Eine merkwürdige Abbitte

Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: Eine merkwürdige Abbitte
Untertitel:
aus: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes
S. 120-121
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1803-1811
Erscheinungsdatum: 1811
Verlag: Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Eine merkwürdige Abbitte.

Das ist merkwürdig, daß an einem schlechten Menschen der Name eines ehrlichen Mannes gar nicht haftet, und daß er durch solchen nur ärger geschimpft ist.

Zwei Männer saßen in einem benachbarten Dorf zu gleicher Zeit im Wirthshaus. Aber der eine von ihnen hatte bösen Leumund wegen allerley, und sah ihn und den Iltis niemand gern auf seinem Hof. Aber beweisen vor dem Richter konnte man ihm nichts. Mit dem bekam der andere Zwist im Wirthshaus, und im Unwillen, und weil er ein Glas Wein zu viel im Kopf hatte, so sagte er zu ihm: Du schlechter Kerl! – Damit kann einer zufrieden seyn, wenn ers ist, und braucht nicht mehr. Aber [121] der war nicht zufrieden, wollte noch mehr haben, schimpfte auch, und verlangte Beweis. Da gab ein Wort das andere, und es hieß: Du Spitzbub! du Felddieb! – Damit war er noch nicht zufrieden, sondern gieng vor den Richter. Da war nun freylich derjenige, welcher geschimpft hatte, übel d’ran. Leugnen wollt’ er nicht, beweisen konnt’ er nicht, weil er für das, was er wohl wußte, keine Zeugen hatte, sondern er mußte einen Gulden Strafe erlegen, weil er einen ehrlichen Mann Spitzbube geheißen habe, und ihm Abbitte thun, und dachte bei sich selber: theurer Wein! Als er aber die Strafe erlegt hatte, so sagte er: „Also einen Gulden kostet es, Gestrenger Herr, wenn man einen ehrlichen Mann einen Spitzbuben nennt? Was kostet’s denn, wenn man einmal in der Vergeßlichkeit oder sonst zu einem Spitzbuben sagt: Ehrlicher Mann.“ Der Richter lächelte, und sagte: Das kostet nichts, und damit ist niemand geschimpft. Hierauf wendete sich der Beklagte zu dem Kläger um, und sagte: „Es ist mir leid, ehrlicher Mann! Nichts für ungut, ehrlicher Mann! Adies, ehrlicher Mann!“ Als der erboste Gegner das hörte, und wohl merkte wie es gemeynt war, wollte er noch einmal anfangen, und hielt sich jetzt für ärger beleidigt als vorher. Aber der Richter, der ihn doch auch als einen verdächtigen Menschen kennen mochte, sagte zu ihm: Er könnte jetzt zufrieden seyn.