Textdaten
Autor: Maximilian I.
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Titel: Ewiger Landfrieden
Untertitel:
aus: Quellensammlung zur Geschichte der Deutschen Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit, S. 281ff.
Herausgeber: Karl Zeumer
Auflage: 2. vermehrte Auflage
Entstehungsdatum: 7. August 1495
Erscheinungsdatum: 1913
Verlag: Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Tübingen
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Originalherkunft:
Quelle: Digitalisat des Deutschen Rechtswörterbuches
Kurzbeschreibung:
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Nr. 173. (148). Der sog. ewige Landfriede. — 1495, Aug. 7.

Nach Datt, De pace imperii publica S. 873-875; im einzelnen verbessert aus Altmann u. Bernheim, Ausgewählte Urkunden. 2. Aufl. Nr. 110, S. 254-258, wo ein gleichzeitiger Druck zugrunde gelegt ist, und aus NS. d. RA II, S. 3-6.


Wir Maximilian von Gots Gnaden Romischer Kunig, zu allen Zeiten Merer des Reichs, zu Hungern, Dalmacien, Croacien etc. Kunig, Ertzherzog zu Osterreich, Herzog zu Burgundi, zu Brabant, zu Lothering, zu Steyr, zu Kerndten, zu Crain, zu Lijmburg, zu Lutzenburg und zu Geldern, Grave zu Flandern, zu Habspurg, zu Tyrol, zu Phirt, zu Kyburg, zu Arthois und zu Burgundi, Phallenzgrave zu Henigaw, zu Holland, zu Seeland, zu Naumür und zu Zutphen, Marggrave des Heiligen Romischen Reichs und zu Burgaw, Landgraf zu Elsas, Herre zu Frießland, auf der windischen Mark, zu Portenaw, zu Salins und zu Mecheln, embieten allen und yecklichen Unsern und des Hailigen Reichs Churfürsten, Fürsten, gaistlichen und weltlichen, Prelaten, Graven, Freyherrn, Rittern, Knechten, Hauptlüten, Vitzthumben, Vögten, Pflegern, Verwesern, Amptlüten, Schulthaissen, Burgermaistern, Richtern, Räten, Burgern und Gemainden und sunst allen andern Unsern und des Reichs Undertanen und Getrewen, in was Wirden, Stats oder Wesens die sind, den diser Unser Koniglicher Brief oder Abschrifft davon zu sehen oder zu lesen fürkompt oder gezaigt wirdt, Unser Gnad und alles Gut. Als Wir hievor zu der Höche und Last des Hailigen Römischen Reichs erwelt und nu zu Regierung desselben komen sind und vor Augen sehen stäte, onunderlässige Anfechtung gegen der Cristanhait, nu lang Zeyt geübt, dardurch vil Küngreich und Gewält cristanlicher Lande in der Unglaubigen Gehorsam pracht sein, also das sy ir Macht und Herrschung bis an die Grenitzen Teutscher Nacion und des Hailigen Reichs erstreckt, dartzu sich auch dis Zeit mercklich Gewält erhebt haben Unserm hailigen Vater Babst und der Römischen Kirchen Stet, Landtschaft und Widem Güter, auch ander des Hailigen Reichs Landtschaft und Oberkait gewaltigklich überzogen haben, darauß nit allain dem Hailigen Reich, sonder auch der gantzen Cristanhait swere Minderung, Verwüstung und Verlust der Selen, Ern und Wirden erwachsen; wa nit mit stattlichem, zeytigem Rat dagegen getrachtet und zu Fürdrung desselben stathaftiger, versencklicher Fride und Recht im Reich aufgericht und in bestentlichem Wesen erhalten und gehandthabt wurden: darumb mit ainmütigem zeytigem Rat der erwirdigen und hochgepornen Unser lieben Neven, Ohemen, Churfürsten, Fürsten, gaistlichen und weltlichen, auch Prelaten, Graven, Herren und Stende haben Wir durch das Hailig Reich und Teutsch Nacion ainen gemainen Friden fürgenomen, aufgericht, geordnet und gemacht, richten auf, ordnen und machen den auch in und mit Crafft dis Briefs:

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§ 1. Also das von Zeit diser Verkündung niemand, von was Wirden, Stats oder Wesens der sey, den andern bevechden, bekriegen, berauben, vahen, überziehen, belegern, auch dartzu durch sich selbs oder yemand anders von seinen wegen nicht dienen, noch auch ainich Schloß, Stet, Märckt, Bevestigung, Dörffer, Höff oder Weyler absteigen oder on des andern Willen mit gewaltiger Tat frevenlich einnemen oder gevarlich mit Brand oder in ander Weg dermassen beschedigen sol, auch niemands solichen Tätern Rat, Hilf oder in kain ander Weis kain Beystand oder Fürschub thun, auch sy wissentlich oder gevarlich nit herbergen, behawsen, essen oder drencken, enthalten oder gedulden, sonder wer zu dem andern zu sprechen vermaint, der sol sölichs suchen und tun an den Enden und Gerichten, da die Sachen hievor oder yetzo in der Ordnung des Camergerichts zu Außtrag vertädingt sein oder künftigklich werden oder ordenlich hin gehörn.

§ 2. Und darauf haben Wir all offen Vechd und Verwarung durch das gantz Reich aufgehabt und abgethan, heben auch die hiemit auff und thun die ab von Römischer Koniglicher Macht Volkommenhait in und mit Crafft dis Briefs.

§ 3. Und ob yemand, was Wirden oder Stands der oder die wärn, der wider ains oder mer, so vorgemelt im nechsten Artickel gesetzt ist, handeln oder zu handeln understeen wurden, die söllen mit der Tat von Recht zusampt andern Penen in Unser und des Hailigen Reichs Acht gefallen sein, die Wir auch hiemit in Unser und des Hayligen Reichs Acht erkennen und ercleren; also das sy, ir Leyb und Gut allermenigklich erlaubt und niemands daran freveln oder verhandeln sol oder mag. Auch alle Verschreibungen, Pflicht oder Bundtnus inen zustende, und darauff sy Vordrung oder Zusprüch haben möchten, söllen gegen den jhenen, die in verhafft wärn, ab und tod, auch die Lehen, sovil der Uberfarer der gepraucht, den Lehenherrn verfallen, und sy dieselben oder derselben Tail, so lang der Fridbrecher lebt, im oder andern Lehenserben zu leichen oder den seinen Tail der Abnutz volgen zu lassen, nicht schuldig sein.

§ 4. Und ob Churfürsten, Fürsten, Prelaten, Graven, Herren, Ritterschafft, Stet oder ander, in was Stands, Wirden oder Wesens ain yeder sey, gaistlich oder weltlich, oder die iren wider disen Friden beschedigt wurden, und die Täter nit offenbar, sonder yemand der verdacht wär, auch die Clager sy des nit beweysen wölten, und doch auß redlicher Anzaigung in Verdacht stünden, söllen und möchten der Churfürst, Fürst, Prelat, Grave, Herr, Ritterschafft oder Stet, dem oder des Mannen, Prelaten, Graven, Herrn, Ritterschafft, Undertanen oder Verwanten Schaden beschehen wäre, den oder dieselben beschreyben und fur sich vertagen, Entschuldigung mit dem Ayde von demselben zu nemen. Und ob der oder die Verdachten sich der Entschuldigung in ainich Weg widerten oder auf die Vertagung nicht erscheinen wölten, so söllen sy der Beschedigung und Fridbruchs schuldig gehalten und afftermals gegen inen laut dis Gebots müge gehandelt werden. Doch so solt der selb Churfürst, Fürst, Prelat, Grave, Herr, Ritterschefft oder Stet dem oder denselben ungevarlich Glait zuschreiben ab, bey und zu solichen Tagen bis wider an ir Gewarsami für sy und alle die jhenen, so sy mit inen zu solchem Tag brechten, ungevarlich. Und ob man die Tagesbrief inen nit möcht zu Handen bringen, so soll man die an zwayen oder dreyen Enden aufschlahen, da sy zuversichtlich Hendel und Wesen hetten. Ob auch wider disen Friden und Unser Gebot yemand beraubt, beschedigt und Zugriff geschehen wurde, so sollen alle die jhenen, die des zu frischer Tat ermant oder sunst innen wurden, mit Macht nacheylen und mit vleissigem Ernst gegen solichen Beschedigern handeln und fürnemen, als wer es ir selbs Sach, dieselben zu Handen zu bringen.

§ 5. Es sol auch solich Täter und Fridbrecher niemand hawsen, herbergen, essen, drencken, enthalten, Fürschub thun in seiner Oberkait, Aigenthum und Gebieten, sonder dieselben annemen und zu inen mit dem Ernst von Ampts wegen richten und auch auff menigklichs Klag, Rechts ungesaumpt von inen helffen, dawider sy nicht schützen, schirmen oder fürtragen sol ainich Trostung, Sicherhait, Freiheit oder Glait; wann sy des alles ausserhalb Verwilgen des Widertails unempfencklich sein und nit geniessen söllen in kainen Weg, wann wir in allen Trostungen, Sicherhaiten, Furwörten und Gelaiten von wem die gegeben werden, solichen Fridbruch wöllen ausgenomen und darinn nit begriffen haben.

[283] § 6. Und ob die Täter und Überfarer dis Fridens Enthalt, Bevestigung oder sunst dermassen Fürschub oder Gunst heten, also das statlicher Hilff oder Veldzugs Not wäre, auch ob yemand in disem Landtfriden begriffen, von was Stands, Wird oder Wesens der wäre, gaistlich oder weltlich, von yemand, den diser Landtfrid nit begriff, bevechdt, bekriegt oder sunst beschedigt, oder die Täter und Beschediger hawsen, enthalten oder den Hilff oder Beylegung thun wurd, dasselb sol durch die Beschedigten oder auch Unsern Camerrichter an Uns oder Unsern Anwalt und die järlichen Versamblung der Churfürsten, Fürsten und Stende des Reichs pracht werden; daselbs den Bekriegten oder Beschedigten unvertzogenlich Hilff und Beystand oder Rettung beschehen sol. So aber der Handel mit Überzug oder sunst dermassen gestalt sein wurd, das der järlichen Sambnung auß Notturfft nit zu erbaiten wär, geben Wir hiemit Macht Unserm Camerrichter von Unsern wegen, Uns und die Churfürsten, Fürsten und Stende des Reichs furderlich an gelegen Malstat zu beschreyben, dahin Wir und sy oder Unser und ir Anwälte treffenlich komen oder mit Macht schicken wöllen und söllen, davon wie obstat zu ratschlagen und zu handeln. Doch sol und mag nicht destminer Unser Camerrichter und Camergericht alltzeyt auff Anrüffen der Beschedigten und Bekriegten oder auch von Ampts wegen wider Überfarer und Fridbrecher wie Recht procediern.

§ 7. Und als vil Raysig und Fußknecht sind, der ains Tails gantz kain Herrschaft haben, auch ettlich Dinsts verpflicht, darinn sy sich wesentlich doch nicht halten, oder die Herrschaffte, darauff sy sich versprechenn, ir tzu Rechte und Billichait nit mächtig sein, sonder in Landen irm Vortail und Reuterey nachreyten, ordnen, setzen und wöllen Wir, das hinfüro solich Raisig und Fußknecht in dem Hailigen Reich nicht söllen geduldet oder aufenthalten, sonder, wa man die betreten mag, so söllen sy angenommen, herttigklich gefragt und umb ir Mißhandlung mit Ernst gestrafft und auf das wenigst ir Hab und Gut angenomen, gebewtet und sy mit Aiden und Bürgschafften nach Notturft verbunden werden.

§ 8. Item ob gaistlich Personen, des Wir Uns in nit versehen, wider disen Unsern Friden und Gebot handeln wurden, so söllen die Prelaten, die on Mitel ordenlich Gerichtszwang gegen inen haben, si auff Ansuchen des Beschedigten ungesaumbt daran halten, Kerung und Wandel der Schäden zu tun, so verr sein Vermügen raicht, und sy hertigklich umb die Uberfarung straffen. Und ob dieselben sewmig, und die Täter nit gestrafft wurden, so setzen Wir sy, auch die Täter, hiemit auß Unser und des Reichs Gnad und Schirm, wölten sy auch als Irrer des Fridens in irer Widerwertigkait nit versprechen oder vertädigen in kainen Weg. Doch sol inen die Entschuldigung, ob sy verdacht wärn, wie von den Weltlichen obstet, auch zugelassen werden.

§ 9. Es sol auch wider disen Friden niemand mit Verschreibung, Pflichten und in ainich ander Weg verbunden sein oder werden, die Zeyt dis Landtfridens, wann Wir solichs alles von Crafft Unser Koniglichen Oberkait craftlos und unbündig erkennen und erkleren, doch sol dasselb in andern Stucken, Puncten und Artickeln derselben Verschreibung, Pflicht oder Verbundtnus irer Inhalt unverletzlich und unschädlich sein. Und sol diser Landtfriden niemand an seiner aufrichtigen Schuld Verschreibung nemen oder geben, geben oder nemen. Und welcher oder welche also durch Verwürckung, wie vor und nach steet, in Acht komen, die söllen auch von Uns davon nit absolviert werden, dann mit Willen des Beschedigten, der oder die brechten sich dann mit Recht darauß.

§ 10. Und darauf empfelchen Wir allen und yeden obgeschriben euch auch hiemit auß Römischer Koniglicher Macht bey den Aiden und Pflichten, die ir Uns von des Reichs wegen insonderhait getan und bey der Gehorsam, ir Uns als Römischen Konig schuldig seid, und bey Verlust aller Gnaden Privilegien und Rechten, so ir von Uns und dem hailigen Reich oder andern habt, ernstlich und vestigklich gebietende, das ir diesen obgeschriben Friden und Unser Gebot mit allen Puncten, Artickeln und Inhalt stät und vest halten, auch durch ewer Fürstenthumb, Graveschafft, Herrschaft, Gebiet, und was jecklicher in Regierung und Bevelch hat, mit ewren Amptlüten, B Vitzthumen, Pflegern, Verwesern, Stathaltern, wie die Namen haben, auch ewrn Undertanen zu halten und tzu voltziechen ernstlich schaffet und bestellet, daran nit sawmet, noch dawider trachtet oder tut haimlich oder offenlich in kain Weis, alle vorgemelt

[284] zusampt andern Penen der gemainen Reichs Recht, der Koniglichen Reformacion[1] und Unser swär Ungnad zu vermeiden.

§ 11. Wir setzen auch hindan alle und yecklich Gnad, Privilegia, Freyhait, Herkomen, Bundtnus und Pflicht, von Uns oder Unsern Vorfarn am Reich oder andern hievor außgangen und verfaßt, in dem und die in ainich Weis wider diesen Unsern Friden gesein oder getun möchten, mit was Worten, Clauseln, Mainungen die gesetzt oder gepflichtigt wären, die Wir auch auß Römischer Koniglicher Macht Volkomenhait hiemit hindan setzen, und wöllen, das sich niemand, von was Wirden, Stands oder Wesens der sey, wider disen Friden und Gebot durch solich Gnad, Freyhait, Herkomen oder Verbundtnus schützen, schirmen oder verantwurten soll oder mag, in kain Weis.

§ 12. Und sol diser Frid und Gebot dem gemainen Unserm und des Reichs Recht und andern Ordnungen und Geboten vormals außgangen nit abbrechen, sonder das mern und auff Stund yederman nach diser Verkündung den zu halten schuldig sein.

Hiebey sind gewesen Unser lieb andechtig Neven, Öhemen, Swäger und getrewen Churfürsten, Fürsten und Fürsten Botschaften, Prelaten, Graven, Herren, Ritterschaft und der Stet Sendboten in treffenlicher Anzal. Mit Urkund dis Briefs besigelt mit unserm Koniglichen anhangenden Insigel. Geben in Unser und des hailigen Reichs Stat Worms, am sibenden Tag des Monets Augusti, nach Cristi Gepurd XIIII C. und im XCV, Unser Reich des Römischen im X. und des Hungrischen im VI. Jarn.


  1. Hierunter ist wohl die sog. Reformation Friedrichs III. oben Nr. 166 zu verstehen.