheit genießt. Sie sind in so fern Baumeister, als es sich auf die Erbauung der gemeinschaftlichen Wohnung, die Ausbesserung und Vertheidigung derselben bei drohender Gefahr und das Aufsuchen der Vorräthe bezieht. Benimmt sich irgend ein Vogel gegen die Regeln der Gesellschaft oder überhaupt unfreundlich, so wird er von einem ausgewählten Polizei-Detachement heimgesucht, das ihn mit unbarmherzigen Bissen der starken Schnäbel hinaustreibt und ihm niemals die Rückkehr in die gemeinschaftliche Behausung gestattet. Versucht es irgend ein bösartiges kriechendes Thier sich einzuschleichen, so bildet sich sofort eine Bürgergarde, und sobald die wachsame Schildwache ein Zeichen giebt, stößt das tapfere Corps ein gellendes Geschrei aus, beeilt sich, die gewöhnliche Garnison zu verstärken und zwingt meistentheils den Feind durch die Masse drohender Schnäbel, die sich ihm wie undurchdringliche Pallisaden entgegenstrecken, zum Rückzuge.

Ein anderer Vogel, der ebenfalls am Kap gefunden wird, baut für sich ein aus drei Abtheilungen bestehendes Haus, mit bogenförmigen Eingängen, ähnlich denen, deren sich die Römer in ihrem Baustyl bedienten. Dieser Vogel, eine Reiherart, heißt Scopus umbretta, baut sein Nest in einen Strauch oder vielmehr um einen Strauch, gibt ihm eine kreisförmige Gestalt und theilt es in drei Abtheilungen, die mittelst bogenförmiger Oeffnungen unter einander in Verbindung stehen. Er beginnt den Bau damit, daß er zuerst das Fachwerk seiner Wohnung aufrichtet und sich hierzu theils der, für seinen Plan geeigneten Zweige bedient, theils die vernichtet, die ihm hinderlich sind; dann sucht er kleine Reiser, um den Bau zu vollenden und gibt ihm eine [176] so große Regelmäßigkeit, daß ein Zimmermann darauf stolz sein könnte. Ist das Fachwerk vorbereitet, so schafft er Thon herbei, um die Zwischenräume auszufüllen und bedeckt zuletzt die Außenseite mit einem Ueberzug aus körniger Erde, vollkommen wasserdicht und so fest, das er dem Schnabel des stärksten Raubvogels widersteht. Wenn das Nest vollständig fertig ist, sieht es, wie ein kleines arabisches Zelt aus und ist, wie schon bemerkt, in drei Räume abgetheilt. Noch Niemand hat bis jetzt den Zweck der beiden ersten Räume entdecken können; sie sind stets sehr sauber und scheinbar unbewohnt. Im dritten Zimmer wohnt der Scopus umbretta. Hier, auf einem Lager von weichem Moose und Federn, legt das Weibchen ihre Eier und brütet die Jungen aus. Wenn ihr Männchen auf den Fischfang ausgeht, verschließt es sorgfältig die drei Thüren mit Steinen und kleinen Zweigen und mauert auf diese Weise seine Familie ein, um sie vor den Angriffen kriechender Thiere zu schützen. Kehrt es mit Vorräthen von Fischen zurück, so zerstört es mit dem Schnabel die Befestigung, wirft die Trümmer derselben sorgfältig bei Seite und schließt sich der Familie im innern Raume an. Bei irgend einem Geräusch oder einer drohenden Gefahr, eilt der Scopus umbretta sofort herbei und stellt sich vor den äußeren Eingang. Hier erwartet er mit vorgestrecktem Schnabel und zum Kampfe bereit den Feind, greift ihn an, ehe er in die Wohnung eindringen kann, und geht in der Regel als Sieger aus dem Kampfe hervor. Nicht selten findet man in der Nähe des Nestes todte Kriechthiere, die mit zerhackten Köpfen, den Trophäen des scharfsinnigen Vogels daliegen.

Man findet am Kap diese Nester so gewöhnlich wie bei uns die Nester der Hausschwalben, denen wir in der Regel zu geringe Aufmerksamkeit schenken, obgleich sie sich unter den Dachrinnen unserer Häuser befinden und wir nur nöthig hätten, unsere Augen zu ihnen zu erheben.