Textdaten
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Autor: K.
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Titel: Erdbrände
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aus: Die Gartenlaube, Heft 6, S. 194
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1898
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[689] Erdbrände. Vor kurzem brachten die Tagesblätter die Nachricht, daß im Kohlengebiet der Saar zwischen Dudweiler und Neuweiler der „brennende Berg“ sich einen neuen Ausgang geschaffen habe. Die Ausbruchstelle, die dicht unter einem Baume sich befindet, stößt eine starke Rauchsäule aus, während an einer alten Ausbruchstelle eine starke Buche stürzte, deren Wurzeln verbrannt waren. Dieser brennende Berg ist ein Hügel, in dessen Inneren sich ein Steinkohlenflöz befindet, welches um das Jahr 1660 durch Unvorsichtigkeit eines Hirten an einer Stelle in Brand geriet. Alle Versuche, den Brand mit Wasser zu löschen, blieben vergebens, und so dauert derselbe noch unter der Erdoberfläche seit 230 Jahren ununterbrochen fort. Der Ort bei Dudweiler ist aber nicht die einzige Stelle, wo Erdbrände eingetreten sind.

Zu Riccamari bei St. Etienne in Frankreich befindet sich eine Steinkohlenmine, von der schon vor einem halben Jahrtausend berichtet wird, daß sie brenne; 1765 war der Brand noch lebhaft, aus neuester Zeit liegen darüber keine Nachrichten vor. In einer Kohlenschicht am Flusse Tyne in England brach im vorigen Jahrhundert durch Nachlässigkeit der Arbeiter Feuer aus und dieses brannte ununterbrochen 30 Jahre lang; etwas Aehnliches ereignete sich 1746 bei Wettin in Sachsen.

Ein Brand im Zwickauer Steinkohlengebirge soll dadurch entstanden sein, daß 1641 der General Borry absichtlich in den Gruben Feuer anlegen ließ. Indessen läßt sich nachweisen, daß damals das Flöz schon seit Jahrhunderten brannte. In Herzogs „Chronik der Kreisstadt Zwickau“ heißt es: Die Steinkohlenlager ziehen sich dreiviertel Stunden südlich von der Stadt unter der Mulde hinweg bis nach Oberplanitz und sinken jenseit wie diesseit der Mulde bis zu einer Tiefe von 1000 Metern hinab. Das Auffinden der Kohlenflöze setzt die Sage bis in die Sorbenzeit zurück, im 16. Jahrhundert waren sie schon so bekannt, daß die Professoren der Universität zu Coimbra in Portugal ihrer in Schriften gedenken. Zwischen Nieder-Kainsdorf und Planitz brennt unterirdisch ein Kohlenflöz seit undenklichen Zeiten, indem dort abwechselnd an mehreren Stellen, die sich brennend heiß anfühlen, bald schwächer bald stärker Dampf aus der Erde kommt, bisweilen mit Geräusch. Selbst im härtesten Winter bleibt auf dieser Strecke kein Schnee liegen. Nach der Meißener Chronik des Albinus soll die Entzündung 1479 stattgefunden haben. Der berühmte Agricola, welcher von 1518 bis 1522 Rektor in Zwickau war, gedenkt des Brandes und bemerkt: Niemand wisse, wann und wie derselbe entstanden sei. Die Entzündung muß also lange vor 1479 stattgefunden haben, weil sonst nach 40 Jahren doch wohl die Entstehung derselben bekannt gewesen wäre. In den Jahren 1668 bis 1675 wütete das Feuer so heftig, daß die gesamte Steinkohlenförderung auf den Planitzer Revieren aufhörte. Man versuchte durch Wasser den Brand zu löschen, ebenso durch Verdämmung, aber alles war vergeblich. So zog sich dieser Erdbrand durch das ganze 18. Jahrhundert hin, und als auch 1812 erneute Löschungsversuche mißlangen, wurden alle Planitzer Schächte zugeschüttet, worauf nach 10 Jahren keine Spur des Brandes mehr bemerkbar war. Kaum aber waren die Schächte wieder geöffnet worden, als der Brand von neuem heftig ausbrach, worauf man das Flöz wieder sich selbst überließ.

Ein industrieller Mann verfiel auf die Idee, von der unterirdischen Wärme Nutzen zu ziehen, indem er bei Ober-Planitz eine Treibhausgärtnerei anlegte. In großen, über dem warmen Boden erbauten Räumen wurden Palmen, Orchideen und Ananas kultiviert und diese tropischen Pflanzen gediehen daselbst vortrefflich. Leider hatte aber die Herrlichkeit keinen langen Bestand. Der unterirdische Kohlenbrand blieb nicht dauernd an der nämlichen Stelle, sondern schritt weiter und mit ihm die Erwärmung des Bodens. Diesen Wanderzügen konnten die Treibhäuser nicht folgen, und so sah sich der Besitzer genötigt, die warme Luft durch Röhren seinen erkalteten Gebäuden zuzuführen. Auch das dauerte nicht lange und schließlich ging die Gärtnerei ganz ein.

Nachdem seit anderthalb Jahrzehnten keine Spur des Brandes mehr bemerkt worden war, wurde 1880 bis 1881 ein Schacht angelegt und ein regelrechter Betrieb der Kohlenförderung eingerichtet. An anderer Stelle brennt das Kohlenflöz unterirdisch noch fort. Daß man es bei diesen Erdbränden nicht mit einer Art von vulkanischen Erschütterungen zu thun hat, ist nach dem Vorhergehenden klar.K.