Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Ein leichter Vogel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 544
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1853
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite

[544] Ein leichter Vogel. Diese sprüchwörtliche Bezeichnung einer Person von leichtfertigem Lebenswandel stammt aus Spanien.

War ein Frauenzimmer überführt, durch sein Leben gegen die guten Sitten verstoßen zu haben, und wurde in Folge davon zu einer Strafe verurtheilt, so wurde die Verurtheilte, von den Schultern bis zu dem Gürtel entblößt, auf einen Esel gesetzt und in Begleitung des Scharfrichters, dem zwei seiner Knechte folgten, durch die Stadt geführt. An jedem Kreuzwege, auf den man kam, machte der Zug Halt; eine Gerichtsperson, die denselben eröffnete, las den Namen und das Vergehen der Schuldigen, so wie das über sie gefällte Urtheil mit lauter Stimme vor, der Scharfrichter tauchte einen großen Pinsel in ein Gefäß mit Honig, an dessen Stelle später der wohlfeilere Syrup gesetzt wurde, bestrich damit irgend einen Theil ihres Körpers vom Kopf bis zu dem Gürtel, und seine Knechte streuten aus zwei großen Säcken, die sie bei sich trugen, einige Hände voll Federn verschiedener Vögel über sie. Diese Federn setzten sich natürlich auf der klebrigen Masse fest, und nachdem allmälig alle entblößten Theile des Körpers, selbst Haare und Gesicht nicht ausgenommen, auf gleiche Weise mit Honig bestrichen und mit Federn bestreut worden waren, gewann der obere Theil des Körpers der Verurtheilten allerdings durch seine buntgemischte Befiederung das Ansehen eines riesenmäßigen Vogels von menschlicher Gestalt.

Daher rührt in Spanien noch jetzt die Redensart, die man als den größten Schimpf betrachtet, welchen man einer Frau anthun kann: Sie ist in Honig eingemacht gewesen! – Oder: Sie verdiente in Honig eingemacht zu werden.