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Ein deutscher Trollhätta-Canal (Die Gartenlaube 1862)

Textdaten
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Titel: Ein deutscher Trollhätta-Canal
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 672
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1862
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Elbing-Oberländischer Kanal
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[672] Ein deutscher Trollhätta-Canal. Wenige gebildete Deutsche dürfte es geben, die nicht von dem berühmten Canal in Schweden gehört haben; wie viele derselben wissen jedoch etwas von dem in seiner Art noch merkwürdigeren deutschen Bauwerk, dem Elbing-Oberländischen Canal? Ein Bauwerk, sehenswerther als gar manches, um dessen willen der Deutsche, der im Ausland reist, einen bedeutenden Umweg nicht scheut. Während die schwedischen Schleußen eine Höhe von 112 Fuß haben, liegen die Canalstrecken des preußischen Oberlandes 225 Fuß über dem Wasserspiegel der untern Strecke, welche in den Elbingfluß und durch diesen in das frische Haff führt. Die Verbindung wird durch schiefe Ebenen unterhalten, was schneller und billiger ist als durch Schleußen. Das hierbei stattfindende Verfahren ist folgendes: Ist ein Schiff an dem Ende der oberen Canalstrecke angelangt, so wird unter dasselbe, während es noch schwimmt, ein großer Wagen gefahren; vermittelst desselben wird es dann herausgezogen und auf einem Schienenwege über eine geneigte Ebene von 65 Fuß herabgelassen; das gleiche Verfahren findet nach und nach an drei andern Stellen statt. Umgekehrt findet das Aufsteigen in derselben Weise statt; wenn es sich aber trifft, daß gleichzeitig ein Schiff am obern Theile des Canals und ein anderes am untern Theile desselben ankommen, so wird das Gewicht des hinabgehenden zum Hinaufziehen des andern benutzt. Der erforderliche Mehraufwand von Kraft, und wenn kein thalgehendes Schiff zur Stelle ist, die ganze Kraft wird durch ein rückschlächtiges Wasserrad von 27 Fuß Durchmesser gewonnen. Die Dauer der Fahrt über die vier Ebenen beträgt mit Einrechnung der Zeit, welche zum Einfahren der Schiffe auf den Wagen und zum Abfahren von denselben erforderlich ist, durchschnittlich 15 Minuten, also nicht mehr, als zur Füllung oder Entleerung einer einzigen Schleuße gehören würde.