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Erklärung etlicher Wörter / welche zwar gleich lauten / aber vngleichen Verstand geben

Textdaten
Autor: Christoph Speccius
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Titel: ORTHOGRAPHIA GERMANICA: Erklärung etlicher Wörter / welche zwar gleich lauten / aber vngleichen Verstand geben
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Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1631
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Drucker: Wolffgang Endter
Erscheinungsort: Nürnberg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: MDZ München, im VD17 unter der Nummer 12:656656Y
Kurzbeschreibung:
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Orthographia Germanica (Speccius).jpg
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Editionsrichtlinien:

ORTHOGRAPHIA GERMANICA,
Das ist:
Erklärung etlicher Wörter / welche zwar gleich lauten / aber vngleichen Verstand geben / vnd derowegen im
Schreiben billich sollen vnterschieden werden / genommen aus Johan. Werneri Manuductione Orthographica, vmb
kürtzerer Nachrichtung in diese Form übergesetzt / vnd mit andern Exempeln erklärt.
Zu sonderbarn Ehrn aber vnd nützlicher Beförderung der Kunst recht vnd wol zu schreiben
Derer Respectivè Edlen / Ehrnvesten vnd Hochachtbarn Pauli Tuchers Patricii Norib. Jodoci Pragers / vnd Georgii Höns / Handels-
manns in Nürnberg / deß Grössern Raths Genandten / meiner Großgünstigen Günstigen Herren vielgeliebten Söhnen: Johanni Sebastiano Tucher /
Joachimo Prager / vnd Georg. Christophoro Hön / mit Wünschung Göttliches Gedeyens consecrirt vnd dedicirt
Durch
M. Christophorum Speccium, Scholæ Laurent. Coll.


An Also geschrieben heist / oder bedeutet so viel / als: Zu Zum Exempel: An dein Vatter schreib dein Zustand /
Ohn wider / nicht mit Ohn jhn nim nichts gwiß für die Hand.
Aug damit man sihet Ein zartes Glied ist zwar ein Aug /
Auch vnd / nit allein Nicht weniger Weiber Brüst Auch.
nam Speiß zu mir An eim gsunden Ort ich /
Aaß toder Cörper Nicht da es stinckt / als wie ein Aaß.
Bar mit einander Wer Bar außzahlt viel Frewd erweckt /
Par zwey Ding Ein Par Vögl für den Hungr nit gleckt /
Bahr darauff die Toden ligen Der auff der Bahr in d’ Erd wird gsteckt.
Bein Fuß Man zerbricht bald vnd gschwind ein Bein /
Pein Schmertz Aber man fühlt lang Schmertz und Pein.
Bis Bis zu Schweig und leyd Bis zu deiner Zeit /
Biß Bissen Speiß Der sawre Biß bringt dir noch Frewd.
Breit Ein- oder Schubreit Das Tuch lobt man / das dick und Breit /
Bräut Hochzeiterin Nicht minder auch die schönen Bräut.
Brätlein gebraten Fleisch Ein Brätlein kan man essen bald /
Bretlein von Holtz Bretlein hobeln braucht Müh vnd Gwalt.
Beid Zween Es sehen die Soldaten Beid /
Beut Raub Wo zu finden sind gute Beut.
Boten Außgesandte Viel böß verschlingen die Boten /
Boden vnter dem Dach Bis Korn bringen vff jhrn Boden.
Buch darein man schreibt Kein Runtzel findstu in meim Buch /
Bug Krümme In deinem manch Falten vnd Bug.
Das wann man etwas zeigt Das Gebet thut ein Christ zu Gott /
Daß auff daß / dieweil Daß Er jhm hilfft auß seiner Noth.
Den diesen / welchen Den Herrn wil ich lobn vnd ehrn /
Denn dann / dieweil Denn er thut mir viel guts beschern.
Dach Deck vff dem Hauß Ein jeder findt auff seinem Dach
Tag Tagzeit Glück vnd Vnglück zwar [..] Tag.
Ehr Lob / Ruhm Mancher meynt / er hab davon Ehr /
Öhr Handhebe Wann er viel Fädn steckt durch Nadlöhr.
Eichen Baum Diß Faß / so gemacht von Eichen /
Eigen einem zugehörig Ist noch nit mein vnd recht Eigen /
Eugen mässen / ohmen Wils zuvor mässen vnd Eugen.
Eulen Vögel Wer fangen wil wilde Eulen /
Eilen geschwind thun Muß nit zu sehr damit Eilen.
Eyer von den Hünern Lieber Baur jhr habt zwar viel Eyer /
Ewer deß andern Esst sie doch nicht / obs gleich sind Ewer.
Frewen frölich seyn Ein Jungfraw thut sich sehr Frewen /
Freyen werben / verheyraten Wanns hört / daß man sie wil Freyen.
Fühlen empfinden Die Soldaten thätens Fühlen /
Fielen vmbfallen Als jhrer viel tod hin Fielen.
Gaab Geschenck Ein Fürstlich Præsent / Gschenck vnd Gaab /
Gab empfangen oder geben Ist das / sprach ich / als er mirs Gab.
Haab Güter Nun mehret sich mein Gut vnd Haab /
Hab inhändig haben Weil ich das Gschenck empfangen Hab.
Haaß Thier im Wald Wann gfangen wird ohn gfehr ein Haaß /
Haß Neyd Entsteht darauß offt Neyd vnd Haß.
Ihm demselben Er meynt man erzeig Ihm Freundschafft /
Im In Vnd bleibt dardurch Im Hauß verhafft.
Ihn denselben Ich wil Ihn lobn / so lang er lebt /
In In In Teutschland seins gleichen nit schwebt.
Können vermögen Zu euch wir doch nicht kommen Können /
Kennen wissen / erkennen Ob jhr vns gleich für Freund wolt Kennen.
Ligen Ruhen Wer Arbeit flieht vnd wil Ligen
Lügen Vnwarheit Lang im Beth / sagt endlich Lügen.
Leite Anweisen Zu gutem HErr mich stets Leite /
Leute Menschen So loben mich fromme Leute /
Leyde außstehen Förcht auch nit / daß ich Schadn Leyde.
Man Ist ein nota verbi impersonalis. Den Einfältigen zwar lobt Man /
Mann Mannspers. Der jhm guts thut / wo ist der Mann?
Meer Wasser Wer Vnglück glitten ouff dem Meer /
Mehr Vielmehr Hüt sich vnd begert drauff nicht Mehr.
Meinen was mir zugehörig Guts wil ich thun stets von den Meinen
Meynen Achten / darfür halten Kirchen vnd Schuln / wanns viel nit Meynen.
Nein mit nichten Daß ein Pfenning soll reichn so weit /
Neun die Zahl nach Achte Als Neun / sag ich Nein zu der zeit.
Rad am Wagen Wann man bricht auff dem Weg ein Rad /
Rath Rathschlag Kan man nicht fort / sucht Hülff vnd Rath.
Riemen von Leder Weil man dich vmbführt an Riemen /
Rühmen Preisen Kanstu dein Freyheit nicht Rühmen.
Seen Saamen außwerffen Welche hie mit Threnen Seen /
Sehen mit Augen anschawen Werdn dort mit Frewd die Ernd Sehen.
Sein Ihm zugehörig Sein Kunst hilfft jhm zu Gut vnd Geldt /
Seyn Erzeigen / bleiben Daß er kan reich Seyn in der Welt.
Siech Aussätzig Der räudig ist / oder gar Siech /
Sieg Oberhand Taugt nit in Krieg / erhält kein Sieg.
Schwähr Meines Weibs Vatter Daß ein Eydam stets liebt sein Schwähr /
Schwer Mit Mühe Bedarff Kunst / dunckt mich seyn was Schwer.
Staal Von Eysen Mit dem Messer von Staal gemacht /
Stall Darinnen das Viehe ist Hab ich im Stall viel Schaaff vmbbracht.
Stadt [..] Häuser Jederman findt in dieser Stadt /
Statt Ein Stell / Gelegenheit Da er [..] Statt.
Thür Thür am Hauß Wer nicht eingeht zur rechten Thür /
Thier Allerley Vieh Stilt Lämmer / Schaaff vnd andre Thier.
Teich Wasser Viel Fisch findt man in diesem Teich /
Teug Faul / angestossen Dabey auch gute Birn Teug.
Tück Arglistigkeit Mancher erdencket böse Tück /
Dick Fett Wird dardurch reich / auch feist vnd Dick.
Waar Ohne falsch Gottes Wort leydt kein falsch / bleibt Waar /
Wahr Kauffmanns- Krämer-Wahren Ob man gleich fälschet andre Wahr.
Wirth Gastgeb Solt auch wol seyn jrgend ein Wirth /
Wird werden Der nicht die Zeche rechnen Wird?
Wider Entgegen / zuwider Wider mich nimbst du böses für /
Wieder Wiederumb / noch ein mal Drumb kehr ich nicht Wieder zu dir.
Weyde Weydenbaum Die schöne vnd grosse Weyde /
Weite Fern oder weite wohnung Stehet von vns nicht gar Weite.
Wenn Wann / zu welcher zeit Wenn mich je einer fragen wolt /
Wem Welchem Wem er heutigs tags trawen solt /
Wen Was / welchen Wen du meynst / sprech ich / der dir holdt.
Zeen An den Füssen An deinen Füssen hastu Zeen /
Zehen An der Zahl Zähl sie / nicht neun / sondern Zehen.
Ziegel Auff dem Dach Vom Ziegler hole DachZiegel /
Zügel Zaum Vom Satler aber PferdZügel.
Zeichen Merckmal / Denckzeichen Das ist ein recht WunderZeichen /
Zeigen Weisen Das du mir da hast thun Zeigen /
Zeugen. Zeugnuß geben Ach daß es möcht vom Fried Zeugen!


Folgen 2. nützliche Erinnerung zur Schreibkunst dienstlich.

I. Wann ein Wort fürkompt / so Pluralis Numeri ist / vnd man weiß nicht / wie dasselbe soll geschrieben werden / so bedencke man sich / wie es in Singulari Numero habe / so wird es sich selbsten geben / wie es wil geschrieben seyn. Zum Exempel: Ich wil die Bräut sehen. Wer hie zweiffelt an dem Wörtlein Bräut / ob es also recht geschrieben sey / oder nur mit einem schlechten E / nemlich also Breut / der gedencke: In Singulari Numero sage ich Braut. Wird derowegen mit einem ä geschrieben. Deßgleichen wer zweiffelte / ob Völcker also recht geschrieben were / der gedencke / daß ich in Singulari Numero sage: Ein Volck. Muß derowegen in Plurali Numero mit einem ö geschrieben seyn.

II. Hab ich ein Adjectivum, daran ich zweiffele / als: Lästerhafftig / Schädlich / etc. So bedencke ich / weil es von dem Substantivo Laster / Schade / herkompt / so muß es mit einem ä geschrieben seyn / vnd nicht mit einem schlechten E. Vnd also verfährt man auch mit den Verbis, vnd andern Wörtern mehr. Sed manum de Tabula. Atq;

His illos doceo pennâ qui præpete scribunt,   Hiemit gib ich klaren Bericht /
Illustrans vocum significata notis.   Daß man im Schreiben jrre nicht.
Gedruckt zu Nürnberg / Durch Wolffgang Endter /
Im Jahr Christi
M. DC. XXXI.