Erinnerungen aus der Dresdner Kunstausstellung v. J. 1804

Textdaten
Autor: Unbekannt
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Titel: Erinnerungen aus der Dresdner Kunstausstellung v. J. 1804.
Untertitel:
aus: Journal des Luxus und der Moden
Herausgeber: F. J. Bertuch und G. M. Kraus
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1804
Verlag: Landes-Industrie-Comptoir
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Erscheinungsort: Weimar
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Quelle: Commons
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Kataloge und weitere Rezensionen siehe: Kataloge der Jahresausstellungen der Kurfürstl./Königl. Sächsischen Akademie der Künste
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[228]

Erinnerungen aus der Dresdner Kunstausstellung v. J. 1804.

Gleichwie man leider! schon lange nicht mehr mit jenem Korinthischen Gesandten (nach Thucidides Bericht) zu behaupten vermöchte, daß in der Kunst allezeit das letzte den Vorzug verdiene, so würde wohl ebenfalls in Ansehung der mehresten Kunstausstellungen nicht zu sagen seyn, daß die neueste sich gemeiniglich als die beste zeige. Notwendig müssen sie mit der ermatteten Kunst gleichen Schritt halten[1].

Wollen Sie dieses, theurer Freund, für die Einleitung zu meinem Vorhaben ansehen, so kann ich nicht dafür, ich gebe es bloß für eine Wahrheit aus, die sich – zufällig in meine Feder geschlichen hat, und von der ich, um nicht tiefer in die verfängliche Sache hinein zu gerathen einen kecken Sprung nach der diesjährigen Dresdner Kunstausstellung wage. [229]

Ohngeachtet man ihr ein Zimmer mehr, als im vorigen Jahre eingeräumt hatte, war doch die Gemäldeanzahl vielleicht geringer. Zu einer genauern Angabe müßte ich den vorjährigen Katalog bei der Hand haben. Wie gewöhnlich, bestanden die Ausstellungen hauptsächlich in Portraits und Landschaften, ja letztre waren großentheils wieder nur Portraits. Um so mehr wurden des noch hier anwesenden, vortrefflichen Landschaftmalers Mechau schöne Kompositionen vermißt. Herr Veith und noch einige geschickte Landschafter, waren mit ihren Zeichnungen ebenfalls ausgeblieben. Ueberhaupt wurden noch manches Künstlers Arbeiten vergebens gesucht, und wenn man schon Verzicht gethan hat, die hiesige Ausstellung einmal durch ein Kunstwerk des verdienstvollen Hartmann verschönert zu sehen, so durfte man doch zeither den heitern Eindruck der graziösen Pastellgemälde von Demoiselle Stock niemals entbehren. Allein auch von dieser Künstlerin war das allgemeine Verlangen danach diesmal übersehen worden.

Dagegen bewies der brave Pochmann, von dem im vorigen Jahre keine Erfindung hier zu sehen war, durch ein großes Oelgemälde, das zu den vorzüglichsten der Ausstellung gehörte, den Nutzen seiner Reise nach Italien und Frankreich. Seine Venus mag mir daher auch zum Uebergange auf einige einzelne Gemälde dienen. Herr P. hat die Göttin der Liebe sitzend dargestellt, wie die Grazien sie schmücken und ein ungemein lieblicher Amor ihr einen Spiegel vorhält. Zwei Grazien sind beschäftigt mit Blumen und Perlen für den Haarputz der Göttin, und die dritte ist eben in Begriff ihr Sohlen an die Füße zu binden.

An dem Ganzen war eine noch bessere Harmonie zu bemerken, als an des Künstlers frühern mythologischen Darstellungen, [230] auch wurde seine lobenswerthe Zeichnung von einer kräftigern Karnation, und, besonders in den Gewändern der Huldgöttinnen, von einer schönern Anordnung begleitet. Der Kunstfreund konnte Herrn Pochmann Lob- und Glückwunsch kaum versagen, und die mehrsten Einwendungen, die sich vernehmen ließen, möchten weniger des Künstlers geschickter Ausführung, als seinem Gegenstände, einigermaßen sogar den Forderungen des Zeitalters, zur Last fallen. Das Gemälde besteht aus fünf Figuren, von denen vieren der Ausdruck weiblicher Schönheit gebührt[2], und die fünfte (der Amor) wenigstens nicht das geringste an sich hat, um einen Gegensatz herzugeben. Auf Wirkung eigentlicher Kontraste war daher gar nicht zu rechnen, alles mußte durch leise Abstufung hervor gebracht werden. Wirklich hatte auch Herr P. die Göttin der Liebe in einen höhern Glanz gestellt. Weil man sich jedoch bei seiner Venus immer noch eine höhere Schönheit denken konnte, so waren die großen Ansprüche, welche die Huldgöttinnen mit Recht machen, etwas beeinträchtigt worden, wenn solche auch schon wie recht hübsche Mädchen aussahen. Um nun die Gebieterin noch mehr von den Dienenden zu unterscheiden, hatte Herr P. die letztern in Kleidung dargestellt, eine Nothhülfe, dem Künstler zu verzeihen, der aller andern Kontraste beraubt gewesen, wenn er auch nicht für die Grazien im Gewande, einige Stellen des Pausanias anführen könnte. Daß Hr. P. aber die Grazien des Abstichs wegen bekleidet, [231] schien daraus noch deutlicher zu werden, daß er, da er für den rechten Schenkel der Venus ein Gewand nöthig geglaubt, statt der dieser Göttin gewöhnlichen weißen, die Farbe der Rose gewählt hatte, weil diese dem schönen Fleische am ähnlichsten war. –

Ueberhaupt könnte mancher Tadel dadurch vielleicht noch gemildert werden, daß Hr. P. gar nicht von den strengen, idealen Formen des Altertums ausgegangen zu seyn, vielmehr sein Streben darein gesetzt zu haben scheint, das Schöne aus unsrer Wirklichkeit zu entlehnen; wahrscheinlich um so eher der schlaffen, und so wenig idealen Zeit in der wir leben, einigen Beifall abzugewinnen.[3]

Bei weit wenigerm Gelingen, wurde es gegenwärtig schon ein wahres Verdienst gewesen seyn, eine Arbeit von solchem Umfange zu versuchen.

Einstimmig beklagte man, kein Pochmannsches Portrait auf der Ausstellung zu finden.

Herr Tischbein aus Leipzig hatte drei Oelgemälde geliefert, worunter eins von ansehnlicher Höhe, das Amorn vorstellte, wie er Psychen verläßt, das bedeutendste war. Das Auge nach ihr gekehrt, erhebt sich der Jüngling in die Luft, während das Mädchen bekümmert an der Erde aufblickt. Hr. T. scheint das Geistige in Psychens Auge durch den zarten, fast zerfließenden, blassen Körper noch mehr [232] herrschend haben zeigen wollen, wogegen er von dem Amor viel Blut und irdisches Leben durchschimmern lassen. Der Künstler hatte noch ein weibliches Brustbild und eine in Oel entworfene Himmelfahrt ausgestellt, worauf die Gruppe der Jünger das vorzüglichste schien. Statt aufzuschweben, war es, als ob der Erlöser eher aus den Wolken herabsänke, welches von dem schweren weißen Tuche herrühren mochte, von dem die rechte Schulter wie niedergebogen wurde.

Herr Grassi erhält sich das Verdienst, die Dresdner Ausstellung vorzüglich schmücken zu helfen. Vier Gemälde in Oel, drei Portraits und eine allegorische Figur waren von ihm da. Letztere bestand in einem weiblichen, in Wolken schwebenden Wesen, welches zu einer sonderbar gestalteten Leier den Abendstern zu besingen scheint. Blaue und weiße Gewänder umhüllen leicht und reizend einen Theil der schönen Figur, deren besondrer Glanz die höhere Sphäre verrathen würde, wenn das in den Himmel versunkene, von lichtblonden Haaren umflossene Gesicht es nicht schon deutlich genug ausspräche. Aus einiger Ferne thut dies Gemälde einen großen Effekt.

Das schönste jedoch, was der Künstler diesmal hervorgebracht, ist ein weibliches Brustbild nach der Natur. Sie können kaum mehr Liebreiz und zartes Leben in einem Köpfchen beisammen finden. Der in dem blonden Haare befestigte Pfeil schien auf die Wirkungen der wunderschönen dunkeln Augen anzuspielen. Der braungelbe Shawl, auf einem blaßblauen Kleide, das sich dem feinen Nacken anschloß, verstärkte die Wirkung des trefflich kolorirten Gesichts. Gegen die Stellung möchte sich manches einwenden lassen. Zwar wäre ein solches Zurückblicken über die Schulter wohl denkbar, allein nur aus Augenblicke. Warum aber eine [233] momentane, gewaltsame Attitüde in einem Portrait zur dauernden machen? hätte ich den einsichtsvollen Künstler fragen mögen, zumal an dieser Figur, deren schwanke, geistige Form auf große Beweglichkeit schließen läßt. Ueberhaupt sollte der Ausspruch des scharfsinnigen Diderot: „ein anders ist eine Attitüde, ein anders eine Aktion; jede Attitüde ist falsch und klein,“ von jedem Maler beherzigt werden.

Von zwei männlichen Portraits, welche Hr. Grassi noch heraufgegeben, zeichnete sich das eine besonders dadurch aus, daß der Dargestellte neben einem Fenster im Schatten stand, und bloß auf seine linke Gesichtsseite und die eine Hand ein heller Lichtstreif fiel. Der verständige Künstler hatte dieses vielleicht gethan, weil er die stark ins Braune fallende Gesichtsfarbe seines Originals auf diese Weise unbestimmter lassen konnte.

An Graffs 4 Oelgemälden würden Sie fortdauernd den Eifer des würdigen Mannes bewundert haben. Es waren drei männliche und ein weibliches Portrait. In Ansehung des künstlerischen Gelingens wurde ich einem in einen Mantel gehüllten jungen Manne (dem einzigen bloßen Brustbilde) den Vorzug gegeben haben, wenn die andern drei nicht ebenfalls ihre Vorzüge gehabt hätten. Besonders gefiel mir die Art, wie der bekannte Schriftsteller, Herr Falk, in Handlung gebracht war. Nachsinnend saß er in einem blauen Oberrocke, die Hände über den Knien zusammen gefaltet. Das angenehm Nachlässige der Figur bildete einen glücklicken Kontrast, mit einem andern, übrigens sehr schön und frisch behandelten Violoncellisten, der sich seine Baßgeige zwischen die Beine malen lassen. Die noch von Hrn. G. dargestellte Schauspielerin Madam Hartwig [234] schien die meiste Sensation aufs Publikum zu machen. Der Künstler hatte den Augenblick erwählt, wo Ariadne vor dem Blitze auffährt, und den Gemüthszustand der Erschütterten mit großer Wahrheit ausgedrückt. Er hatte zu dem die Gesichtsform der Dargestellten, zugleich mit möglichster Kühnheit, und Delikatesse behandelt, und in eine Ariadne wie er sich solche gedacht haben mochte, die Individualität der beliebten Künstlerin so gut zu legen gewußt, daß diese durchaus nicht verkannt werden konnte. Er gab damit ein schönes Beleg zu der in Reynolds Reden über das Studium der Malerei enthaltenen Behauptung, daß selbst in Portraits Grazie und Aehnlichkeit mehr durch Auffassung der Hauptmiene, als durch genaue Nachbildung jedes einzelnen Zugs bewirkt werde.

Uebrigens möchte dieses historische Portrait dem Künstler zur Waffe gegen diejenigen dienen, welche in Hrn. Graff zwar den Darsteller männlicher Würde immer hochachten mußten, aber doch in seiner Geschicklichkeit, den Ausdruck weiblicher Anmuth aufzufinden, Zweifel setzten. Denn das Zarte ist in diesem Bilde aufs innigste mit dem Lebendigen verbunden, so wie Fleisch und Draperie mit Liebe und Ausführlichkeit behandelt.

An der Draperie dürfte die letzte vielleicht manchem weniger gefallen, denn so sehr auch dem Künstler der weiße Atlas gelungen ist, der sich an Ariadnens feinen Körper schmiegt, so möchte doch Atlas hier durchaus zu verwerfen seyn. Ueberhaupt würde ein Weiß, welches den Stoff gänzlich verschwiege, am besten passen. Auch waren die sonst trefflich behandelten, silbernen Franzen an dem rothen Gewande, davon zu wünschen. Das königliche Blut muß um so nachdrücklicher aus Adriadnens edler Natur sprechen, [235] je weniger den Gewändern der Entflohenen damit zu prahlen verstattet wird.

Herr Klengel hatte fünf Landschaften, vier in Oel gemalte, und eine Kreidezeichnung ausgestellt. Dem größten von seinen Oelgemälden, einem Abende, war der vielleicht zu einförmige Schnitt und die allzu glühende Farbe eigen, womit dieser Künstler Italienische Natur darzustellen pflegt, indessen überwiegt der Zauber seines freien und kräftigen Pinsels alle Einwürfe, die ihm von jener Seite sowohl, als wegen den nicht eben mit Wohlgestalt begabten, badenden Schäferinnen zu machen seyn möchten. Drei andere kleinere Gemälde dieses Meisters, waren dem Teutschen Himmel entlehnt. Mag es nun ein Beweis mehr von dem nordischen Fluche seyn, der auf uns ruht, oder zeichneten sich diese herrlichen Darstellungen in der That vor dem größern Gemälde aus, genug fast alle Beschauer schienen diesen eine große Vorliebe zu vergönnen. So viel möchte richtig seyn, daß Farbe und Gestalten von Bäumen, Luft und Wasser aufs trefflichste wieder gegeben waren. Mehrere Kenner wollten zwar die eine mit wilder, bergiger Waldgegend, und kleinem Wasserfalle den andern beiden vorziehen; bei näherm Betrachten fand sich aber, daß sie letztern mit ihren freien Aussichten dasselbe Verdienst zugestehen mußten. Sie gehörten zusammen. Ein mit Wolken belegter Himmel, (auf der einen sogar Regenstreifen) zeigte sich in beiden mit der größten Wahrheit.

Für eigne Kompositionen könnten wohl strengere Forderungen gemacht werden, allein für buchstäbliche Abschriften einer das gewöhnlich Schöne nicht überschreitenden Natur, wären sie vielleicht kaum lieblicher auszufinden, und man möchte wünschen, daß dieser Künstler sein großes Talent [236] für treue Nachbildung der Natur so fleißig als möglich auf Dresdens reizende Umgebungen verwendete. So viel Zeichnungen man bereits davon hat, so sind sie doch bei weitem nicht alle von den rechten Leuten verfertigt.

Herr Seidelmann hatte wieder durch die in Sepia nachgearbeitete heilige Cäcilia nach Carlo Dolie gezeigt, wie sehr er’s versteht, den Geist der alten Künstler aus seinen zarten Zeichnungen sprechen zu lassen.

Von den beiden Oelgemälden des Herrn Vogel war das Portrait in seiner gewöhnlichen Manier, dem Ganymed, den er auch ausgestellt hatte, weit vorzuziehen. Letztrer hatte nicht die gehörige Bestimmtheit in den Umrissen, auch fehlte der Farbengebung alles Klare.

Herr Zingg trat mit vier geistvollen, getuschten landschaftlichen Ansichten auf, dem Staubbach in der Schweiz, zwei Ansichten aus der Gegend um Karlsbad und einem Wasserfalle aus dem Schandauer Grunde.

Die ausgezeichnete Blumenmalerin M. Friedrich, hatte diesmal einen Straus, besonders schön in Oel gemalt.

Von Herrn Guttenbrunn waren zwei kleinere Oelgemälde zu sehen. Das eine stellte ein Mädchen am Fenster dar, dessen Schalkheit etwas Anziehendes hatte. Auf seinem zweiten Gemälde stand Apoll, von den Musen, die ihm zuhören umgeben. Viele schienen diesem Bilde Vorzüge zuzugestehen, weil es mit Nettigkeit ausgeführt war.

Herr Schönau hatte außer einem großen Oelgemälde: Phaeton, der den Phöbus um den Sonnenwagen bittet, [237] noch ein Paar kleinere. An dem großen Gemälde möchte eine mehr als gewöhnliche Enthaltsamkeit des Künstlers in Anbringung bunt durcheinander glänzender Farben, einiges Lob verdienen.

Drei in Oel gemalte Landschaften von Dem. Freistein, worunter eine Kopie nach Ruisdael, hatten recht viel Schönes. Nur mochte die Eil, mit der sie gemacht schienen, ihnen den Verlust derjenigen Zartheit zugezogen haben, die man an weiblichen Arbeiten sehr ungern vermißt.

Der mit Zinggs Geiste genau in die Fußtapfen desselben getretene Herr C. A. Richter, hatte drei schöne Zeichnungen nach der Natur und einen Kupferstich nach Herrmann Schwanevelt gegeben. Auch fand man von den noch unter Zinggs Anleitung arbeitenden J. C. Richter, J. M. Richter, Taubert und Müller, brave Zeichnungen. Es wäre jedoch zu wünschen, daß sie künftig, bei noch mehrerer Festigkeit, aus der harten Manier dieser Schule herausgehen möchten. Herr Veith, auch ein vormaliger Schüler von Zingg, hat sich auf diese Weise hervorgethan.

Allgemeine Aufmerksamkeit erregte ein in Oel gemalter Johannes von Herrn M. Rezsch, einem Grassischen Schüler, und mit Recht, denn dieser Kopf gehörte unstreitig zu dem Vorzüglichen der Ausstellung. Die geistreiche Ruhe, und edle Form bei einem so warmen Kolorit wie in diesem Gesichte, berechtigen zu großen Erwartungen von dem jungen Erfinder, wenn man auch den eigentlichen Charakter des frommen Johannes nicht ganz darin erkennen sollte. Mehrere in Kreide gezeichnete Akademien des talentvollen Mannes zeichneten sich durch ihre Korrektheit aus. [238]

Die Wirkung des Mondlichts hatte Herr Kleinig in einer getuschten Landschaft mit vielem Glücke gezeigt, Herr Gränicher in einem Wasserfarbengemälde einen Zug Landstreicher mit wilden Thieren, und den Eindruck den solcher auf die Landleute in der Gegend macht, mit vieler Laune dargestellt. Frau von Duchene’s zartem Pinsel war ein schalkhafter, liegender Amor nach Grassi, in Miniatur, sehr gelungen. In Blumengemälden hatte sich wieder der verdienstvolle Arnold aus Meißen, durch zwei außerordentlich liebliche, kleine Blätter hervorgethan. Von Lommazsch waren ebenfalls zwei sehr artige zu sehen, wie von Fräulein von Kleist ein treffliches Fruchtstück in Oel.

Herr von Wazdorf dessen fleißige Hand schon oft Scenen aus dem Leben, mit Glück in kleine Landschaften brachte, hatte in einem Postillon, der das Felleisen fuhr, die antheillose Passivität dieser Klasse erschöpfend ausgedrückt, Herr Kaffe dagegen in seinen drei Pastellportraits, auf die sorgfältige und saubere Ausführung der Wäsche, die sonst immer an seinen Gemälden hauptsachlich hervorstach, diesmal weniger Fleiß verwandt.

Der verdiente Herr Schnorr, war mit einer artigen Zeichnung von Schillers Mädchen aus der Fremde zum Vorschein gekommen.

Von den eingelaufenen architektonischen Sachen, verrieth manche Erfindung einen verständigen Künstler.

Hiermit würde denn freilich keinesweges von allem gesprochen seyn, worinnen Talent und Fleiß zu finden war, aber so ausführlich habe ich auch nicht werden wollen. Nur [239] von dem was mich vorzüglich anzog, oder von sich entfernte, war mein Vorsatz etwas zu sagen. Von drei getuschten Landschaften jedoch des Herrn Friedrich, kann ich unmöglich schweigen, wegen des gelungenen Bestrebens dieses Künstlers, tiefern Sinn in seine Darstellungen zu legen, und die landschaftliche Natur seiner poetischen Idee zu unterwerfen. Eine dieser Darstellungen bestand in seinem eignen Begräbniß. Der Leichenzug war auf dem Kirchhofe angelangt, wo schon auf mehrern Grabhügeln Namen aus Friedrichs Familie standen. Für einen frischen Hügel war seine Leiche bestimmt. Hier ruhet in Gott C. D. Friedrich, hatte ein daneben liegendes Kreuz zur Inschrift. – Der Priester, der eben über der Leiche eine Rede hielt, zeigte mit der Hand in die Höhe. Ein weißer Schmetterling, der wie von ungefähr grade da aufflog, wohin der Priester deutete, setzte seine Rede vollends außer Zweifel. Betrübte Verwandte und Zuhörer standen und saßen umher. Dicht daneben waren die Trümmer eines ansehnlichen Gebäudes angebracht. Ein Lichtstreif aus dem mit Wolken verhüllten Himmel fiel herab, in dessen Strale fünf andre Schmetterlinge (die früher Verstorbenen) schwebten. Ueber den Trümmern wölbte sich der Bogen des Friedens. – Eine zweite Landschaft dieses Zeichners, Wintergegend voll Schnee und darin ein Leichenzug, mochte auf den Wunsch mit der Natur zugleich zu sterben, hindeuten. Die vorzüglichste aber schien mir ein Sonnenaufgang von Hrn. Friedrich, dem eine Prozession Wallfahrter zur Staffage diente. Das ferne Heiligenbild, welches ihr Ziel war, und vor dem schon Betende lagen, hatte der dichtende Künstler so gestellt, daß die Stralen der aufgehenden Morgensonne in gleicher Richtung damit standen. Es war ein herrliches Blatt. Ob schon nur getuscht, hatte Hr. Friedrich doch die Farben aufs beste dem ahndenden Geiste vorgelegt. Die Gipfel der [240] Berge und die Gesichter der Wallfahrenden glänzten von der Sonne, während sich der Statten noch im Thale zeigte. Ich möchte behaupten, daß dies die einzige Art wäre, die Sonne selbst, am Himmel zu zeigen, weil es hier bloß der Einbildungskraft des Zuschauers überlassen bleibt, sich ihre gewaltigen Stralen zu denken, anstatt, daß bei einer gemalten Landschaft seiner Phantasie eine Grenze vorgeschrieben wird, welche sie nicht anzuerkennen vermag. Unter die Natur, sollte die Kunst sich niemals erniedrigen wollen, sondern sich da, wo die Natur in unerreichbarer Kraft erscheint, immer mit bloßen Andeutungen begnügen. –

Herr F. hatte über das Blatt eine Harmonie ausgegossen, die man an seinem Begräbnisse nicht ganz wieder fand. Die Idee schien dort die malerische Darstellung etwas beeinträchtigt zu haben, statt daß beide mit einander verbunden hatten wirken können. Ueberhaupt möchte denjenigen jungen Künstlern, welche die Kunst durch Poesie wieder zu beseelen streben, die Bitte: auch auf das Mechanische der Kunst Rücksicht zu nehmen, an’s Herz zu legen seyn, weil dieses zur Schönheit in der Darstellung nothwendig gehört. Die Poesie hätte niemals von der bildenden Kunst getrennt werden sollen, sie verschmäht es aber auch auf den Trümmern derselben zu herrschen, weil sie sich so am Ende selbst in magre, prosaische Ideen auflösen würde.






  1. Es steht zu erwarten, ob Göthe’s so glühender und unschätzbarer Eifer, es dahin bringen werde, etwas besseres sogleich von dem Punkte, worauf die bildende Kunst jetzt sich befindet, ausgehen zu lassen, oder ob der Keim zu dem Bessern, erst in der gänzlichen Vernichtung des bereits bestellenden liege?
  2. Denen, die mich bei Darstellung der Grazien auf das Reizende sollten verweisen wollen, antworte ich mit Lessing: „Reiz ist Schönheit in Bewegung, und eben darum dem Maler weniger bequem, als dem Dichter. Der Maler kann die Bewegung nur errathen lassen, in der That aber sind seine Figuren ohne Bewegung. Folglich wird der Reiz bei ihm zur Grimasse.“ Laokoon. Ir Bd.
  3. „Der Lauf der Begebenheiten,“ sagt Schiller (Horen I. I.) „hat dem Genius derzeit eine Richtung gegeben, die ihn je mehr und mehr von der Kunst des Ideals zu entfernen droht.“