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Textdaten
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Autor: Bw.
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Titel: Gruben- und Gichtgase
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 788
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1897
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
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[788] Gruben- und Gichtgase. Die Menge der in Kohlengruben während des Aufschließens der Schichten sich entwickelnden Gase ist weit größer, als man gewöhnlich denkt. Die gelegentlich auftretenden schlagenden Wetter, der schreckliche Beweis für ihr gehäuftes Vorhandensein, kommen ja glücklicherweise nur in den seltenen Fällen vor, wenn die Ventilationsmaschinen vorübergehend stillstehen oder wenn sich bei der Aufschließung eines Kohlenflößes ausnahmsweise gewaltige Gasmengen entwickeln, die vom Wetterschacht nicht mit gleicher Schnelligkeit bewältigt werden können. Unendlich viel größer als in diesen vereinzelten Fällen der Konzentration sind aber die Gas- oder Wettermengen, die im täglichen Betrieb der Gruben von dem Ventilator abgesogen und durch frische Luft ersetzt werden. Nach Untersuchungen des bergmännischen Laboratoriums in Saarbrücken, die sich auf 23 Kohlenzechen des Saargebiets erstrecken, werden hier auf jede Tonne gewonnener Steinkohle 500 bis 30 000 l Gas entwickelt, ja vereinzelte Vorkommen steigen bis auf 60 cbm oder 45 kg Gas auf die Tonne Steinkohlen. Das täglich freiwerdende Gasvolumen jener Gruben beträgt über 60 000 cbm, und wenn man es, anstatt vermischt mit der Luft der Wetterschächte rein auffangen könnte, so würde seine Heizkraft größer sein als diejenige der gleichzeitig produzierten Kohlenmengen. – Bessere Erfolge hat man mit der Bemühung gehabt, eine andere unerschöpfliche Gasquelle des Hüttenbetriebs, die Gichtgase des Hochofenprozesses industriell zu verwerten. Diese Gase, hauptsächlich Kohlenoxyd enthaltend, entstehen bei der Reduktion der Eisenerze in jedem Hochofen in großen Mengen und zählten früher zu den lästigsten Produkten des Hochofenbetriebs. Man ließ sie, um der Luftverunreinigung vorzubeugen, beim Austritt aus der oberen Oeffnung oder der sogenannten Gicht des Ofens lange Zeit einfach in mächtiger Flamme verbrennen, aber endlich fing man sie auf und leitete sie durch große Röhren ins Eisenwerk zurück, um mit ihrer Verbrennungswärme Dampfkessel zu heizen oder den Gebläsewind zu erwärmen. Jetzt haben die Leiter des „Hörder Vereins“ jenes bedeutenden Hüttenwerkes in Hörde bei Dortmund, gelungene Versuche angestellt, die Gichtgase, die ebenso explosiv wie luftuntermischtes Leuchtgas sind, auch direkt zum Betriebe von Gasmotoren zu verwenden. Zur Ausnutzung dieser Erfahrungen im großen werden zunächst zwei 600pferdige Gasmotoren gebaut, welche die größten bisher vorhandenen Maschinen der Art um das Doppelte übertreffen. Die Kraft derselben soll zum Antrieb von Dynamomaschinen benutzt werden, deren Strom die beim Hochofenbetrieb freiwerdende Kraft im Form elektrischer Energie anderen entfernteren Betrieben übermitteln soll.
Bw.