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Titel: Eine arabische Tänzerin
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 389, 400
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1887
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Alméen und andere arabische Tänzerinnen
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[389]
Die Gartenlaube (1887) b 389.jpg

Arabische Tänzerin.
Nach dem Oelgemälde von E. Vernet Lecomte.
Photographie von Boussod, Valadon u. Comp. (Goupil u. Comp.) in Berlin u. Paris.

[400] Eine arabische Tänzerin. (Mit Illustration S. 389.) Alle orientalischen Völker lieben den Tanz nicht wie wir als ein geselliges Vergnügen, sondern als Schauspiel. Der Orientale tanzt nicht, er läßt sich etwas vortanzen, eine „Fantasia“, wie es dort heißt. Von den kleinasiatischen Küsten des Mittelmeeres, von Aegypten, Tunis, Marokko bis in die ehemals von Mauren bewohnten Gebiete des christlichen Spaniens hinein unterhält der Tanz das zuschauende Publikum. Sind es in Granada Zigeunerinnen, die solch Schauspiel für Geld ausführen, auf den Oasen der Sahara braune Weiber mit lose um den Körper flatternden Gewändern, so sehen wir in den von Arabern reinen Schlages bewohnten Gebieten die Alméen durch solche Produktionen das Publikum unterhalten. Prächtige Frauengestalten mit Köpfen von reinster Rassenschönheit, das blauschwarze Haar mit Münzen und Schleiertüchern geschmückt, den üppigen Leib von leichter, loser Gewandung halb umhüllt, überragen diese Alméen an Liebreiz, Grazie und Schönheit weit jene Biskris und die Zigeunerinnen des Albaycin. Ihre Kunstübung aber ist im Wesentlichen überall die gleiche. Im Kaffeehause hocken die Männer rings an den Wänden auf Polstern. Schweigend rauchen sie aus langen Pfeifen; schweigend schlürfen sie den wundervollen schwarzen Kaffee; kein Wort des Gespräches zerstreut sie, die Unterhaltung erwarten sie von außen her. Diese beginnt mit einer gräulichen Musik von schrillem Blech und dumpfen Trommeln. Die Tänzerin erscheint in der freien Mitte des Raumes, meist allein, manchmal in Begleitung eines braunen Mannes oder einer weiblichen Gefährtin.

Die Fantasia nimmt ihren Anfang. Der Tanz führt diesen Namen mit Recht, denn es ist kein Tanz, sondern ein wohliges Dehnen, Wiegen, Schaukeln des Oberkörpers, ein sinnliches Locken und Haschen. In kurzen Bewegungen zuckt der üppige Körper, schnellt empor, zieht sich schnell wieder zusammen, während das Gesicht niemals seine träumerische Ruhe verliert; nur die feucht schwimmenden Augen richten sich in mattem Glanze auf das Rund der Zuschauer, die, durch das Schauspiel aus ihrer Apathie erweckt, mit leuchtenden Blicken die in der That fesselnden Bilder verschlingen. Die Almée ermattet scheinbar, die schönen Glieder werden schlaff, die Arme sinken am Körper herab. Dies dient zum Signal, um der Tanzenden Münzen verschiedenen Werthes auf den Teppich zu werfen, der den Fußboden deckt. Schnell rafft sie die Gaben zusammen, grüßt leise rings umher und verschwindet, um im nächsten Kaffeehause das gleiche Schauspiel vorzuführen. Die Almée tanzt jedoch nicht nur in Kaffeehäusern; man entbietet sie in die Wohnungen der Vornehmen und Reichen. So sehen wir sie offenbar auf unserem Bilde: das bezeugen die Teppiche auf den Sitzen, die Säulen und Vorhänge im Hintergrunde. Sie scheint gleichgültig die Castagnetten, ihre kleinen Wa[ff]en zu prüfen, wie der Kämp[f]er die seinigen vor Beginn des Kampfes. Doch das ist nur Spiel, künstliche Apathie, aus der sie plötzlich emporschnellt; das Auge belebt sich, Feuer scheint ihre Adern zu durchströmen, sobald sie tanzt. Das wiederholt sich an jedem Abend, nicht nur in größeren Städten, sondern überall bis in die Palmenwälder der Sahara-Oasen. Nur Typus, Rasse und Erscheinung der orientalischen Tänzerinnen sind verschieden und unter allen nimmt die Almée, die wir nur im Osten, in Aegypten, in Arabien finden, an Grazie, Schönheit und Vornehmheit den ersten Rang ein.