Haenel Kostbare Waffen/Tafel 22

Tafel 21 Kostbare Waffen aus der Dresdner Rüstkammer (1923) von Erich Haenel
Tafel 22
Tafel 23
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TAFEL 22
FELDHARNISCH DES
OBERLANDBAUMEISTERS
WOLF CASPAR VON KLENGEL
(1630–1691)
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[44] Schwarz, mit vergoldeten Nieten. – Kragen, kurze, sehr breite Brust mit Andeutung von Gansbauch, Achseln mit Flügen, 9mal geschoben, Armzeug mit ganzen Muscheln, Schöße 19mal geschoben, von der 8. Folge an eingehängt, mit breiten Haken an der Brust befestigt. Helm, mit 3mal geschobenem Hals- und Nackenschutz, breitem Kamm, der in eine kurze Spitze mit einer Eichel ausläuft, Stirnstulp, spitz nach oben getriebenem Visier, vorspringendem Kinnreff, Visierstütze links. Vorstoß von violettem Samt, Riemen ebenso bezogen. Außerordentlich massiv und schwer gearbeitet, der Helm allein wiegt 9,260 kg.

Inv. Gute Schlittenkammer 1684, Nr. 60: Ein eisenfarbener großer Feld Kühris, als rücken und bruststücke … wobei eine schlaghaube mit violbraunem Atlas gefüttert, und mit dergleichen sammet vorgeschossen … welcher hiebevorn von herrn Obristen von Klengel mit aus Holland anher gebracht worden.

Wolf Caspar von Klengel, ein Enkel des Baumeisters Paul Buchner, des Erbauers des Stallhofes, war als Siebzehnjähriger zum erstenmal nach Holland gekommen; seit 1656 hat er, als sächsischer Oberlandbaumeister, zahlreiche Bauten im Auftrag Johann Georgs II. geschaffen, insbesondere den Plan zum Wiederaufbau des 1683 durch Brand zerstörten Alt-Dresden, des Stadtteils rechts der Elbe, im Sinne einer neuklassischen Regelmäßigkeit entworfen. Von späteren Reisen Klengels nach Holland ist nichts bekannt; das von Ehrenthal (a. a. O. S. 159) genannte Jahr 1670 wird erst im Inventar von 1838, ohne jeden andern Nachweis, erwähnt. Der Harnisch gehört in die Zeit um 1650–60, eine örtliche Bestimmung seiner Herkunft ist kaum möglich. (FHM. G 115).