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Textdaten
Autor: Johann Jacob Speidel als Herausgeber
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Titel: Gemünd / Schwäbisch Gemünd
Untertitel:
aus: Speculum Juridico-Politico-Philologico-Historicarum Observationum et Notabilium …, S. 472–473
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1657
Verlag: Endter
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung: Kurze Chronik der Stadt Schwäbisch Gmünd (nach Paul Goldstainer)
Siehe auch Schwäbisch Gmünd
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Gemünd / Schwäbisch Gemünd.

Die Stadt Gemünd hat ( als aus den alten Historien und Chronicken verstanden wird / ) ihren Anfang und Ursprung genommen / als man nach der Geburt Christi unsers lieben Herrn gezehlet / tausend / hundert / zehen Jahr / da die Hertzogen von Schwaben / mit Namen Conrad der Drit / Friederich der Erst / Heinrich Philippus / Friederich der Ander / genannt Barbarossa / haben innengehabt / und regieret das Römisch Reich / und ihre Wohnung gehabt zu Hohenstauffen / zu Lorech dem Berg deß Klosters / zu Waldhaussen / allda ihre Cantzley gewest. Die genanten Käiser / König / und Hertzogen zu Schwaben / haben die genante Stadt Gemünd für ihr eigen Gericht gehabt / und geschrieben / mit Stadtrecht / Privilegien und Freyheiten begnadet / und begabt / und dem heiligen Römischen Reich zugeordnet / als andere Reichs-Städte in diesen Landen / Ulm / Eßlingen / und Reitlingen.

Die Stadt Gemünd ist erbauet worden durch Edel- und Erbare Leut / und Geschlecht / nemlich die von Vekhingen / Rinderbach / die von Wolfsthal genand Wolff / Burger / und Steinhäuser / die von Haag / Feirabend / Leintzel / Heberling / Vener / die von Horckhaim / die Kurtzen / Gulen / Gustregen / Garbach / Vetzer / von Brogenhoven / Stabenhaber / Zeiselmülner / Fladen / die von Palstatt / Alwich / Winckenhal / Thainbuch / Hugen / Fauchen / Nuttel / und andere Erbare gute Geschlecht / die man in den alten Brieffen / Saalbüchern / und alten Burgstalen / umb die Stadt Gemünd / als Eutenckoven / Bargen / Borg / Etzelspurg / Finderbach / Wolffsthal / unter denen viel Rittermässiger / und anderer löblicher ehrlicher Thaten / Lobs werth / erfunden / und gewesen.

Diese Stadt hat erstmahls geheissen / Käisersgereuth / darnach Thiergartt / als nach deß zu einem sonderen Anzeigen / der Bach durch die gemelte Stadt inmitten lauffend Thierach auf heutigen Tag genant wurd / folgends von der obgemelden Römischen Käiser / Könige / Hertzogen zu Schwaben / auch anderer Fürsten / Graven / Freyen / Ritterschafft und Adel / die alle ihre Herrlichkeiten / Freud / Wohn / mit Thurnieren / Stechen / Rennen / und anderen Ritterstühlen ( als es dann aus dem verstanden / ) daß sie den Schießgraben unter der Augustiner Closter gelegen / so biß hieher der Thurniergrab genänt / darzu gebraucht / ist ermelte löbliche Stadt Gemünd / von wegen solcher Käiserlichen / Königlichen / Fürstlichen / Ritterlichen / und Adelichen täglichen Triumphierens / und Spectackel halben / die dann den Umbsessen grosse Freud und Frolockung gegeben / der Nam abermal / und zum dritten mal verändert / und gebessert / und zu Latein Gamundia, [473] id est, gaudia Mundi, und zu Teutsche Gmündin / oder Gemünd / das ist / eine Freude der Welt genannt worden / und mit einem gar herrlichen Adelichen Wappen (für andere Städte deß Heil. Römischen Reichs) von ernanten Römischen Käiseren / Königen / und Hertzogen zu Schwaben / nemlich mit einem weissen Eingehiren / in einem roten Feld / alsdann diese Stadt Gemünd solch Wappen in ihren Panieren / Siglen / und anderen Orten pflegt zu führen / gantz allergnädigst / und gnädiglich fürsehen / und begabt worden.

Es wird auch dieser Stadt Würdigkeit und alt Herkommen erkent aus den löblichen Gotteshäusern / und Klösteren der gemelten Stadt.

Deß Ersten / der Augustiner, die man nennt Heremitas zu Zeiten König Conrads deß Dritten / Römischen Königs / Hertzogen zu Schwaben / durch sein Kön. Majest. gestifft / und gefundiert.

Auch das Kloster der Prediger / so aus einem Freyhofe gebauet / und gestifft worden.

So ist der Barfüsser Kloster / die man nent Minores, durch einen Burger von Adel / und Patricien zur Gemünd / genant Walther von Rinderbach gebauet / und gestifft / darin S. Franciscus Jünger einer / mit Namen Bruder David begraben ligt / da man zehlt von der Geburt Christi / ein tausend / zweyhundert / und zehen Jahr / ist das Kloster aufgericht / und vollendet worden.

Zum Vierdten das Frauen-Kloster vor der Stadt Gmünd gelegen, Augustiner Ordens / jetzt unter der Chur / und Besorgnuß Prediger Ordens / ist angefangen / gebauet / und gestifft / durch Bürgere der Stadt Gemünd / genannt die Schauppen / da man zehlt Anno salutis eintausend / zweyhundert / und vierzig / in vigilia annuntiationis Mariae.

Und sonderlich wird dieser Stadt Gemünd alter Ruhm und Preiß auch erkant / aus der schönen herrlichen Pfarrkirchen / gebauet / und geweyhet / in der Ehr deß heiligen Creutzes / und der glorwürdigen Himmelkönigin / der allerseligsten Jungfrauen Mariae. In welcher Kirchen viel Pfrienden / Capploneyen / und ein löbliche Bruderschafft gefundiret / und gestifft / die dann durch die obgemelten Edlen / Ehrlichen / Dapfferen / Rittermässigen / Patricien / Geschlecht / und Bürger zu Gemünd / erbauet und fundiret worden / in welcher Kirchen ein Bischoff von Augspurg / Heinricus genant / geboren von Schöneck / ligt begraben / welcher mit Tod abgegangen ist / Anno salutis, eintausend / dreyhundert / acht und sechtzig Jahr / am dritten Tag Januarii, und sonst viel anderer guter Geschlecht / vom Adel / und Burgeren / die alles Lobs werth seyn / auch grösser Erbarkeit Anzeigen gibt.

Beschluß.

Durch der obgenanten Fürsten / Herren / Bürger und Vorfahren / guter Werck / Lob / Ehr / und Dapfferkeit / Exempel und Vorbild willen / sollen nach allen ihren Vermögen / Fleiß / und mit Ernst nachfolgen / allgegenwertig / und zukünfftig / Geistlich und weltliche Ambtleut / Regierer und Innwohner dieser löblichen Käiserlichen Stadt Gemünde / der Stadt gemeinen Nutz betrachten / sich daran nichts verhinderen / noch irren lassen / damit allein die Stadt / in aller burgerlichen friedlicher Lieb / und Einigkeit regieret / und erhalten werde / dann der hochberühmt zierliche Orator / und Redner deß Römischen Senats Cicero spricht / daß unter allen Gemein- oder Gesellschafften nichts übertrefflichers / und fester sey / dann ein versamblete Gemeinschafft guter frommer Gönner / die gleicher Sitten seyn / und dann weiter spricht gemelter Cicero, daß auch unter allen Gemeinschafften / keine inbrünstiger / und angenemer / dann die unser jeglichen zu dem gemeinen Nutz seyn soll. Dann / wiewol Vatter und Güter lieb sind / die Kinder lieb sind / die gesipsten Freund und Beywohner lieb sind / so hat doch das gemein Vatterland / die Lieb derselben alle begriffen / von welches Vatterlands wegen einen jeden frommen / ( so fern er Nutz damit schaffen mag / ) sich in Tod zu geben gebürt / dann wiewol diese Stadt Gemünde erstlich ein dapfferen trefflichen Anfang / von den Römischen Käiseren / Königen und Hertzogen zu Schwaben gehabt / und folgends mit viel ehrlichen Adelichen Geschlechten gezieret worden / so hat doch sich viel zwischen gemelten Geschlechten dermassen so viel Uneinigkeit / Zwietracht erregt / und eingerissen / daß ein jeder dem andern sein beschaffen Glück / Ehr / und Wolfahrt / so ihme Gott der Allmächtig verliehen / mißgönnet hat / daraus nun gefolgt / daß gemelten Geschlecht gantz in Abfall kommen / dann vermög deß heiligen Evangelions / so mag kein Reich / das in ihme selbst zertheilt / und widerwertig / lang bestand haben / sondern muß zerstöret werden / deß haben wir nun viel schöner Exempel im Tito Livio, der Röm. Historienschreiber / als die Römer beynahend die gantze Welt unter ihr Regiment und Herrschung gebracht haben / dieweil die Stadt Rom durch den Römischen Rath daselbst in friedliebender bürgerlicher Einigkeit regieret wurde / so bald sich aber die Patricien / und hohe Geschlecht einrissen / und ein jeder vermeint / edler und höher / dann der ander zu seyn / da würden sich zwischen ihnen auch viel Zwietracht und Uneinigkeit begeben / dermassen daß zuletzt der erst Römisch Imperator, und Käiser Julius / etc.

Anmerkungen (Wikisource)

Es handelt sich um eine Version der Gmünder Chronik von Paul Goldstainer, ediert von Klaus Graf: Gmünder Chroniken im 16. Jahrhundert. Schwäbisch Gmünd 1984, S. 239-242 Google mit Sachkommentar. Der bei Speidel überlieferte Text wurde erstmals durch Klaus Graf: Ein Neufund zur Textgeschichte der Gmünder Chronik Paul Goldstainers. In: Archivalia vom 9. Januar 2015 bekannt gemacht.