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Textdaten
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Autor: P.
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Titel: Ein guter Geschäftsmann
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 424
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[424] Ein guter Geschäftsmann. Die Wotjäken scheinen die prächtigsten Naturanlagen zum Geschäftsmann zu haben, und es dürfte vielleicht manchen der zu Hunderten auftauchenden Kredit- und andern ähnlichen Gesellschaften mit dem Nachweis eines solchen vortrefflichen Exemplars gedient sein. Diese Herren Wotjäken gehören zur Familie der uralischen Völker und wohnen an beiden Ufern der Wjätka. Der Wotjäke gehört zu der Klasse des menschlichen Geschlechts, die sich vor Geiz selber auffrißt. In seiner übersimpeln Häuslichkeit findet er alle Mittel zur Befriedigung der Bedürfnisse, die er sich zu gestatten erlaubt, und es geschieht gewiß nicht oft, daß er in einen Laden geht, um seinem Weibe oder seiner Tochter ein Halstuch oder dergleichen zu kaufen. Sollte er auch 100 Pud Mehl auf einmal und zu den besten Preisen in der Stadt verkauft haben, er wird sich zehnmal besinnen, ob er seinen Kindern eine Semmel für zwei Kopeken mitbringen soll. Ein solcher Wotjäke nun erschien mit seinem blinden Vater bei einem Arzte und wollte diesem geholfen haben. Es entspann sich folgende Unterredung: „Väterchen, ich habe erfahren, daß Du Augen machst. Da ist mein blinder Vater. Kannst Du ihm Augen machen?“ Der Arzt untersucht den Kranken und erklärt, daß das Uebel heilbar sei. „Was nimmst Du dann aber für’s Augenmachen’?“ fragt der Wotjäke.

„Kannst Du mir zehn Rubel dafür geben?“ erwiedert der Arzt. „Nein, Väterchen, das ist zu viel! Nimm sechs Rubel.“ „Gut, ich will mich mit sechs Rubel begnügen.“ „Und machst Du für sechs Rubel beide Augen?“ „Beide, das versteht sich.“ „Gut,“ sagt nun der Wotjäke, der sein Ziel erreicht hat, „so gebe ich Dir drei Rubel, Väterchen; mache ihm nur ein Auge; er ist alt, er hat an einem Auge wohl auch genug.“
P.