Friederike Helene Unger (Schindel)

Textdaten
Autor: August von Schindel
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Titel: Friederike Helene Unger
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aus: Die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil, M-Z, S. 376–381
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Erscheinungsdatum: 1825
Verlag: F. A. Brockhaus
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Digitalisat auf Commons
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[376] † Unger (Friederike Helene), geb. von Rothenburg, geb. – 1751 in Berlin, eine Tochter des königl. preuß. Generals v. Rothenburg, den König Friedrich II. besonders schätzte. Sie genoß in dem Hause des sehr verdienten Kirchenraths und Hofpredigers Joh. Peter Bamberger in Potsdam eine sehr sorgfältige Erziehung und für damalige Zeiten seltene Ausbildung; besonders verdankte sie diese dessen geistreicher und würdiger Gattin, der bereits oben Th. 1. S. 34 erwähnten Antoinette Bamberger, geb. Sack, durch deren Unterricht sie eine genaue Kenntniß der französischen Sprache erlangte. Später begab sie sich nach Berlin in das Haus des berühmten Formschneiders Unger, des Vaters, welcher Töchter hatte, und wurde mit seinem Sohne Johann Friedrich Unger bekannt, dem sie im Jahr … ihre Hand gab; – einem Manne, der mit großen Kenntnissen und ausgezeichneten Talenten einen seltenen, weitwirkenden Unternehmungsgeist, eine rastlose Thätigkeit und eine musterhafte Rechtschaffenheit verband: er war Künstler im Holzschneiden, indem seine Arbeiten feinen Kupferstichen ähnlich waren, Buchdrucker und Buchhändler zugleich und lieferte Kunstproducte, die [377] den besten englischen gleich kamen und sie übertrafen; dabei gab er Unterricht und wurde als akademischer Formschneider mit dem Charakter eines Professors angestellt. Er legt Schriftgießereien und eine Notendruckerei an, die sich der Vollendung nahte; dabei war er Unternehmer der Zeitungen der Hauptstadt und Pächter der Kalender der ganzen Monarchie, wodurch er, mit einem verhältnißmäßig geringen eigenen Gewinn, eine Menge Menschen beschäftigte, deren Versorger zu seyn ihm die größte Freude machte. Er starb am 26. September 1804. – Seine würdige Gattin, edeldenkend und thätig wie er, setzte seine Unternehmungen fort. Sie verband mit einer hohen Geistesbildung einen anspruchslos bescheidenen und liebenswürdigen Charakter; – Eigenschaften, die sie durch ihre vielen, ohne ihren Namen zu nennen, herausgegebenen Schriften beurkundete, welche wegen der vortrefflichen Zeichnung der Sitten, in geistreicher Dichtung, noch jetzt einen vorzüglichen Rang unter den angenehm unterhaltenden und zugleich belehrenden Geistesproducten weiblicher Schriftsteller behaupten. Ihre genaue Kenntniß der französischen Sprache, so wie nicht minder der englischen, erleichterte ihr das Verdienst, – in ihrem Zeitalter, wo sie schrieb, desto größer, – mehrere ausgezeichnete Werke jener Nationen in leichten und geschmackvollen treuen Uebersetzungen bekannter zu machen. Ganz besonders wurde der Roman Julchen Grünthal mit allgemeinem Beifall bei der ersten Erscheinung im Jahr 1784 aufgenommen; das Gemälde dieser Pensionsgeschichte, zu der es der Dichterin in Berlin nicht an Originalien fehlen konnte, ist ganz nach [378] dem Leben gezeichnet. Es erschien von einer fremden Nachbildung von J. E. Stutz (geb. 1733, starb 1795 als Prediger bei vier Landgemeinden unweit Zerbst), eine minder glückliche Fortsetzung in einem zweiten Theile im Jahr 1788. Mit desto größerm Beifall wurde daher von der Dichterin eine völlige Umarbeitung des ersten Theils, mit einem ganz neuen zweiten und letzten Theile vermehrt, im Jahr 1798 aufgenommen. – Sie starb, allgemein von allen Freunden des Guten betrauert, am 21. September 1813 in Berlin, kinderlos. – Sie ertrug manchen schweren Wechsel des Geschicks mit hohem Muth und belebte stets durch ihren Geist alle gesellige Kreise.

§. §. * J. J. Rousseau’s Geständnisse. 2 Thle. Berlin. 1782. gr. 8. (1 Thlr. 12 Gr.)

* J. J. Rousseau’s Selbstgespräche auf einsamen Spaziergängen, ein Anhang zu den Bekenntnissen. Ebend. 1782 gr. 8. (12 Gr.)

* Vermischte Erzählungen und Einfälle zur angenehmen Unterhaltung. 24 St. Ebend. 1783. 8. (6 Thlr.)

* Die Damen dürfen doch auch ein Wort mitreden? oder etwas über das neue Gesangbuch. – – –

* Julchen Grünthal, eine Pensionsgeschichte. Berlin. 1784. 8. – Zweite verb. Ausg. Ebend. 1787. 8. (16 Gr.) – (Ein 2ter Thl. Frankfurt 1788. 8. [20 Gr.] ist nicht von ihr, sondern von J. E. Stutz.) – Neue durchaus veränderte und mit einem 2ten Bde. vermehrte Ausg. m. 4 Kpfrn. Berlin. 1798. 8. (2 Thlr.) – Übersetzt ins Dänische von J. D. Tode. Kopenhagen. 1799. 1800. 2 Bde. in 8.

Anmerk. Irrig wurde Charl. v. Ahlefeld, geb. v. Seebach, als Verfasserin des Romans genannt. Vergl. Thl. 1. S. 8.

[379] * Figaro’s Hochzeit, oder der lustige Tag, aus dem Franz. Kopenhagen. 1785. 8. (12 Gr.)

* Marie, eine Geschichte aus dem Engl. 2ter Thl. Ebend. 1786. 8.

(Der 1ste Thl. [Ebend. 1785. 8.] ist von ihrem Gatten J. F. Unger.) (Beide Theile 1 Thlr. 8 Gr.)

* Mercier’s Nachtmütze, aus dem Franz., 3ter Thl. Berlin. 1786. 8.

* Karoline von Lichtfeld, eine Geschichte aus dem Franz. (der Madame de Montolieu.) 2 Thle. Ebend. 1787. 8. – Neue Aufl. Ebend. 1798. 8. (1 Thlr.)

* Der Betbruder, ein Lustspiel nach Molière’s Tartuffe, frei übersetzt. Ebend. 1787. 8. (6 Gr.)

* Der adelsüchtig Bürger, eine Posse. Ebend. 1788. 8. (6 Gr.)

* Die offene Fehde, ein Lustspiel aus dem Franz. Ebend. 1789. 8.

* Die Abenteuer einer Nacht, ein Lustspiel v. Dumaniant, aus dem Franz. Ebend. 1789. 8. (8 Gr.)

* Naturkalender zur Unterhaltung der heranwachsenden Jugend, von der Verf. der Julchen Grünthal. Ebend. 1789. 8. (12 Gr.)

Ins Franz. übers. vom Geheimen Legationssecretair v. Bourdeaux in Berlin, unter dem Tit.: Almanac de la nature, à l’usage des adolescens, publ. en allemand par Mad. Unger et trad. en franç. à Berlin. 1790. 8. (14 Gr.)

* Die Wunderkraft des Magnetismus, ein Lustspiel in 3 Aufzügen, aus dem Franz. des Dumaniant. Ebend. 1790. 8. (6 Gr.)

* Der Mondkaiser, eine Posse in 3 Aufzügen. Ebend. 1790. 8. (4 Gr.)

* Beschreibung und Geschichte der Bastille von Linguet, aus dem Franz. Hamburg 1791. 8. (12 Gr.)

* Neuestes berlinisches Kochbuch, oder Anweisung, alle Speisen, Saucen und Gebacknes zuzurichten. 2 Thle. Berlin. [380] 1785–1789. (1 Thlr.) – Neue Aufl. 3 Bde. Ebend. 1796–1798. 8. (1 Thlr. 12 Gr.)

* Marianens Begebenheiten, aus dem Franz. des Mariveaux. 3 Thle. Berlin. 1791–1792. 8. (1 Thlr. 20 Gr.)

* Vaterländisches Lesebuch für Land- und Soldatenschulen. Ebend. 1799. 8. (6 Gr.)

* Gräfin Pauline. 2 Thle. Ebend. 1800. 8. (2 Thlr.)

(Macht auch das 1ste u. 2te Stück des Journals der Romane, Berlin 1800–1802, aus.)

* Prinz Bimbam, ein Mährchen für Jung und Alt. Ebend. 1802. 8. (12 Gr.)

* Melanie, das Findelkind. Ebend. 1804. kl. 8. (1 Thlr.)
Anmerk. Diesen Roman eigneten einige irrige der Charlotte v. Ahlerfeld zu.

* Albert und Albertine. Ebend. 1804. 8. (1 Thlr.)

* Bekenntnisse einer schönen Seele, von ihr selbst geschrieben. Ebend. 1806. 8. (1 Thlr. 12 Gr.)
Anmerk. Zum Theil bearbeitet von F. Buchholz, wenigstens nach Ersch Handbuch der deutschen Literatur, Bd. II. Abth. 3. S. 181. (Amsterd. u. Leipz. 1814. gr. 8.) – nicht aber ist Charl. v. Ahlefeld Verf.

* Die Franzosen in Berlin, oder Serene an Clementinen, in den Jahren 1806, 1807 u. 1808. Ein Sittengemälde. Leipzig, Züllichau u. Freistadt. 1809. 8. (1 Thlr. 10 Gr.)

* Der junge Franzose und das deutsche Mädchen, wenn man will, ein Roman, herausg. von der Verf. von Julchen Grünthal. Hamburg 1810. 8. (1 Thlr. 16. Gr.)
Anmerk. Nach Mehring im Gel. Berlin, wäre noch hinzuzufügen:

Gorani, geheime und kritische Nachrichten von Italien, aus dem Franz. 3 Thle. Köln u. Berlin. 1794. 8. (2 Thlr.)
Nicht aber von ihr sondern von dem oben erwähnten Prediger J. E. Stutz, ist Frohmanns und Oestlings

[381] Familiengeschichte für Aeltern und Kinder, vom Verf. d. Julchen Grünthal. Breslau. 1793. 8.

Außerdem Aufsätze in Zeitschriften, z. B.

Im Berlinischen Magazin der Wissenschaften und Künste. Berlin. 1782. f. Z. B. Ueber den Ursprung der Sprache.

In der Berliner Monatsschrift, herausg. von Gedicke und Biester. Mehrere Beiträge anonym. Z. B. Ueber das Verderben des Gesindes.

In d. Journal der Romane. (Berlin. 1800–1802. 11 St. … 8.) Z. E. St. 1 u. 2. Pauline. St. 5. Rosalie und Nettchen. (8 Gr.)

In d. Jahrbüchern der preuß. Monarchie unter der Regierung König Friedrich Wilhelms III. (Berlin. 1798–1801).

Im Berliner Kalender für Damen a. J. 1804. Auguste von Friedensheim.

Vergl. Büsten berliner Gelehrten. S. 363, und Nachtrag S. 363. – Denina la Prusse littéraire. III. 425. – Deutsche Schriftstell. S. 94. ff. – Journal v. u. f. Deutschl. a. J. 1789. St. 11. S. 467. – 1790. St. 4. S. 315. St. 5. S. 381. St. 9. S. 229. – 1791. St. 3. S. 232. St. 11. S. 983. – 1792. St. 12. S. 1079. – Meusel VIII. 167. X. 759. XI. 727. XVI. 65. – v. Archenholz Minerva. 1805. I. 175. f. – Mehring Neuestes gel. Berlin. II. 246. – Raßmann’s Dichternekrolog. S. 194. – Allg. literar. Anz. 1798. Nr. 59.