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Extract-Schreibens aus dem Königreich China

Textdaten
Autor: unbekannt
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Titel: Extract-Schreibens / So auß dem Weitberühmbten gegen Auffgang gelegnem Königreich China in der Newen Welt / in Lateinischer Sprach / Vom 6. Februarii / im Jahr 1659. in Europa vmb das Jahr / 1662. angelangt
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Entstehungsdatum: um 1659
Erscheinungsdatum: 1662
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Erscheinungsort: München
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Quelle: Bayerische Staatsbibliothek, Sign. 4 H.as. 196; im VD17 unter der Nummer 12:643157N. Scans auf Commons.
Kurzbeschreibung:
Weitere Flugschriften des 17. Jahrhunderts
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[I]

Extract-Schreibens /
So auß dem Weitberühmbten gegen Auffgang
gelegnem Königreich China in der Newen Welt /
in Lateinischer Sprach/
Vom 6. Februarij / im Jahr 1659. in Europa
vmb das Jahr / 1662. angelangt.

München /
Bey Johann Wagner Buechhandlern zufinden.

[1] IN disem sich sehr weit außstreckendem Reich / lasset die Hand deß HERRN nit ab mit täglichen Wundern kräfftig zuwürcken. Daß Königreich China / welches der Historischreiber / vnd Weltkündigern Bericht nach / dem vierdten Thail der Welt / so Europa genennt / in der grösse gleichet / hat der Orientalische Tartar-Kayser nunmehr / vnd zu disen zeiten gantz vnder seinem Gewalt / und Herrschung; vnd ist auß dem fürnembsten Sinensischen Stammen niemand mehr übrig / von welchem dises Reich ainige feindliche thätlichkeit zubeförchten / ausser aines / welcher bißhero / gleichwol ohne glücklichen fortgang seiner Waffen / in nechst daran gelegnem Meer mit tausent Meerrauber-Schiffen dasselbig vnsicher stellet; sobald sich diser aber an das Gestatt nahet / vnd zu Land außsteigt / wird er von den Tartarn / als welche jhme an Kriegskunst vnnd Mannlicher stärcke weit überwachsen / nit ohne grosse Niderlag jedesmal wider zuruck getriben. Daß also durch gantz China der Tartar Kayser Xunchius[1] allainig herrschet / welcher zwar noch jung / aber wegen seines hocherleuchten Verstands / tugentlicher Sitten vnd fürnemmlich von der Gerechtigkeit sehr berühmbt ist. Der Societet JEsu Hauß vnd Kirchen allda hat er in kurtzer zeit schon achtzehenmal mit solcher Freundlichkeit besucht / daß sich alle Ständ deß Reichs höchlich darüber verwunderet. Christi vnd vnser lieben Frawen Bildnussen pflegt er jederzeit zuverehren / vnd daß jhme seine Hofherrn dißfalls folgen sollen / mit Befehl / vnd dem Exempel vorzuleuchten. Einsmals an dem Fest deß H. Fronleichnahmbs / hat er disem gleichfalls Ehr bewisen / an welchem Tag mit einem zierlich angestellten Umbgang vnnd Procession dises [2] Wunderwerck der Göttlichen Lieb herumb getragen worden / so in disem weitentlegnem Tartarischen vnd Haydnischen Reich bißhero noch niemand jemalen gesehen / oder erhört.

Vber das hat diser grosse König noch ein offentliches Edict / oder vilmehr ein Lobschrifft außgehen lassen / darinnen er nichts als der Europeer Lob in dem Göttlichen Gesatz / vnnd allerhand Wissenschaft herfürstreichet / vnd damit er sein wunderliche naigung gegen dem Christenthumb nur gnuegsamb an Tag gebe / dise Lobschrifft mit Sinenischen vnd Tartarischen Buechstaben in einen großen Stain eingehauet vor der Kirchen auffrichten lassen: massen er in Krafft diser Schrifft die Christliche Lehr offentlich zupredigen verwilliget / vnd befilcht / daß man die jhme bißhero bekandte rechtglaubige Europeer in disem jhren Werck nit allein nit verhindern / sondern noch über das jhnen in jhrem Weesen helffen / vnd an Hand gehen solle.

Auß seinen fürnembsten Hofherrn einer erinnerte disen Kayser einsmals / daß es wider der Sinensischen Kayser Hochheit vnd Würden seye / auß seinem Pallast zugehen / vmb willen ainiges Privathauß zubesuchen; (warunder er die Wohnung der Societet JEsu / dahin er öffters kommen / verstanden) damit aber diser grosse Potentat / vnd König offentlich an Tag gebe / wie wenig er die erjnnerung geachtet / hat er gleich folgenden Tags erstermelter Societet JEsu Kirchen vnd Hauß mit gleicher Freundlichkeit / als vorhero beschehen / widerumb zubesuchen keinen scheuhen getragen.

Diser Tartarische / vnd jetzt auch der Chinenser Kayser Xunchius / hat mehrermelter Societet JEsu in der grossen Königlichen Residentz-Statt Peckin bereit die ander newe Kirchen [3] erbawen lassen / mit gemessnem hohen Befelch / daß vor dero Porten oder Eingang alle Regenten vnd Herren / was hohen Stands vnd Würden die jmmer seyn / wann sie dahin kommen / von denn Pferdten / Wägen / vnd Tragsesseln oder Senfften darauff sie sitzen / abzustehn verbunden seyn sollen: ebnermassen / als gemainem LandsGesatz / Ordnung vnd Brauch nach vor der Kayserlichen Residentz jedermänniglich zuthun sich so berait / als schuldig erkennet. Ob der Kirchen Porten ist ein groß stainine Bildtnuß vnsers gecreutzigten Haylands / vnd zu beeden seyten zween Engel / so selbigen anbetten / vnder Augen gestellt.

Dises Kaysers grosse Huld / vnd allergnädigiste Bewilligung eröffnet nun dem Wort GOttes Thür vnnd Thor / mit solcher würckung / daß selbiges dermaln in mehrgedachtem Königreich vnd Kayserthumb mehr als vorhero jemaln geprediget / vnd von den vnglaubigen Völckern ohn allen scheuhen / vnd eintzige hindernuß zugelassen / gehört vnnd angenommen wird. Daß also von dises Chinensischen Kaysers so glücklichem anfang / vnd guten Gaben die gröste Hoffnung zuschöpffen / er selbsten werde einsmals durch die vnergründliche Güte vnd Barmhertzigkeit GOttes das Liecht der Evangelischen Warheit völlig erkennen / vnnd mit gesambtem seinem grossen Königreich China würcklichen annemmen[2].

ENDE.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Kaiser Shunzhi aus der Qing-Dynastie (1638–1661) pflegte freundschaftliche Beziehungen zum jesuitischen Missionar Adam Schall von Bell.
  2. Kaiser Shunzhis Toleranz ging immerhin so weit, dass er seine Kaiserin Xiao Hui Zhang (1641–1717) und seinen Kronprinzen, den späteren Kaiser Kangxi (1654–1722), taufen ließ.