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Textdaten
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Autor: Brüder Grimm
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Titel: Friedrich mit dem gebissenen Backen
Untertitel:
aus: Deutsche Sagen, Band 2, S. 350-352
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1818
Verlag: Nicolai
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons,Google
Kurzbeschreibung:
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Eintrag in der GND: [1]
Bild
Deutsche Sagen (Grimm) V2 370.jpg
Bearbeitungsstand
fertig
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[350]
560.
Friedrich mit dem gebissenen Backen.
Rohte I. c. 1743 - 1745.

Bange Bl. 103. 104.


Landgraf Albrecht in Thüringen, der Unartige, vergaß aller ehlichen Lieb und Treue an seinem Gemahel, und hing sich an ein ander Weibsbild, Gunda [351] von Eisenberg genannt. Der Landgräfin hätte er gerne mit Gift vergeben, konnte aber nicht dazu kommen; verhieß also einem Eseltreiber, der ihm auf der Wartburg täglich das Küchenholz zuführte, Geld, daß er ihr Nachts den Hals brechen sollte, als ob es der Teufel gethan hätte. Als nun die dazu bestimmte Zeit kam, ward dem Eseltreiber bange, und gedachte: ob ich wohl arm bin, hab ich doch fromme, ehrliche Eltern gehabt; soll ich nun ein Schalk werden, und meine Fürstin tödten? Endlich mußte er daran, wurde heimlich in der Landgräfin Kammer geleitet; da fiel er vor dem Bette zu ihren Füßen, und sagte: „gnadet, liebe Fraue!“ Sie sprach: „wer bist du?“ er nannte sich. „Was hast du gethan, bist du trunken oder wahnsinnig? Der Eseltreiber antwortete: „schweiget und rathet mir! denn mein Herr hat mir euch zu tödten geheißen; was fangen wir jetzo an, daß wir beide das Leben behalten?“ Da sprach sie: „gehe und heiß meinen Hofmeister zu mir kommen.“ Der Hofmeister gab ihr den Rath: sich zur Stunde aufzumachen, und von ihren Kindern zu scheiden. Da setzte sich die Landgräfin bei ihrer Söhnlein Bette und weinte; aber der Hofmeister und ihre Frauen drangen in sie, zu eilen. Da es nun nicht anders seyn konnte, gesegnete sie ihre Kinder, ergriff das älteste, Namens Friedrich, und küßte es oftermal; und ans sehnlichem, mütterlichen Herzen biß sie ihm in einen Backen, daß er davon eine Narbe bekam, die er zeitlebens behalten. Daher ihm auch erwachsen, daß man ihn genennet: [352] Friederich mit dem gebissenen Backen. Da wollte sie den andern Sohn auch beißen; das wehrte ihr der Hofmeister und sprach: „wollt ihr die Kinder umbringen?“ Sie sprach: „ich hab ihn gebissen, wann er groß wird, daß er an meinen Jammer und dieses Scheiden gedenkt.“

Also nahm sie ihre Kleinode, und ging aufs Ritterhaus, wo sie der Hofmeister mit einer Frauen, einer Magd und dem Eseltreiber an Seilen das Fenster hinab ließ. Noch dieselbe Nacht flüchtete sie auf den Kreinberg, der dazumal dem hersfelder Abt hörte; von da ließ sie der Amtmann geleiten bis nach Fulda. Der Abt empfing sie ehrbarlich, und ließ sie sicher geleiten bis gen Frankfurt, wo sie in einem Jungfrauenkloster Herberge nahm, aber schon im folgenden Jahre vor Jammer starb. Sie liegt zu Frankfurt begraben.