Faure’s Electricitäts-Ansammler

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Titel: Faure’s Electricitäts-Ansammler
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 29, S. 488
Herausgeber: Ernst Ziel
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[488] Faure's Elektricitäts-Ansammler (Accumulator). Just im Beginne des April, wo man auch bei uns den Leuten allerlei Dinge vorredet, die nicht wahr zu sein brauchen, bedeckten sich eines schönen Morgens alle Mauern voll Paris mit großen Plakaten, welche dem Publicum das nahe Ende der Dampf- und Steinkohlenherrschaft und den Beginn des elektrischen Zeitalters verkündeten. Eine neue Erfindung, der Accumulator von Faure, ermögliche es – so hieß es –, beliebige Mengen von Kraft, da wo man sie billig haben könne, z. B. an großen Wasserfällen, in Form voll elektrischer Spannung „auf Flaschen zu ziehen“ und sie daraus nach Bedarf und Belieben zu entnehmen, um sein Haus zu beleuchten, seine Maschinen, Locomotiven, Wagen und Schiffe zu treiben, sodaß Steinkohlen und Pferdekraft überwundene Standpunkte seien. Wie es scheint, hatte man die Bildung einer großen Actiengesellschaft im Auge und gedachte nach amerikanischem Vorbilde eine Anzahl Gimpel anzulocken, die ihre Gelder einem Zukunftsprobleme darleihen sollten.

Im Uebrigen ist die Erfindung nicht uninteressant und möglicher Weise nach bestimmten Richtungen verwertbar. Sie gehört zu den sogenannten secundären galvanischen Batterien, die vor langen Jahren in Deutschland erfunden und durch den französischen Physiker Gaston Planté zu einer bedeutenden Leistungsfähigkeit gebracht worden sind. Diese Batterien bestehen im Wesentlichen aus Bleiplattenpaaren, die in angesäuertem Wasser hängen und mit einer Elektricitätsquelle verbunden werden. Die zuströmende Elektricität wird gewissermaßen all diesen Bleioberflächen durch chemische Veränderungen, die sie daselbst erzeugen, gebunden, oder richtiger gesagt, es wird durch den Strom eine neue Säule von sehr starker Spannung erzeugt, indem sich auf der einen Seite Bleihyperoxyd bildet, welches mit metallischem Blei einen starken Strom liefert. Das Endergebniß gleicht also einer Aufspeicherung des Stromes, die sich dabei auch in verstärkter Intensität wieder gewinnen läßt. Familie Fauré hat nun verstanden, den Bleiplatten der Planté’-schen Secundär-Batterie eine größere Aufnahmefähigkeit zu geben, indem er ihre Oberfläche mit einer Schicht schwammigen Bleies bedeckte, und auf diese Weise konnte er eine Elektricitätsmenge, welche eine Stunde hindurch die Arbeit eines Pferdes leisten kann, in einer Säule von 75 Kilogramm Gewicht aufspeichern. Man sieht, das ist kein besonders großes Kraftquantum für ein so schweres Magazin, aber Fauré hofft die Leistungsfähigkeit der Säule noch steigern zu können, und dann könnte sie ja wohl ein geeignetes Mittel werden, um z. B. eine elektrische Eisenbahn oder ein Schiff zu treiben. Der berühmte englische Physiker Sir William Thomson in Glasgow bestätigte in der „Times“ vom 9. Juni, daß Herr Fauré ihm in einem solchen Kasten von einem Kubikfuß Inhalt eine Million Fußpfunde Elektricität übersandt habe, welche Kraftmenge anscheinend auf der zweiundsiebenzig Stunden langen Reise voll Paris nach Glasgow keine merkliche Verminderung erlitten habe. Nichtsdestoweniger bleibt die Phantasie, in solchen Behältern die Kraft der Wasserfälle zu verfrachten, sehr utopisch: denn es würde augenscheinlich viel geeigneter sein, sie durch Metallstangen fortzuleiten und die Fabriken, wie wir es schon früher in der „Gartenlaube“ betont haben, so nahe als möglich bei den Wasserfällen anzulegen, wie es ja in Schaffhausen und Bellegarde bereits geschehen ist.